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Sportvereine

Diskussionen um den Ehrenkodex

Wenn Sportvereine zu ihren Hauptversammlungen einladen, taucht neuerdings nach den Punkten „Bericht aus den Abteilungen“ und „Wahlen“ häufig als weiterer Tagesordnungspunkt „Kinderschutzprogramm“ , „Selbstverpflichtungserklärung“ oder auch „Ehrenkodex“ auf. So zum Beispiel beim SKV Oberstenfeld , beim TV Marbach und beim Steinheimer TSG. In manchen Vereinen sorgt das Thema für Diskussionen. Was hat es mit dem Ehrenkodex auf sich?

Oberstenfeld/Marbach. Ausgeschrieben heißt das Thema „Präventions- und Schutzkonzept“, und die Württembergische Sportjugend (WSJ) stellt eine ganze Menge Handreichungen für die Vereine zu diesem Thema bereit.

Ursprünglich geht die Initiative auf das Bundeskinderschutzgesetz aus dem Jahr 2012 zurück und Mathias Bauer, Geschäftsführer der Württembergischen Sportjugend ist froh, dass das Thema mittlerweile von den Sportvereinen aufgegriffen wird. Worum geht es?

Der WSJ formuliert es auf seiner Homepage so: „Potenzielle Täterinnen und Täter suchen gezielt nach Gelegenheiten, möglichst unauffällig und unkompliziert in Kontakt mit Kindern und Jugendlichen zu kommen. Gerade der Sport bietet günstige Bedingungen für sexuelle Übergriffe. Täterinnen und Täter meiden dabei allerdings häufig Vereine oder Institutionen, die sich öffentlich mit der Thematik sexualisierter Gewalt auseinandersetzen. Deshalb ist es unerlässlich, sexualisierte Gewalt zum Thema zu machen und sich nachhaltig für ein Schutzkonzept im Verein einzusetzen.“

Der SKV Oberstenfeld hat das gemacht. „Es gab schon Diskussionen“, sagt Monika Skuppin, die zweite Vorsitzende, „wir haben auch Gegenwind bekommen.“ Manche langjährige Übungsleiter empfanden es als Zeichen von Misstrauen, dass sie plötzlich ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und einen Ehrenkodex unterschreiben sollten.

Eine Reaktion, die auch Kordula Stolarz, Vorsitzende des TV Marbach, erlebt hat: „Man bewegt sich in dieser Frage auf sehr dünnem Eis und muss behutsam vorgehen“, hat sie festgestellt. Ihre Befürchtung: Wer sich misstrauisch beäugt fühlt, schmeißt vielleicht gleich den Bettel hin.

Diese Befürchtung teilt man beim WSJ nicht: „Wir wissen von keinem Verein, der einen Ehrenamtlichen verloren hat, nur weil er ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen musste“, sagt WSJ-Geschäftsführer Mathias Bauer.

Der SKV Oberstenfeld hat sich von dort Hilfe geholt, es gab erst eine Diskussion im Vorstand, dann einen öffentlichen Infoabend. Anschließend wurden alle Übungsleiter verpflichtet, ein erweitertes Führungszeugnis vorzulegen und den Ehrenkodex zu unterschreiben; wer es nicht tut, darf nicht mehr trainieren. Monika Skuppin kann sich allerdings nicht vorstellen, dass jemand nicht unterschreibt, denn „in dem Ehrenkodex stehen ja keine komischen Dinge drin, nur ein ganz normaler Umgang miteinander, wie wir ihn jetzt bereits pflegen“.

Und selbstverständlich hofft sie, dass sich ihr Verein nie mit einem Fall von sexualisierter Gewalt auseinandersetzen muss, aber „es kann auch keiner sagen, das wird bei uns nicht vorkommen“.