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Verkehr

Die Umgehungsstraße rückt etwas näher

Der Gemeinderat fasste am Donnerstagabend den Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan für die Ortsentlastungsstraße gegen die Stimme von Claudia Koch. Allzu groß war das Interesse der Bürger aber nicht: Rund 30 Affalterbacher kamen in die Lemberghalle.

Affalterbach. Der Bebauungsplan ist damit zunächst abgesegnet. Der Plan war nochmals öffentlich ausgelegt worden, da im Dezember 2018 Änderungen wegen des Steinkauzes, der Existenzgefährdung der Landwirte und wegen der Verkehrsanalyse eingearbeitet worden waren.

Die Träger öffentlicher Belange wie das Regierungspräsidium Stuttgart oder das Landratsamt Ludwigsburg äußerten sich nicht zu den geänderten Teilen der Planung, sondern zu vorhergehenden. So ist zum Beispiel bereits länger bekannt, dass der Boden im Buchenbachtal nicht versickerungsfähig ist, weshalb Retensionsflächen für das abfließende Wasser geplant wurden. Bürger hatten sich zudem zum Steinkauz geäußert. Ein Steinkauz hat sich eine Nisthöhle im Beckental zur neuen Heimat erkoren. Da er auf dem Boden jagt, braucht er „kurzrasige Flächen“, erklärte Sibylle Leibfritz vom Planungsbüro KMB in der Sitzung nochmals. Statt einer Obstwiese wird zum Beispiel beim Brutplatz eine grüne Fläche angelegt, die früh gemäht wird.

Gutachten: Keine Existenzgefährdung

Für sieben landwirtschaftliche Betriebe wurden Gutachten erstellt: Eine Existenzbedrohung wird nicht gesehen. Auch Erweiterungsmöglichkeiten für bestehende Höfe gebe es. Erst wenn den Landwirten fünf Prozent der Flächen entzogen würden, sei das existenzgefährdend, so Leibfritz. In Affalterbach handle es sich um 0,2 Hektar. Auch die Berechnungsgrundlage des Verkehrsgutachtens sei wissenschaftlich hinterlegt, die Lärmwerte werden demnach sowohl im Ort als auch an der Entlastungsstraße eingehalten.

„Die Eingriffe in die Natur sind gravierend“, kritisierte Claudia Koch (Ula). Der Flächenbedarf sei überproportional und die Landwirte verlören hochwertige Böden. Drei Kreisverkehre müsste die Gemeinde selbst bezahlen, ein Viertel der Strecke sei nicht förderfähig. Die Ausgaben für die Umgehung müsste aus dem Ersparten bezahlt werden – 2017 wurde mit 15 Millionen Euro gerechnet, die Baukosten seien aber in den vergangenen Jahren um durchschnittlich fünf Prozent jährlich gestiegen, womit man jetzt bei rund 17,4 Millionen Euro wäre. Zudem werde es weniger Verkehr im Ort geben, wenn der Autobahnzubringer Winnenden-Mundelsheim gebaut sei.

„Wir wissen um den Eingriff in die Natur und die Landwirtschaft, das haben wir abgewogen, aber die Lebensqualität im Dorf ist wichtiger“, so Bürgermeister Steffen Döttinger. Straßen würden weiterhin gefördert und der Zubringer Mundelsheim ist noch nicht fertig. Die Entlastungswirkung für den Ort mit 66 Prozent sei „enorm“. Auch das Argument Kochs, dass die jetzige Durchfahrtsstraße mit weniger Verkehr nicht mehr vom Lärmaktionsplan tangiert sei und Tempo 30 aufgehoben werden könnte, ließ Döttinger nicht gelten: Die Straße könne eventuell in Gemeindebesitz übergehen.

Ort von Verkehrsachsen zerschnitten

Rudolf Häußermann (Freie Wähler) betonte, dass die Bürger die Leidtragenden seien, vor allem die Kinder, die entlang der Winnender Straße zur Schule laufen. „Wir haben keine Ortsmitte, wo man sich treffen kann“, klagte Sonja Bänsch (Freie Wähler), der Ort werde von drei Verkehrsachsen zerschnitten. Auch Sven Harder (SPD) freut sich auf die Umgehung: Wegen des Industriegebietes werde es immer Verkehr im Ort geben. Wenn der Verkehr aus dem Ort sei, könne man aber die von der Ula geforderten Radwege realisieren. Auch Stefan Hinner (SPD) zollte Claudia Kochs Argumenten Respekt. Man könne aber zweigleisig fahren: Aus heutiger Sicht sei die Straße gut und man könne die Planung vorantreiben, später könne man sie technisch gut verpacken. „Es gibt keine neuen Argumente. Wir sollten unsere Energie darauf verwenden, die Straße so gut wie möglich zu machen“, sprach Helmut Rikker (Freie Wähler) das Schlusswort.

Gegen den Beschluss kann geklagt werden, rechnet man das ein sowie die Bearbeitungszeit der Förderanträge, könnte der Baubeschluss frühestens in drei Jahren gefasst werden. „Das ist der optimistische Fall“, so Döttinger. Mit der Planung begonnen wurde vor neun Jahren.

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