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Verwaltung
Digitales Baugesuch hält im Kreis Ludwigsburg langsam Einzug

Vor dem Einzug ins Traumhaus steht immer das Baugesuch. Digitale Bauanträge sollen Bauherren, Architekten und Behörden die Arbeit erleichtern. Foto: Andrey Popov/ stock.adobe.com
Vor dem Einzug ins Traumhaus steht immer das Baugesuch. Digitale Bauanträge sollen Bauherren, Architekten und Behörden die Arbeit erleichtern. Foto: Andrey Popov/ stock.adobe.com
Die Digitalisierung der Verwaltung schreitet voran. Seit 1. Januar dürfen Bauanträge bei den Baurechtsbehörden auch digital eingereicht werden. Manche Kommunen machen daraus sogar eine Pflicht. So gibt die Stadt Freiberg klar vor, auf welchem Weg die Unterlagen zu ihr gelangen sollen – und erhofft sich dadurch selbst, aber auch für Bauherren und Architekten, eine Erleichterung.

Kreis Ludwigsburg. „Ich bin so froh“, sagt die Freiberger Bauverständige Diana Gibbons und meint damit die Entscheidung, dass die Verwaltung Bauanträge seit Jahresbeginn nur noch in digitaler Form annimmt. Die Baurechtsbehörde der Stadt macht sogar klare Angaben darüber, welcher Übertragungsweg dabei gewählt werden muss. So haben die Einreichung der Bauanträge und die weitere Kommunikation über das E-Government-Portal Service-bw zu erfolgen. Dort sollen über kurz oder lang flächendeckend auf elektronischem Weg auch Verwaltungsleistungen wie Personalausweise und Führerscheine erfolgen. Im Fall eines Bauvorhabens richten Bauherr und Architekt auf www.service-bw.de ein Servicekonto ein, über das alle Verfahrensbeteiligte – auch weitere Behörden – einfach und sicher miteinander kommunizieren können

Stadt Freiberg will nicht zweigleisig fahren

Die Stadt Freiberg macht dabei Nägel mit Köpfen und möchte nicht zweigleisig fahren. Von August 2019 bis 2022 konnte die Baurechtsbehörde bei einem digital eingereichten Bauantrag zusätzlich einen papiernen Antrag mit Unterschriften verlangen. Das gehört jetzt der Vergangenheit an „Wir haben entschieden, die Bauanträge nur noch digital und nicht gleichzeitig auch noch in Papierform anzunehmen“, sagt Diana Gibbons, „sonst wird das zu aufwendig“. Schließlich müssen die Akten auch archiviert werden. Mit der neuen Regelung gab es zum Jahreswechsel einen klaren Schnitt: Bis Ende 2021 eingereichte Bauanträge werden als Akte, alle ab 1. Januar eingereichten Anträge digital archiviert. Pro Jahr kommen in Freiberg durchschnittlich immerhin 140 Anträge zusammen, 30 bis 40 Prozent davon aus der Gemeinde Pleidelsheim, mit der eine Verwaltungsgemeinschaft besteht.

Die allein bei einem einfachen Verfahren entstehenden Datenmengen sind immens. Zum eigentlichen Antragsformular müssen Lageplan, Grundrisse, Gebäudeschnitt sowie Ansichten des Vorhabens eingereicht werden. Hinzu kommt die Baubeschreibung, die auch Angaben zu Kosten, Brandschutz und Materialien enthalten muss. Für den Architekten, der die Zeichnungen in aller Regel ohnehin am Computer anfertigt, entfällt beim digitalen Antragsverfahren das umfangreiche Falten der Planungsunterlagen. Auch die vielen Unterschriften des Bauherrn müssen auf digitalem Weg nicht mehr geleistet werden. Der Architekt erstellt aus den Unterlagen ein PDF und reicht es über ein sicheres Postfach bei Service-bw ein. „Darüber soll kommuniziert werden – das ist sicherer als per E-Mail“, sagt Diana Gibbons. Und wenn im Antragsverfahren noch eine weitere Fachbehörde wie beispielsweise der Naturschutz gehört werden muss, ist es nicht mehr nötig, die Unterlagen zu kopieren. Die Behörde bekommt einfach die Unterlagen digital weitergereicht. „Die Papierschlacht entfällt“, freut sich Diana Gibbons über diese Arbeitserleichterung.

Noch keine Erfahrungen in Ditzingen

Die Stadt Ditzingen bot bereits vor den Sommerferien 2021 die Möglichkeit an, einen digitalen Bauantrag einzureichen. Auf Erfahrungen kann dort allerdings noch nicht zurückgegriffen werden, wie Verwaltungsmitarbeiterin Jennifer Brix auf Anfrage mitteilt. Aktuell würden die Bauanträge, wie seither auch, in Papierform kommen. Was auch kein Problem darstellt, denn der weitere Prozess der Bearbeitung des Antrages sei noch nicht digitalisiert. Die Einführung des digitalen Verfahrens sei allerdings in Arbeit. Die Stadt Ditzingen arbeite momentan mit einem zusätzlichen hybriden Verfahren. Soll heißen: Die Bearbeitung ist laut Jennifer Brix sowohl analog als auch digital möglich. In der Verwaltung würden die Anträge zur Bearbeitung ausgedruckt. Im Durchschnitt werden von der Ditzinger Verwaltung zwischen 90 und 100 Bauanträge im Jahr bearbeitet.

Bei der Stadt Markgröningen steht mittlerweile der erste digitale Bauantrag an. Dabei handelt es sich laut Auskunft von Bürgermeister Rudolf Kürner um ein Baugesuch für eine temporäre Umkleide als Ersatz für die Umkleiden in der Sporthalle 1 während ihrer 14 Monate dauernden Sanierung. Wie der Verwaltungschef weiter mitteilt, besteht in der Schäferlaufstadt nur im Zuge eines normalen Bauantragsverfahrens die Möglichkeit, es digital einzureichen. In allen anderen Antragsverfahren wie dem vereinfachten Bauantrag oder der Bauvoranfrage seien die Unterlagen nach wie vor in Papierform einzureichen. Über etwa 100 Bauanträge hat die Verwaltung pro Jahr zu befinden. Ob die digitalen Bauanträge künftig eine Vereinfachung der Verwaltungsarbeit bedeuten, werde sich zeigen. Kürner: „Das hoffen wir sehr.“

Ludwigsburger Architekt sieht Probleme

Wie Architekt Oliver Hartstang von den HHL Architekten in Ludwigsburg ausführt, wird der Bauantrag für die temporäre Umkleide in Markgröningen noch im Laufe des Januars über das Serviceportal eingereicht. Da das Büro aktuell erst damit angefangen habe, sich mit dem digitalen Bauantrag zu beschäftigen, könne der Architekt noch keine Erfahrungen damit schildern. Laut Hartstang sei der größte Vorteil des digitalen Bauantragsverfahrens „im Wegfall der Zusammenstellung der Bauantragsmappen und der damit verbundenen Zeitersparnis zu sehen“. Damit werde vor allem die Einreichung der Unterlagen vereinfacht. Einen Nachteil vermutet er in der digitalen Archivierung der Unterlagen. Hier müsste man aber die Erfahrungen der Behörden abwarten. Problematischer sieht er den Entfall der Unterschriften auf den digital eingereichten Unterlagen. Hartstang: „Dies bedeutet zwar auf der einen Seite eine Erleichterung für den Arbeitsablauf, auf der anderen Seite wird eine Manipulation dadurch einfacher“, vermutet der Architekt.