Logo

Erfindung

Ein Alltagshelfer nicht nur für Vergessliche

Der Großbottwarer Heinz Müller hat für seinen Clipchip europäisches Patent erhalten – So hat die Suche nach den Einkaufszetteln ein Ende

„Ich habe einige Nächte für meine Erfindung geopfert“: Heinz Müller mit seinem Clipchip. Foto: Ramona Theiss
„Ich habe einige Nächte für meine Erfindung geopfert“: Heinz Müller mit seinem Clipchip. Foto: Ramona Theiss

Großbottwar. Meistens ist der Einkaufszettel dort, wo man ihn nicht findet – tief versunken in der Jacken- oder Hosentasche, auf dem Grund des Einkaufswagens oder im Nirvana der Handtasche verschwunden. Heinz Müller aus Großbottwar war es leid, immer nach der Einkaufsliste suchen zu müssen – und hat deshalb den Clipchip erfunden. Vor einigen Monaten hat er das europäische Patent für diesen cleveren Alltagshelfer erhalten.

Der Clipchip lässt sich wie ein gewöhnlicher Chip in den Schlitz am Einkaufswagen stecken, nur dass er zusätzlich über eine Halterung verfügt, in der sich ein Zettel befestigen lässt. Die Clipchips werden aus Kunststoff in vielen verschiedenen Farben gefertigt, und zwar von einem Unternehmen aus Schwaigern. „Das Produkt wird nur in Deutschland gefertigt und sonst gar nicht“, steht für den Erfinder fest. Auch in Zukunft sollen alle Angebote aus Fernost, die er erhält, in den Papierkorb wandern. Aktuell tüftelt Müller an einem Material, das zu 20 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen besteht.

Idee schon vor zehn Jahren

Apropos tüfteln: Die Idee für den Clipchip hatte der umtriebige Rentner schon vor mehr als zehn Jahren und nahm deshalb Kontakt mit einem Hersteller von Einkaufswagen auf. Das Thema versandete. „Das war noch nicht ausgereift“, blickt Müller auf diese Zeit zurück. Doch die Idee vom Clipchip ließ Müller auch in den folgenden Jahren nicht los. Immer wieder stellte er nämlich fest, dass er bei Einkäufen mit seiner Lebensgefährtin nach dem Zettel mit den Notizen suchen musste. So kam es, dass er vor drei Jahren einen befreundeten Patentingenieur anrief, um diesen um Rat zu fragen. Der war von der Idee sofort begeistert und ermunterte Heinz Müller, an seinem Vorhaben festzuhalten. „Ich habe einige Nächte für meine Erfindung geopfert“, erinnert sich der Senior an diese Zeit, in der er an seinem Entwurf feilte. Der erste Clipchip war noch aus Metall, größer und schwerer.

Vertrauen ist gut, bei Erfindungen aber nicht angesagt. Bevor Müller in den vergangenen Jahren an verschiedenen Stellen seinen Clipchip präsentierte, ließ er sich vorher immer eine Vertraulichkeitserklärung unterzeichnen. Von einigen Menschen aus seinem Umfeld werde er belächelt, so der Großbottwarer, der aus Murr stammt. „Doch wer seinen Clipchip erst einmal ausprobiert hat, ist begeistert“, erzählt er. Auf Wunsch lässt dieser sich auch mit einem Logo versehen. Müller kann sich durchaus vorstellen, dass Firmen, hier denkt er insbesondere an Einzelhändler, seine Erfindung als Werbemittel einsetzen.

Neuerdings bietet er auch Sets an: Die kleinen Tütchen enthalten neben einem Clipchip auch einen kleinen Papierblock für Notizen sowie einen Ring und einen Karabinerhaken, mit dem sich das nützliche Kunststoffteil am Schlüsselbund befestigen lässt. So ist der Zettelhalter immer zur Hand und einsatzbereit.

Zwei Jahre dauerte das Verfahren von der Prüfung bis zur Erteilung beim Europäischen Patentamt. Groß die Freude, als vor rund drei Wochen die positive Nachricht eintraf. „Ich war glücklich, dass ich mein Ziel erreicht habe“, schildert er diesen Moment. Müller macht kein Geheimnis daraus, dass er viele Auflagen und Vorschriften erfüllen musste.

Nun muss er die Länder benennen, in denen das Patent wirksam sein soll. Deutschland, Österreich, die Niederlande, Spanien und Frankreich sollen dazu gehören. Großbritannien nicht, und zwar nicht nur wegen des nahenden Brexits: „Die haben nicht den Euro als Währung und deshalb andere Münzen“, liefert Heinz Müller die ganz praktische Erklärung.

Bis Anfang Mai musste er seinen Vertriebsschutz beim Europäischen Patentamt anmelden. Er benötigt auch Vertriebspartner für die jeweiligen Länder.

22 Jahre in der Porsche-Logistik

Der Tüftler hat an seine Ausbildung als Mechaniker eine Weiterbildung als Maschinenbautechniker angeschlossen. 22 Jahre lang war er bei dem Sportwagenhersteller Porsche im Bereich Logistik tätig. Dort war er für die Entwicklung von Verpackungen für die Zulieferbetriebe verantwortlich. Auch hier hat er seine Fähigkeiten als Tüftler unter Beweis gestellt: So hat er in dieser Zeit vier Patente angemeldet, die aus Ideen in seinem Arbeitsalltag entstanden sind.

Und er hat noch einige Ideen in seinem Köcher: Deshalb sucht er Mittüftler, die gemeinsam mit ihm an Erfindungen arbeiten wollen – ohne an das große Geld zu denken. Aktuell möchte er einen Coffee-to-go-Becher entwickeln, der sich falten und auch in kleinen Taschen verstauen lässt.

Info: Wer mit Heinz Müller Kontakt aufnehmen will, kann ihn unter Telefon (07.14.8) 16.65.01.5 anrufen. Infos gibt es im Internet unter www.clipchip-einfach-genial.de.

Autor: