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Aktion „Kunstlese“

Dreiklang aus Kunst, Natur, Wein

„Kunstlese in Murr“: Dem sonst eher trüben November will die Gemeinde Murr zusammen mit Künstlern, Wengertern und Weinerlebnisführern eine erfrischende Aktion entgegensetzen: Die „Kunstlese“ verbindet Landschaft, Kunst und Wein in einer bunten Freiluftgalerie. Am 31. Oktober wird sie eröffnet.

„Die Weinkönigin genießt den Feierabend“heißt das Werk, das der Murrer Künstler Otto Beer (daneben auf der Bank) für die Kunstlese gestaltet hat. Seine Mitstreiter Günther und Renate Lohfink, Manfred Bader, Manfred und Elke Blank sowie Bürgermeister
„Die Weinkönigin genießt den Feierabend“heißt das Werk, das der Murrer Künstler Otto Beer (daneben auf der Bank) für die Kunstlese gestaltet hat. Seine Mitstreiter Günther und Renate Lohfink, Manfred Bader, Manfred und Elke Blank sowie Bürgermeister Torsten Bartzsch (von links) freuen sich auf das ungewöhnliche Projekt, das am 31. Oktober in den Murrer Weinbergen offiziell eröffnet wird. Foto: Ramona Theiss

Murr. Manchmal müssen einfach die richtigen Leute mit den richtigen Ideen zusammenfinden, und dann kann etwas Neues entstehen. Stark verkürzt, lässt sich so auch die Entstehungsgeschichte der „Kunstlese“ darstellen. Am Anfang waren die beiden Weinerlebnisführer Günther und Renate Lohfink, die immer wieder kreative Ideen für ihre Touren entwickeln. Das Ehepaar traf auf den Murrer Künstler Otto Beer – er hat den Flößer im neuen Kreisverkehr am Ortseingang gestaltet – und an einem Abend im Haus von Manfred und Elke Blank „haben wir ein bisschen gesponnen“, erzählt Lohfink, bis am Ende die Idee stand, Kunst in die Natur zu holen, in die von Weinbergen geprägte Landschaft im Norden von Murr, und vor allem die vielen Weinberghäuschen dort in die Aktion zu integrieren.

Was sich jetzt so locker liest, ist freilich das Ergebnis von vielen Besprechungen, Überlegungen, von Netzwerken im besten Sinne. Doch die Idee, verschiedene Künstler aus dem Landkreis zu bitten, entweder spezielle Werke für die „Kunstlese“ zu schaffen oder schon vorhandene auszustellen, überzeugte vor einem Jahr auch die Gemeinde, die nun als Veranstalter fungiert und – neben privaten Sponsoren – das Projekt mit 20 000 Euro unterstützt. „Es ist toll zu sehen, was sich entwickelt, welche Dimension die Aktion angenommen hat“, sagt Bürgermeister Torsten Bartzsch sichtlich stolz. 23 Künstlerinnen und Künstler beteiligen sich an der „Kunstlese“, mit ganz unterschiedlichen Beiträgen. Jetzt schon zu sehen ist zum Beispiel „Die Presse“ von Guido Messer, ein riesiger Kopf zwischen den Rebstöcken, der gleichzeitig wie eine Traubenpresse anmutet. Oder das „Wengert- Kolösschen“ von Günther Zitzmann, eine überdimensionale, bunt bemalte Skulptur, die hoch über die Reben hinausragt.

Während diese Kunstwerke über den gesamten Aktionszeitraum hinweg auf dem zwei Kilometer langen Rundweg betrachtet werden können, sind die Beiträge in den Wengerthäusle nur an den Wochenenden zu sehen; unter der Woche sind die kleinen Hütten abgeschlossen. In diesen „Microgalerien“ zeigt zum Beispiel die Architekturfotografin Rose Hajdu Bilder oder Peter Schmidt unter dem Titel „Brot und Salz“ eine bemerkenswerte Installation zum Thema Willkommenskultur.

Nahezu perfekt für die Symbiose von Kunst und Natur steht das Werk von Otto Beer, das zwar offiziell „Transformation“ heißt, inoffiziell aber nur „Die Weinkönigin“ genannt wird: Beer hat eine Holzskulptur geschaffen, die auf einer Bank sitzt und ihr Gesicht in die Sonne reckt. Hinter ihr steht ein Wengerthaus, das der Künstler aus dem Rebholz eines aufgelassenen Weinbergs geschaffen hat. Der Kreis schließt sich, wenn man weiß, dass der Weinberg den Lohfinks gehört. Die Fläche wurde inzwischen wieder bestockt, statt Helfensteiner und Portugieser wachsen hier nun neue, pilzwiderstandsfähige Sorten wie Satin Noir oder Cabernet Cortis heran. Der Wein, die Natur, die Kunst – auch der ständige Wandel verbindet sie.

Das Kernteam der Aktion freut sich vor allem darüber, dass alle Beteiligten begeistert mitmachen – von den Künstlern über die Wengerter bis zu den Murrer Vereinen, die an den Wochenenden der „Kunstlese“ die Besucher bewirten. Auch die Lindenschule ist mit von der Partie und zeigt ein Gemeinschaftswerk. Kurz: Das ganze Dorf ist einbezogen, „und alle sind heiß darauf, dass es endlich losgeht“, so Otto Beer.

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