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Ehrenamtliche im Landkreis Ludwigsburg: Kuchenverkauf aus mehreren Gründen wichtig

Umsatzsteuer auf den Kuchenverkauf? Nicht in jedem Fall. Foto: A_Lein/Stock.adobe.com
Umsatzsteuer auf den Kuchenverkauf? Nicht in jedem Fall. Foto: A_Lein/Stock.adobe.com
Generationen von Eltern haben gebacken, Generationen von Kindern und Schülern haben die Resultate verkauft und damit ihre Klassenkasse für Ausflüge oder Schullandheimaufenthalte gefüllt. „Es kann nicht sein, dass dieser Verkauf umsatzsteuerpflichtig wird“, kritisiert der Oberstenfelder Bürgermeister Markus Kleemann in einer Pressemitteilung.
Kreis Ludwigsburg. .

Zunächst zum Hintergrund: Eine EU-Richtlinie bemängelt, dass öffentliche Einrichtungen wie Kommunen oder Schulen keine Umsatzsteuer zahlen müssen. Dies stelle eine Benachteiligung der privatwirtschaftlichen Unternehmen im Wettbewerb dar, so die Begründung. Um dies zu verhindern, trat 2017 das neue Umsatzsteuergesetz in Kraft, wonach auch öffentliche Einrichtungen ab dem 1. Januar 2023 Umsatzsteuer bezahlen müssen.

Land Baden-Württemberg arbeitet an Richtlinie

An der Richtlinie des Landes Baden-Württemberg wird derzeit gearbeitet, in Bayern gibt es einen Entwurf, wonach unterschieden wird, an wen der Kuchen verkauft wird und wie stark der Eingriff in das Marktgeschehen ist. Bei einem Sommerfest, bei dem Kuchen an Lehrer und Eltern verkauft wird, wäre dies nicht steuerpflichtig. Verkaufen die Eltern aber jede Woche Kuchen auf dem Markt neben anderen Buden wäre dies umsatzsteuerpflichtig.

„Wir setzen darauf, dass die Regelungen vom Land abgefedert werden“, sagt Kleemann. Der Kuchenverkauf habe nicht nur einen sozialen Aspekt, da sich dadurch auch ärmere Familien Klassenfahrten leisten könnten, sondern es sei aber auch für die Eltern wichtig, man treffe sich und tausche sich aus.

„Der Kuchenverkauf ist eine einfache und wichtige Möglichkeit für Schüler, etwas Geld zu verdienen“, findet Susanne Wichmann, Elternsprecherin des Friedrich-Schiller-Gymnasiums und Marbacher Grünen-Stadträtin. Zudem lernten die Kinder mehrere Dinge: Nichts sei umsonst, aber wenn man sich für etwas einsetze, habe man auch Erfolg. Auch das Gemeinschaftserlebnis, eine solche Aktion zu stemmen und dafür Verantwortung zu übernehmen, sei etwas Besonderes. Zudem lernten die Schüler den Umgang mit Geld und realisierten bewusst, wie viele Stücke Kuchen man verkaufen müsse, um überhaupt eine ordentliche Summe zusammen zu bekommen. Auch der Verkaufsprozess an sich sei spannend. „Die Kinder sind danach immer sehr stolz“, sagt sie. Deshalb fände Wichmann es wichtig, dass zumindest für Schulen die Organisation des Kuchenverkaufs unkompliziert bleibt.

Schüler profitieren auch aus sozialen Aspekten

Im Behindertenheim in Markgröningen wurde von den Kirchen jeden Sonntag Kuchen verkauft. Der Erlös ging nach Afrika zum Beispiel für den Bau einer Schule und eines Wasserbrunnens im Südsudan. 150 bis 200 Euro kamen jeden Sonntag zusammen. „Das summiert sich auch“, sagt der Markgröninger Freie Wähler-Stadtrat Rainer Gessler, dessen Frau den Kuchenverkauf organisiert, der allerdings derzeit wegen Corona ruht. Viel wichtiger findet Gessler aber die Tatsache, dass die Schüler sich einsetzen mussten und danach ein gutes Gefühl hatten, weil sie etwas erreicht hatten. „Es war auch eine Möglichkeit, dass sich Eltern und Schüler treffen konnten“, so Gessler. Wann das kleine, schnuckelige Café wieder öffnet, ist noch nicht klar. „Da geht es immer noch um Hygienefragen“, so Gessler.