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Kunstrasen

Die Zukunft ist auf Sand gebaut

Die Diskussion um Mikroplastik hat inzwischen auch den zunächst unverdächtigen Kunstrasen erreicht. Auf den Sportplätzen im Land wird in der Regel Gummigranulat verwendet, um das Spielen und das Stürzen angenehmer zu gestalten. Damit soll jetzt Schluss sein. Die ersten Kommunen im Landkreis haben bereits umgestellt.

Kunstrasenplätze sind in der Regel mit Gummigranulat versehen. Zukünftig soll Sand verwendet werden. Das setzt kein Mikroplastik frei. Archivfoto: Alfred Drossel
Kunstrasenplätze sind in der Regel mit Gummigranulat versehen. Zukünftig soll Sand verwendet werden. Das setzt kein Mikroplastik frei. Foto: Alfred Drossel

Kreis Ludwigsburg. Das Gummigranulat ist dem Wetter ausgesetzt und wird durch die Sportler stark beansprucht. Das führt dazu, dass Kunstrasen- und Spielplätze auf Platz 5 der Mikroplastik-Verursacher liegen – nach dem Reifenabrieb und der Abfallentsorgung, so eine aktuelle Untersuchung des Fraunhofer-Instituts. Die grün-schwarze Landesregierung will die Verwendung von Gummigranulat bald weitgehend verhindern. „Der Umweltausschuss hat beschlossen, dass es zukünftig keine Förderung mehr für Kunstrasen mit Gummigranulat geben wird“, sagt der Grünen-Landtagsabgeordnete aus Asperg, Jürgen Walter. Das Granulat gehöre zu den größten Verursachern von Mikroplastik. Wenn es regne, würden die Plastikteilchen in die Kanalisation geschwemmt und am Ende ins Trinkwasser und die Lebensmittel.

Auch die EU ist inzwischen auf den Zug aufgesprungen. Im März sprach sich Brüssel für ein Verbot von Mikroplastik aus, also auch für Gummigranulat. Es soll ab dem Jahr 2022 gelten.

Eine Alternative wäre ein Kunstrasenplatz, der mit Sand versetzt ist. Walter weist darauf hin, dass es wenig Sinn mache, jetzt alle kommunalen Sportplätze mit einem Sand-Kunstrasen zu versehen. „Von der Entscheidung der Landesregierung sind bestehende Sportanlagen nicht betroffen“, so Jürgen Walter.

In den Städten und Gemeinde hat sich der Trend schon herumgesprochen. Die Gemeinde Möglingen wird gleich neben ihrem neuen Schulzentrum ihren Kunstrasen sanieren. Der Gemeinderat besuchte verschiedene Anlagen und entschied sich einstimmig für eine Variante mit Quarzsand. Auch weil sich die Kommune in einem Grundsatzpapier mehr Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben hat.

Erdmannhausen hat sich ebenfalls für eine sportliche Zukunft auf Sand entschieden. Damit waren die Fußballspieler zufrieden und die Umwelt kommt ohne das Gummigranulat aus. Das alles hat seinen Preis, die neue Anlage kostet voraussichtlich 1,3 Millionen Euro. „Die Förderung war uns egal, wir betreiben auf dem Platz keinen Schulsport. Daher bekommen wir eh keinen Zuschuss“, sagt Bürgermeisterin Birgit Hannemann.

Ganz ohne alles – also ohne Granulat und Sand – will man in Benningen auskommen. Dort soll am Neckar ein neuer Sportplatz entstehen. Die Fläche liegt in einem hochwassergefährdeten Gebiet. Tritt der Neckar über die Ufer, und das macht er an dieser Stelle besonders gerne, dann würde er das Füllmaterial, egal welcher Sorte, mitnehmen. Daher hat man hier auf eine Lösung aus der Schweiz zurückgegriffen. Dafür war der Bürgermeister sogar in die Alpen gereist, um sich die Alternative anzusehen.

InBietigheim-Bissingen hat man sich auch schon mit der Sandvariante auseinandergesetzt. Die Stadt verfügt über mehrere Kunstrasenplätze. Momentan würden zwar keine Sanierungen anstehen, doch für die Zukunft müsse auch über Lösungen mit Sand statt Granulat nachgedacht werden, heißt es. Lediglich über den Platz am Bruchwald werde aktuell diskutiert. Im Gespräch sei hier Kunstrasen oder Naturrasen. Eine Entscheidung sei bisher aber noch nicht gefallen.

Die Stadt Ludwigsburg hat zwölf Kunstrasenplätze. Bereits bei der Sanierung eines Spielfelds in Neckarweihingen im Jahr 2018 wurde „aus Nachhaltigkeitsgründen Naturkork statt Kunststoffgranulat verwendet“. Auch für den neuen Hockeyplatz des TSV Ludwigsburg wird kein Granulat genutzt. Für die Sanierung weiterer Plätze würden ebenfalls alternative Methoden erwogen, so die Stadtverwaltung.

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