Logo

CoronaVirus

Die Vorbereitung auf den Ernstfall

350_0900_25006_350_0008_2048201_Corona.jpg

Kreis Ludwigsburg. Wie bereitet sich der Landkreis auf Corona-Fälle vor?

Es gibt einen Krisenstab, der sich jeden Tag trifft und der bei Bedarf erweitert werden kann. An alle niedergelassenen Ärzte geht ein Schreiben heraus, wie im Krankheitsfall zu verfahren ist. „Aber wir werden keine große Untersuchungsreihe fahren“, sagt Thomas Schönauer, Leiter des Dezernats Gesundheit beim Landratsamt und selbst Arzt, „das läuft über die Hausärzte.“.

.Ist das Info-Telefon im Gesundheitsamt noch geschaltet?

Ja, fünf bis sechs Mediziner sitzen am Telefon (07141) 144-69400. Die Hotline ist von Montag bis Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr und montags bis donnerstags von 14 bis 16 Uhr geschaltet. Es gibt eine gesplittete Hotline, eine für Hausärzte und eine für Bürger. Außerdem gibt es auf der Homepage des Landratsamtes ( www.landkreis-ludwigsburg.de) täglich aktualisierte Informationen. Diese Homepage ist besser erreichbar als die des Robert-Koch-Instituts, die wegen der vielen Aufrufe gelegentlich zusammenbricht.

Wie soll sich jemand verhalten, der glaubt infiziert zu sein?

Bei einer Infektion mit dem Coronavirus gilt: Als Schutz vor einer Infektion sind Hygienemaßnahmen und vor allem das gründliche Händewaschen erforderlich. Bei tatsächlichem Verdacht auf das Vorliegen einer Coronavirus-Infektion mit grippalen Symptomen, Fieber, und/oder Kontakt mit einem Erkrankten sollte vorrangig der telefonische Kontakt mit der Praxis des Hausarztes erfolgen. Von dort wird das weitere Vorgehen koordiniert. Die Praxis muss nicht persönlich aufgesucht werden, bei schwereren Verläufen können Hausbesuche erfolgen oder der Patient kann nach der Sprechstunde in die Praxis kommen. Hat der Betroffene die typischen Symptome und war in einem Risikogebiet im Ausland oder hatte Kontakt mit einem bereits infizierten Patienten, erfüllt er die Falldefinition des Robert-Koch-Instituts. Dann kann der Hausarzt einen Abstrich zum Virusnachweis vornehmen. Außerhalb der Dienstzeit und am Wochenende sollte primär die Kontaktaufnahme über die Notfallpraxis der Region erfolgen. Wenn der Hausarzt die Anfertigung eines Tests zur weiteren Diagnostik für erforderlich erachtet, sollte der Patient zuhause bleiben, bis das Ergebnis vorliegt. Der niedergelassene Arzt entscheidet dann je nach Ergebnis über das weitere Verfahren.

Wie sehen die Symptome aus?

Wie andere Erreger von Atemwegserkrankungen kann eine Infektion mit dem Coronavirus zu Krankheitszeichen wie Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber führen. Einige Betroffene leiden auch an Durchfall. Bei einem Teil der Patienten scheint das Virus mit einem schwereren Verlauf einherzugehen und zu Atemproblemen und Lungenentzündung zu führen. Todesfälle traten allerdings bisher vor allem bei Patienten auf, die älter waren und/oder bereits zuvor an chronischen Grunderkrankungen litten. Derzeit liegt der Anteil der Todesfälle, bei denen die Erkrankung mittels Labortest bestätigt wurde, bei ein bis zwei Prozent.

Wann wird ein Patient ins Krankenhaus eingewiesen?

Ist der Patient aus Sicht des niedergelassenen Arztes so schwerwiegend erkrankt, dass eine stationäre Aufnahme notwendig ist, wird er nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt in eine Klinik eingewiesen. „Die Versorgung für Patienten mit einer Grippe- oder Coronavirus-Infektion, die stationär versorgungspflichtig sind, ist in den RKH Kliniken gewährleistet. Wir haben einen Stufenplan und sind sehr gut vorbereitet“, sagt Professor Dr. Jörg Martin, Geschäftsführer der RKH Kliniken.

In welchen Fällen würde das Gesundheitsamt eine Quarantäne verhängen und wie würde die aussehen?

Das Gesundheitsamt kann keine Quarantäne verhängen, sondern nur die zuständige Behörde – in der Regel das Ordnungsamt – nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt. Eine Massenquarantäne ist aber nicht angedacht. „Da verbreitet sich das Virus noch mehr, wenn man die Leute zusammen sperrt“, sagt Gesundheitsamtsleiter Thomas Schönauer, „am besten bleiben die Leute zu Hause, da sind sie gut aufgehoben.“

Wer würde – wie in China oder Italien – Absperrungen von Kommunen anordnen, und ist das überhaupt denkbar?

Das sei schwer vorstellbar, sagt der Leiter des Gesundheitsamtes, Thomas Schönauer. Auch ob Schulen oder Kindergärten geschlossen werden, entscheidet die jeweils zuständige Behörde.

. Gibt es noch genügend Atemschutzmasken?

Nach Auskunft von Alexander Meyer von der Myliusapotheke in Ludwigsburg sind Atemschutzmasken schon seit Ende Januar ausverkauft. „Wir können derzeit auch keine nachbestellen“, sagt der Apotheker. Die Landesapothekerkammer verweist aber darauf, dass für gesunde Menschen keine Notwendigkeit bestehe, Schutzmasken zu tragen. Ohnehin könne man damit nur verhindern, andere Menschen anzustecken. Zum eigenen Schutz dienten die Masken nicht. Die Nachfrage nach Atemschutzmasken sorgt im Internet für extreme Preissprünge. Ein Händler bot bei Amazon eine Box mit 50 Gesichtsmasken für 95,50 Euro an. Versandapotheken hatten das gleiche Produkt vor kurzem noch für 3,95 Euro im Angebot.

Wie sieht es mit Desinfektionsmitteln aus?

Ähnlich schlecht sieht die Versorgung mit Desinfektionsmitteln aus. „Die werden allmählich knapp“, sagt Meyer. Auch in einigen Drogeriemärkten im Kreis hieß es gestern: ausverkauft. Die Produzenten, wie etwa der Medizinartikelhersteller Paul Hartmann mit Sitz in Heidenheim haben angekündigt, die Produktion zu erhöhen, um den Bedarf zu decken. Die Landesapotheker drängen jedoch darauf, dass neben dem Einsatz von Desinfektionsmitteln auch die Handhygiene nicht vernachlässigt wird: „Händewaschen ist jetzt noch wichtiger.“

Gibt es Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr durch den Ausbruch des Coronavirus?

Bislang fahren Busse und Bahnen ohne jegliche Einschränkung. Die Deutsche Bahn, die auch für den Betrieb der S-Bahn zuständig ist, steht zur Bewertung der Entwicklungen zum Corona-Virus in ständigem Austausch mit den Gesundheitsorganisationen und Behörden. Die Entscheidung über Maßnahmen zur Eindämmung des Virus obliege den Behörden, heißt es von der Deutschen Bahn, die Auskünfte zum Coronavirus nur über ihre Zentrale in Berlin erteilt.

Wie verhält man sich in Menschenansammlungen, zum Beispiel im Gottesdienst?

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat gestern an alle Leitenden Pfarrer eine Rundmail geschickt, in der sie zu einer Reihe von Vorsichtsmaßnahmen rät. So soll in den Gottesdiensten bis auf weiteres auf das gegenseitige Händereichen als Friedensgruß verzichtet werden.

Da auch der Empfang der Kommunion durch den Mund Gefahren berge, empfiehlt die Diözese derzeit ausschließlich die Handkommunion. Auf die Kelchkommunion mit der Gemeinde sollte ebenfalls verzichtet werden. Was sonst nur am Karfreitag in der Kirche üblich ist, werden die Gläubigen in nächster Zeit als Normalfall haben: ein leeres Weihwasserbecken. Auch dies ist eine Vorsichtsmaßnahme gegen die Ansteckungsgefahr.

Wie groß ist die Gefahr, die von dem Coronavirus ausgeht?

„Es handelt sich um keine Seuche wie die Pest im Mittelalter“, sagt der Leiter des Gesundheitsamtes, „bitte den Ball flach halten!“

Autor: