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Realschulen

Ein ganz anderes Prüfungsgefühl

Nach Englisch gestern sind für die meisten Realschüler die schriftlichen Prüfungen vorbei. Im Gespräch mit unserer Zeitung blicken drei Schülerinnen und ein Lehrer positiv auf die Vorbereitung und Durchführung unter anderen Bedingungen zurück. Drei Schulleiter sprechen über aktuelle Herausforderungen.

Die kleineren Gruppengrößen bei der Vorbereitung und während der Prüfungen haben viele Schüler als Vorteil empfunden.Foto: Monkey Business/stock.adobe.com
Die kleineren Gruppengrößen bei der Vorbereitung und während der Prüfungen haben viele Schüler als Vorteil empfunden. Foto: Monkey Business/stock.adobe.com

Kreis Ludwigsburg. „Es wurde gut nach uns geschaut“, lobt die 16-jährige Melina Klett die Prüfungsvorbereitung an der Matern-Feuerbacher-Realschule in Großbottwar. Man könne nicht sagen, dass ihr Jahrgang Vor- oder Nachteile gehabt habe. „Es fühlt sich schon gut an“, beschreibt die Großbottwarerin direkt nach der Englischprüfung am Telefon ihre Gefühle. Die Zeit davor sei aufregend gewesen. Als Nächstes möchte sie ein kaufmännisches Berufskolleg besuchen.

Die Schülerin Jette Drösler hat bei der Vorbereitung als positiv empfunden, dass in den kleineren Gruppen besser auf die Stärken und Schwächen des Einzelnen geachtet werden konnte. Auch seien die Lehrer immer für Fragen erreichbar gewesen. „Ich hatte schon Respekt vor der Prüfung“, sagt die Oberstenfelderin im Rückblick. Dass sie nicht wie die Jahrgänge davor alle zusammen in der großen Aula, sondern verteilt auf mehrere Klassenräume geprüft wurden, fand sie angenehm: „Es kam nicht so richtig Prüfungsstimmung auf.“ Auch Schulleiter Jochen Haar habe ihnen davor mit einer Videoansprache die Angst genommen. Für die 16-Jährige steht als Nächstes das Abitur an einem Sozialwissenschaftlichen Gymnasium auf dem Plan. Das Gleiche hat die 15-jährige Lucie Wolff aus Abstatt vor, die sich nach den Prüfungen „nicht großartig anders“ fühlt. Auch sie bewertet die Vorbereitung und die Aufteilung jeder Klasse auf zwei Räume für die Prüfung als positiv: „Das hat auf jeden Fall die Anspannung genommen.“

Einer der Lehrer, die die Großbottwarer Realschüler auf die Englischprüfung vorbereitet haben, ist Tony Weisheit. Ungewohnt sei die Vorbereitung eigentlich nur vor den Osterferien gewesen, als die Schüler mithilfe alter Prüfungsaufgaben zu Hause lernen mussten. Nach den Osterferien habe man zumindest inhaltlich wie gewohnt arbeiten können, wenn auch in kleineren Gruppen. Während auf die Schüler in der Zeit zu Hause viel Eigenverantwortung zugekommen sei, habe man danach individuell auf sie eingehen können. Auch Tony Weisheit ist der Meinung, dass sich die Aufteilung auf kleinere Räume positiv ausgewirkt hat: „Das war auf jeden Fall ein deutlicher Vorteil.“ Bei frischer Luft durch offene Fenster hätten die Schüler weniger Ablenkung gehabt als früher in der Aula. Er könne sich vorstellen, auch in den kommenden Jahren so zu verfahren – trotz erheblichen Mehraufwands für die Lehrer, da zwei Aufsichtspersonen pro Raum nötig waren.

Auch der Leiter der Realschule Tamm, Andreas Schreiner, hat die Prüfungszeit unter Coronabedingungen als unproblematisch empfunden. Bei der Vorbereitung der Abschlussklassen habe man durch die schuleigene Cloud eine gute Verzahnung von Präsenz- und Onlineunterricht hinbekommen. Für die Zeit nach den Pfingstferien, wenn wieder Schüler aller Klassenstufen im Wechsel vor Ort unterrichtet werden sollen, liefen die Planungen gut. „Das sind aber natürlich Herausforderungen“, sagt der Schulleiter und nennt als Beispiel die Verteilung der Lehrer und Schüler, die zur Risikogruppe zählen. Die Zeit seit Mitte März hat er als sehr herausfordernd empfunden, da kurzfristig vieles organisiert werden musste und noch immer alle Beteiligten auf dem Laufenden gehalten werden müssen. Parallel dazu müssten bereits das kommende Schuljahr geplant und Elterngespräche über freiwilliges Wiederholen geführt werden.

An der Realschule im Aurain in Bietigheim-Bissingen sind die schriftlichen Prüfungen laut Rektor Claus Stöckle von der Organisation her wie jedes Jahr gut verlaufen: „Was die Schüler geschrieben haben, wissen wir natürlich noch nicht.“ Die Zeit nach Pfingsten sei nochmals eine andere Geschichte, auch wenn die Pläne bereits fertig sind. „Wir werden nicht alles umsetzen können, was wir gerne wollen“, so der Rektor. „Uns gehen die Räume aus und die Lehrer.“ Auf die Pausenzeiten gelte es besonders zu achten, denn wenn dann alle aufeinanderklebten, sei das, was man in der Klasse exerziere, hinfällig.

An der Realschule Remseck wurden die Stundenpläne für die Zeit nach Pfingsten möglichst früh verschickt, damit die Eltern planen können. „Ich bin selbst Mutter und weiß, wie wichtig das ist“, so Schulleiterin Ulla Stütz. „Der Informationsfluss hat sich im Laufe der Zeit gebessert“, sagt sie im Hinblick auf das Kultusministerium. Beim Abschluss waren die Zehntklässler aus ihrer Sicht gegenüber den bisherigen Jahrgängen im Vorteil, da sie zunächst auf einen früheren Termin vorbereitet wurden und dann mehr Zeit hatten. Gerade ist für sie das Engagement der einzelnen Lehrer ausschlaggebend: Einige Kollegen seien zu den Schülern gefahren, um ihnen Material zu bringen, und in den Pfingstferien böten manche freiwillig eine Notbetreuung an.

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