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Corona

Ein Besigheimer hilft Thailändern

Thomas Schinko ist gebürtiger Besigheimer. Seit 15 Jahren lebt er auf der thailändischen Insel Phuket. Doch nun sind in dem Urlaubsparadies und Touristenmagneten wegen der Coronakrise Hotels, Restaurants, Geschäfte und Strände geschlossen. Zahlreiche Thailänder haben ihre Arbeit verloren und kein Geld für ihren Lebensunterhalt. Zusammen mit drei Freunden hat Schinko jetzt das Projekt „Help together“ ins Leben gerufen.

Viele ehrenamtliche Helfer packen Essenspakete.
Viele ehrenamtliche Helfer packen Essenspakete.
Lange Schlangen bilden sich an der Essensausgabe.
Lange Schlangen bilden sich an der Essensausgabe.
Thomas Schinko.Fotos: privat
Thomas Schinko. Foto: privat

Besigheim/Phuket. Thomas Schinko lebt seit 2005 auf der Insel Phuket. Damals hatte er dort ein Bierzelt vom Cannstatter Wasen aufgebaut. Nach dieser ersten Geschäftsidee blieb er auf der Insel „hängen“, wie er sagt. Heute betreibt er in dem Badeort Patong ein kleines Hotel mit Restaurant, das wegen der Coronapandemie aber geschlossen ist – wie zahlreiche andere Hotels, Restaurants, Geschäfte und Unternehmen auch. „Durch diese Maßnahme haben Tausende Thais ihren Job verloren“, sagt der gebürtige Besigheimer. Um diese Jahreszeit sei normalerweise eine Auslastung von 80 Prozent zu verzeichnen. Nun herrsche ein „totaler Lockdown“. Das Problem, so Schinko: In Thailand gebe es kein soziales Netz wie in Deutschland. „Somit sind unzählige Menschen betroffen. Sie können ihre Miete nicht mehr bezahlen oder sich etwas zu essen kaufen.“ Aus diesem Grund hat Schinko sich entschlossen, ein Hilfsprojekt ins Leben zu rufen, um den Menschen vor Ort „wenigstens Essen und Trinkwasser gratis mehrmals die Woche gratis zu geben“. Seine Mitstreiter sind zwei Österreicher, die auf Phuket Restaurants betreiben beziehungsweise leiten und seit mehr als 20 Jahren in Thailand leben: Martin Datler und Robert Pagitsch.

Sie und Schinko verteilen zwei- bis dreimal in der Woche Essenspakete und Wasser. „Zum einen kochen wir ein typisches warmes Thaigericht wie zum Beispiel Pad Thai oder Khao Pad Kai. Außerdem bestücken wir die Lunchpakete mit Reis, Eiern, Frittieröl, Fisch- und Sojasoße, Nudelsuppen zum Aufbrühen und Fischdosen.“ Anfangs seien nur die Menschen aus der unmittelbaren Nachbarschaft von Schinkos Hotel gekommen, um sich die Lebensmittel zu holen. „Aber mittlerweile kommen sie aus ganz Patong, weil es sich sehr schnell herumgesprochen hat, dass es hier Essen gratis gibt.“

Bei jeder der zwei bis drei Aktionen pro Woche werden circa 400 Essen verteilt. Doch Thomas Schinko berichtet, dass mittlerweile dieselbe Anzahl an Leuten wieder weggeschickt werden müsse. Denn: Pro Ausgabetag würden 800 bis 1000 Leute kommen. Hilfe erhalten die drei Männer beim Verteilen und Packen der Essenspakete übrigens von ihren Angestellten und Freunden.

„Hilfe finanzieller Art vonseiten der Regierung ist in Thailand schwierig. Hier gibt es keine Arbeitslosen- und Rentenversicherung oder Ähnliches. Hier ist die Familie die Versicherung. Teilweise verteilen auch die Kommunen Essenspakete und Früchte. Aber das war es dann auch schon“, berichtet der gebürtige Schwabe. Er befürchtet, dass ein erheblicher Teil der Spenden von großen Organisationen verloren geht. „Darum haben wir ein privates Hilfsprojekt eingerichtet. So kommt jeder Baht, die Währung in Thailand, eins zu eins bei den Bedürftigen an.“

Gewünscht hätte er sich allerdings von der Regierung eine kleine finanzielle Unterstützung für die Bevölkerung. „Aber da ist Thailand anders strukturiert als Deutschland. Hier werden, soweit es möglich ist, die Bedürftigen von der Großfamilie aufgefangen.“ Doch wie finanzieren Thomas Schinko und seine beiden Freunde das Hilfsprojekt? „Wir haben einen Spendenaufruf über die sozialen Medien gestartet und sind überrascht, wie viele Freunde und Stammurlauber uns bis jetzt unterstützt haben“, erzählt Schinko begeistert. Er fügt hinzu: „Und das Schöne ist, es geht immer noch weiter mit den Spenden.“ Bislang sind mehr als 8000 Euro an Spenden zusammengekommen.

Und wie sieht es bei Thomas Schinko selber aus, wird sein Hotel die Coronakrise überstehen? „Ich hoffe natürlich schwer, dass alles ein gutes Ende nimmt. Aber bei null Einnahmen derzeit darf es auch nicht noch länger gehen als zwei oder drei Monate. Hier gibt es für Ausländer keinerlei Unterstützung vom Staat. Wir leben im Moment von Rücklagen.“

Info: Wer helfen möchte, kann Kontakt zu Thomas Schinko aufnehmen unter thomasschinko@hotmail.com oder bei Facebook: Tosino Patong.

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