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Ein Machertyp, der Bewährtes bewahren will

Auf einen Kaffee mit Marcus Kohler: Der 49-jährige Personalberater mit eigener Firma will in der Kommunalpolitik mitgestalten

Marcus Kohler will Bürgermeister werden.Foto: Ramona Theiss
Marcus Kohler will Bürgermeister werden. Foto: Ramona Theiss

Erdmannhausen. Es ist gar nicht so einfach, mit Marcus Kohler mitten in Erdmannhausen einen Kaffee zu trinken. Der Bürgermeisterkandidat ist inzwischen bekannt, er wird angesprochen. Das Ehepaar vom Nebentisch kommt zwar aus dem benachbarten Kirchberg, aber Kohler – ganz Wahlkämpfer – drückt den beiden dennoch seinen Prospekt in die Hand: „Bestimmt kennen Sie jemanden aus Erdmannhausen...“

Seit er vor fünf Jahren in Oberstenfeld die Wahl zum Bürgermeister knapp verloren hat, habe sich sein Interesse noch verstärkt, aktiv Kommunalpolitik zu betreiben – gestaltend und als Chef einer Verwaltung. „Aber es muss die richtige Kommune sein“, sagt der 49-Jährige. Und Erdmannhausen sei die richtige Kommune. Das fand nicht nur er selbst, das fanden auch die Freien Wähler, deren Mitglied er ist: „Ich bin angesprochen worden, zu kandidieren.“ Mit der SPD, deren Parteibuch er bei der Wahl in Oberstenfeld noch hatte, habe er nicht gebrochen, aber: „Bei den Freien Wählern hat mich das themenbezogene Arbeiten angesprochen.“

Was ihn an Erdmannhausen gereizt hat? Kohler zählt auf: die offenen, zugewandten Menschen, der lebendige Ort, die Infrastruktur, die vielen Vereine, die gute Anbindung an den Nahverkehr. Gibt es denn da für einen Bürgermeister überhaupt noch etwas zu verbessern? Vor allem gehe es darum, das Bewährte zu bewahren, sagt Kohler, und weiter auszubauen. Ein Zukunftsforum würde er gern auf den Weg bringen, wo Gemeinderat, Vereine und Bürger an einem Tisch sitzen, ein „Quo vadis, Erdmannhausen?“ entwickeln und daraus Ziele und Aufgaben für die nächsten Jahrzehnte ableiten.

Handlungsbedarf sieht er vor allem beim Verkehr, denn „alles, was man laufen oder mit dem Fahrrad fahren kann, ist CO2-neutral“, auch der öffentliche Nahverkehr sollte ausgebaut werden. Starkmachen will er sich für einen Bürgerbus: „Das ist eine Idee, die ich gern umsetzen würde.“ Er stellt sich das Modell so vor: Die Kommune kümmert sich um den Bus, gefahren wird der ehrenamtlich.

Und wo man schon beim Thema Umwelt ist: Für die klimafreundliche Ausrichtung der Gemeinde wolle er arbeiten, Streuobstwiesen fördern und Grünflächen. Beim Thema Wohnen könne er sich ein Generationenhaus, Alten-WGs und altersgerechte Wohnungen vorstellen. Und für die Jungen denkt der Vater eines zwölfjährigen Sohnes an ein Jugendforum, das einmal im Jahr zusammenkommen könnte, zusätzlich zum Jugendhaus Calypso – „eine tolle Institution!“ –, die es ebenfalls zu bewahren gelte, denn: „Das ist ja kein Selbstläufer.“

Im Fall seiner Wahl werde er alle gewerbetreibenden Firmen am Ort besuchen, verspricht Kohler, und die Wirtschaft zur „absoluten Chefsache“ erklären; einen Runden Tisch könne er sich vorstellen, wo ein regelmäßiger Austausch mit den Firmen stattfinde, und ein interkommunales Gewerbegebiet mit Marbach. Konkrete Vorstellungen hat er über dessen Ausgestaltung: So wenig Boden wie möglich versiegeln, so viele Bäume wie möglich pflanzen, und die Dachbegrünung muss verpflichtend sein.

Den Ort kennengelernt hat er beim Flyerverteilen gemeinsam mit Frau und Sohn: „Ich weiß jetzt, wo die Baulücken sind, und ich sehe viele im Ort.“ Die zu bebauen habe Vorrang vor dem Bebauen neuer Flächen.

Fehlt ihm nicht der Stallgeruch der Verwaltungsausbildung? Nein, glaubt Marcus Kohler, und verweist auf seine Arbeit als Vorsitzender des Bürgervereins Oßweil und auf seine langjährige Führungserfahrung – in der eigenen Personalberatungsfirma und als Fußballtrainer. „Ich bin ein Machertyp“ charakterisiert sich Kohler selbst, „aber einer, der nicht alles allein machen muss.“

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