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Ein buntes Kandidatenfeld präsentiert sich dem Wahlvolk

In Erdmannhausen wird am Sonntag ein neuer Bürgermeister gewählt – Von Heimatgefühlen, schlechten Erfahrungen, Neulingen und alten Hasen

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Foto: Andreas Becker

Erdmannhausen. Wer lenkt in den nächsten acht Jahren die Geschicke der Gemeinde Erdmannhausen? Am Sonntag entscheiden die Bürger über den Nachfolger von Birgit Hannemann – und nur eines lässt sich mit Sicherheit vorhersagen: Es wird ein Mann sein. Eine Frau gehört nicht zur Bewerberriege.

Sieben Kandidaten buhlen um die Gunst der Wähler – das sind mehr als so manch einer zwischenzeitlich erwartet hatte. Denn er lief mehr als schleppend an, dieser Wahlkampf, weit zögerlicher als üblich, wenn feststeht, dass der Amtsinhaber nicht wieder kandidiert.

Ungewöhnlich war schon, dass mit Marc Fuchs der erste Kandidat bereits vier Wochen vor Beginn der Bewerbungsfrist auf den Plan trat und fleißig begann, das Terrain zu beackern. Spötter witzeln, der Kleinbottwarer sei schon mit dem halben Dorf per Du. Der 33-jährige Politikberater hat nach eigenem Bekunden Erdmannhausen als „ein Stück Heimat“ für sich entdeckt. Wie das Gros seiner Mitbewerber reizt ihn die Möglichkeit, als Bürgermeister in der Gemeinde gestalten zu können.

Ohnehin: Die ganz glasklaren Unterschiede in Ansichten, Aussichten und Einsichten gibt es bei den „glorreichen Sieben“ nicht; selbst die Altersspanne ist relativ eng gefasst, nimmt man Robin Reindl aus, der mit seinen 28 Jahren der Jüngste im Bewerberfeld ist. Das sieht der Wirtschaftsfachwirt aber nicht als Nachteil, sondern eher als Chance. „Ein junger Bürgermeister hat die Power, noch etwas umzusetzen“, sagt der gebürtige Benninger. Vielleicht auch im Bewusstsein, dass der im Ort noch immer hoch geachtete Altbürgermeister und Ehrenbürger Siegfried Menner im gleichen Alter das Ruder in Erdmannhausen übernahm und vier Amtszeiten absolvierte...

Menner kam übrigens in Oberstenfeld zur Welt und dort versuchte der Ludwigsburger Marcus Kohler vor fünf Jahren zum ersten Mal sein Glück als Bürgermeisterkandidat. Damals unterlag er im zweiten Wahlgang knapp dem heutigen Schultes Markus Kleemann. Doch der 49-Jährige hat nach eigenem Bekunden mehr und mehr Interesse an der Kommunalpolitik gefunden und will mit seinen Erfahrungen als Personalberater und Chef einer eigenen Firma in Erdmannhausen punkten. Die Freien Wähler weiß er hinter sich, zudem werden dem ehrenamtlichen Fußballtrainer gute Kontakte zum GSV, dem größten Verein in Erdmannhausen, zugeschrieben.

Der einzige Kandidat, der bereits Erfahrung als Bürgermeister hat, ist Jürgen Olma, der acht Jahre lang Schultes in Widdern war. Man darf aber wohl getrost unterstellen, dass der 56-Jährige gerne auf einige Erfahrungen verzichtet hätte; der Protest im Ort gegen die Zuweisung von Flüchtlingen kostete ihn schließlich das Amt, eine Kampagne gegen ihn führte dazu, dass er im ersten Wahlgang nicht die erforderliche Mehrheit erhielt, obwohl es keinen Gegenkandidaten gab. Dennoch will es der gelernte Bankbetriebswirt noch einmal wagen – weil das Amt des Bürgermeisters für ihn Berufung ist, wie er sagt.

Ein Neuling im kommunalpolitischen Geschäft ist dagegen Stephan Erdmann. Nomen est omen, mag sich der 43-jährige IT-Fachmann aus Asperg gedacht haben, als Spaßkandidat sieht er sich freilich nicht. Mit dem Eintritt in die Piratenpartei vor einem Jahr hat er sein politisches Interesse dokumentiert. Dementsprechend ist einer seiner Schwerpunkte die Digitalisierung, außerdem setzt der überzeugte Radler auf den Ausbau des Nahverkehrs.

Erdmanns erster Kandidatur bei einer Bürgermeisterwahl setzt der 59-jährige Stuttgarter Musikpädagoge Ulrich Raisch seine mittlerweile 50. entgegen und wirbt in den Kommunen des Landkreises unverdrossen für seine Idee eines Musikkindergartens.

Ob ihm der Ingersheimer Andreas Oberman in der Zahl der Kandidaturen nacheifern wird, bleibt abzuwarten. Der 56-Jährige holte als Debütant im Februar bei der Bürgermeisterwahl in seinem Heimatort 26 Stimmen. Einen Tag später gab er seine Bewerbung in Erdmannhausen ab.

Besonders spannend ist die Frage, ob es am Sonntag bereits eine Entscheidung geben wird. Dafür müsste einer der Kandidaten mindestens 50,1 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Gelingt das nicht, kommt es am 29. März zum zweiten Wahlgang, bei dem die einfache Mehrheit genügt. Für den zweiten Wahlgang können sich übrigens auch ganz neue Kandidaten melden.

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