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Neubau

Ege Trans kombiniert Wohnen und Arbeiten

Das Geschäft des Logistikunternehmens Ege Trans boomt: Die Zahl der Mitarbeiter steigt ebenso wie der Umsatz. Die Konsequenz ist ein Neubau, der in direkter Nachbarschaft des erst vor vier Jahren bezogenen Firmengebäudes am Neckar entstehen soll – Mitarbeiterwohnungen inklusive.

Blick in die Ludwigsburger Straße: Das Gebäude im Vordergrund (Reifenhandel) wird abgerissen und macht Platz für den zweigliedrigen Neubau von Ege Trans, der Wohnen und Arbeiten verbinden soll. Im Hintergrund das aktuelle Firmengebäude.Foto: Holm Wol
Blick in die Ludwigsburger Straße: Das Gebäude im Vordergrund (Reifenhandel) wird abgerissen und macht Platz für den zweigliedrigen Neubau von Ege Trans, der Wohnen und Arbeiten verbinden soll. Im Hintergrund das aktuelle Firmengebäude. Foto: Holm Wolschendorf

Marbach. Dass es einem der größten Arbeitgeber in Marbach so gut geht, hören Stadtverwaltung und Gemeinderäte gerne: Ege Trans wächst weiter. Im Jahr 2017 zog das bis dahin auf verschiedene Standorte verteilte Unternehmen in den viel beachteten und architektonisch gelungenen Neubau an der Ludwigsburger Straße – mit 100 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 62 Millionen Euro. Laut Juniorchef Marcel Steinmüller beschäftigt der Logistik- und Speditionsspezialist inzwischen 180 Mitarbeiter und hat seinen Umsatz in den vergangenen vier Jahren verdreifacht. Deshalb reicht der Platz im auf 150 Mitarbeiter ausgelegten Firmensitz nicht mehr aus. Die Unternehmensspitze hat den Stadträten im Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats ihre Neubaupläne präsentiert und dafür eine Menge Vorschusslorbeeren geerntet.

Offenbar von einer gewissen Weitsicht getrieben, hat die Familie Steinmüller, der das inhabergeführte Unternehmen gehört, in den vergangenen Jahren Grundstücke rings um das Bestandsgebäude gekauft, so dass die Erweiterung nun in Richtung Ludwigsburg erfolgen soll. Geplant sind zwei solitär wirkende Gebäude, die allerdings auf der Erdgeschossebene miteinander verbunden sind. In einem sechsgeschossigen, ungefähr 20 Meter hohen Bau, der sich an das Bestandsgebäude anschließt, werden die zusätzlichen Gewerbeflächen entstehen und rund 110 Arbeitsplätze aufnehmen. Wie Architekt Cyril Probst in der Sitzung sagte, werde modular gebaut, so dass bei Bedarf Flächen auch vorerst vermietet werden könnten. Der gewerbliche Bau erhält ebenso wie der Wohntrakt eine zweigeschossige Tiefgarage.

Nach Angaben von Juniorchef Marcel Steinmüller hat sich das Unternehmen für den Einstieg in den Wohnungsbau entschieden, „weil viele Mitarbeiter gerne näher an ihren Arbeitsplatz ziehen würden, in Marbach aber nichts finden.“ Ege Trans wolle „bezahlbaren Wohnraum“ anbieten, auch „um als Arbeitgeber attraktiv zu sein“, so Steinmüller. Dem Ergebnis einer Umfrage unter den Mitarbeitern entsprechend, werden in dem achtgeschossigen Wohngebäude mit einer geschätzten Höhe von rund 28 Metern vor allem Ein- und Zweizimmerwohnungen entstehen, bis zu 20 insgesamt. Die Fassaden sollen laut Probst „hochwertig“ gestaltet werden und der des Bestandsgebäudes ähneln. Für diesen Stadteingang von Marbach werde das Projekt „sicherlich ein Gewinn“; deshalb trägt es auch den Arbeitstitel „Marbacher Tor/Wohnen und Arbeiten am Wasser“.

Noch sind die Baupläne in einer sehr frühen Phase. Um die Wohnbebauung zu ermöglichen, muss nun zunächst ein Bebauungsplan aufgestellt werden; die ebenfalls erforderliche Änderung des Flächennutzungsplans ist bereits in die Wege geleitet. Cyril Probst geht davon aus, dass die Firma im nächsten Sommer den Bauantrag einreichen wird, die Baugenehmigung in etwa einem Jahr erteilt werden kann. Danach könnte das Gebäude Ludwigsburger Straße 74, aus dem der dort ansässige Reifenhandel bereits ausgezogen ist, abgerissen werden. Ein Baubeginn im Frühjahr 2023 wäre möglich, zwei Jahre Bauzeit werden veranschlagt.

Die Stadträte waren voll des Lobes über die Planungen. Es sei „toll, dass hier Wohnungen und Arbeitsplätze gleichzeitig geschaffen werden“, so der SPD-Fraktionschef Ernst Morlock. Jochen Biesinger sprach für die CDU von einem „überzeugenden Gesamtpaket“ und wies auf die Bedeutung von kurzen Wegen zwischen Wohnen und Arbeiten für den Klimaschutz hin. Mit Blick auf den „gelungenen Bestandsbau“ erhalte Ege Trans einen „Vertrauensvorschuss“, so Martin Mistele, Fraktionschef der Freien Wähler. Die Kombination von Wohnen und Arbeiten mache Sinn, „unser Wunsch ist, dass es richtig gut wird.“ Auch Slimane Arroudj (Puls) befürwortete die Planung und deren Unterstützung durch die Stadt. Bei „allen positiven Aspekten“ goss Jürgen Waser (Grüne) ein wenig Wasser in den Wein, als er auf die mögliche Hochwassergefahr so nahe am Neckar hinwies. Laut Cyril Probst liegt das Erdgeschossniveau aller Gebäude einen Meter über dem errechneten Wert eines extremen Hochwassers (HQ extrem).

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