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Ein neues Zuhause für Kammmolch & Co.

Konflikt zwischen Gewerbe und Artenschutz: Amphibien müssen umgesiedelt werden, ehe im Langen Feld gebaut werden kann

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Murr. In etwa so groß wie zwei Fußballfelder könnte die neue gewerbliche Fläche werden, die die Gemeinde Murr im Langen Feld im Bereich einer ehemaligen Gärtnerei entwickeln will. Doch dieser Plan kommt mit dem Artenschutz ins Gehege, denn in einer vorbereitenden Untersuchung wurden in einem Teich Kammmolche und Vertreter der Gattung „Kleiner Frosch“ entdeckt – beide Arten sind streng geschützt. Das wird die Kommune am Ende wenigstens 100.000 Euro kosten.

Der am Dienstagabend im Gemeinderat behandelte Fall steht exemplarisch dafür, wie häufig der Flächenbedarf für Wohnen oder Gewerbe inzwischen einen Konflikt mit Fauna und Flora bedeutet. Und welcher Aufwand zumindest in Ballungsräumen betrieben werden muss, um Lebensräume für Pflanzen und Tiere zu erhalten.

Bis zum einstimmigen Beschluss des Gemeinderats, einen Ersatzteich für Kammmolch und „Kleinen Frosch“ anzulegen, brachte die Gemeinde schon einen regelrechten Verfahrensmarathon hinter sich. Ein von ihr beauftragtes Gutachterbüro erstellte zunächst eine sogenannte Biotop- und Habitatpotenzialanalyse und schätzte dabei auch ein, wie der Eingriff naturschutzrechtlich kompensiert werden kann.

Nach einer Besprechung mit Vertretern des Landratsamtes als Unterer Naturschutzbehörde gab es vertiefende Untersuchungen zum Vorkommen von Vögeln, Fledermäusen, Reptilien und Käfern, die Totholz als Lebensraum benötigen. Dabei wurden die Kammmolche (das Foto zeigt einen Donau-Kammmolch) und „Kleinen Frösche“ entdeckt.

Ziemlich schnell schloss die Verwaltung aus, den Teich samt Tieren so zu lassen wie er ist – denn die Amphibien benötigen auch Land um das Gewässer herum, die Gewerbefläche wäre kleiner geworden. Es folgte als nächster Schritt die Suche nach einem Gewässer, in das die Tiere umgesiedelt werden könnten. Teiche im Hardtwald schieden aus, weil sie zu weit vom jetzigen Lebensraum entfernt liegen, auch vom Retentionsbecken am Riedbach hielt das Landratsamt aufgrund der schlechten Wasserqualität nichts. Beim nächsten Versuch nahm die Gemeinde einen Teich auf Pleidelsheimer Markung ins Visier. Um die Amphibien erfolgreich umsetzen zu können, hätte der aber frei von Fischen sein müssen. Doch bei einer Elektrobefischung wurden 37 Rotaugen und fünf Stichlinge entdeckt. Diese Vorkommen, verbunden mit jeder Menge Faulschlamm, der immer wieder hätte ausgebaggert werden müssen, waren das K.-o.-Kriterium für diese Variante.

So war am Ende die Anlage eines neuen Teichs einigermaßen alternativlos. Als Standort hat die Gemeinde nach Angaben von Hauptamtsleiterin Brigitte Keller eine kommunale Fläche in direkter Nachbarschaft des Rückhaltebeckens Riedbach ausgeguckt. Die Kosten für den Teich, die Umsiedlung der Amphibien und die Honorare für die Planer addieren sich auf eine Summe von rund 100.000 Euro.

„Eine stolze Summe“, merkte denn auch Bürgermeister Torsten Bartzsch im Gemeinderat an, die sich die Kommune allerdings im späteren Umlegungsverfahren erstatten lassen wird.

Jetzt ist aber erst einmal ordentlich Zeitdruck hinter dem Projekt, denn die Tiere sollen möglichst im Frühjahr und Sommer eingefangen und umgesetzt werden; in der kalten Jahreszeit ist das nicht möglich. Deshalb muss auch der Ersatzteich möglichst schnell geschaffen werden. Der Gemeinderat gab der Verwaltung freie Hand, die weiteren Arbeiten zu veranlassen.

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