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Jugendhäuser

Ein Neustart mit Kontrolle – und mit Billardturnieren

Schrittweise dürfen seit dem 2. Juni auch Jugendhäuser wieder öffnen – allerdings nur unter großen Auflagen wie Hygiene- und Abstandsregeln, kleine Gruppen und eine Dokumentation, wer wann das Jugendhaus besucht. Nicht alle Einrichtungen machen von der Lockerung Gebrauch.

Im Marbacher Jugendhaus Planet-x gibt es Terrassengespräche. Leiter Georg Stenkamp (links) und Andreas Ludmann freuen sich auf Besucher.Foto: privat
Im Marbacher Jugendhaus Planet-x gibt es Terrassengespräche. Leiter Georg Stenkamp (links) und Andreas Ludmann freuen sich auf Besucher. Foto: privat

Kreis Ludwigsburg. Als am Mittwochmittag das erste Mal wieder nebenan die Billardkugeln klackerten, war das für Matthias Nadji im Leitungsbüro des Jugendhauses Gerlingen „wunderschön zu hören“. Denn vor zweieinhalb Monaten hatte die Einrichtung ein letztes Mal geöffnet sein dürfen, erst kurz vor dem Pfingstwochenende kam dann die neue Coronaverordnung vom Land, wonach ein Betrieb ab dem Dienstag darauf unter Auflagen wieder möglich sein durfte. „Eine brutal kurze Zeit“ war das, doch die Gerlinger hatten sich anhand früher kursierender Andeutungen vorbereitet, ein Hygienekonzept erstellt und den offenen Bereich völlig umgebaut. „Es war schon gehörig was an Überlegungen und physischer Arbeit nötig“, sagt der Leiter.

Doch das hat sich gelohnt, die maximal acht Plätze, die es je montags bis freitags von 12 bis 18 Uhr gibt, sind zum Erstaunen der Mitarbeiter fast immer komplett nachgefragt. Neben der Teilnehmerbegrenzung müssen die Gäste ihre Kontaktdaten angeben, sich die Hände beim Betreten desinfizieren und – davon zeugen sogar abgeklebte Bereiche auf Sofas – die üblichen Mindestabstände einhalten. Und gerade Letzteres führte dazu, dass einige kleine Räume weiter zubleiben sowie der Kicker, Kartenspiele und Dart nicht nutzbar sind. Für die Playstation gebe es zwar genug Controller, doch der Aufwand fürs Desinfizieren ist groß, und man wollte ohnehin erst.mal klein anfangen.

Einer der Billardtische ist dagegen in Betrieb, und bislang habe alles dort und auch insgesamt funktioniert. So wie die Online-Angebote – auf Instagram und Facebook gab es täglich etwas Neues –, die man deshalb beibehalten will. Doch der Schwerpunkt soll nun wieder auf dem Jugendhaus liegen – „das A und O ist ja der persönliche Kontakt“, so Nadji.

Auch das Jugendhaus 4D in Bietigheim-Bissingen ist in Teilen wieder geöffnet, allerdings nicht als offener Treffpunkt, sondern für die festen Angebote Mädchentheater, Fit for girls und Zirkus an drei Nachmittagen. Es dürfen maximal 15 Personen pro Gruppe teilnehmen, der offene Bereich bleibt bis mindestens 14. Juni noch geschlossen. Auch das Jugendhaus in Bissingen bleibt so lange noch zu.

Einen normalen offenen Betrieb gibt es auch im Jugendhaus Charisma in Oberstenfeld noch nicht. Jugendhausleiter Michael Peyerl bereitet gerade Gruppenangebote vor, bei denen die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden können und natürlich muss auch er dokumentieren, wer wann im Jugendhaus war. „Das ist ein massiver Kontrollaspekt, den wir in der offenen Jugendarbeit sonst nicht haben“, sagt Peyerl, „das ist schon ein Dilemma.“

Andererseits hat er festgestellt, dass es bei den Jugendlichen großen Gesprächsbedarf gibt, vor allem über ihre gerade sehr veränderte Lebenswelt. Geplant sind Billard- und Tischtennisturniere, in festen Gruppen mit maximal sieben Personen. Wer kommen will, muss fest buchen, es gibt keine Pausen, damit sich die Gruppen nicht vor der Tür vermischen – Einschränkungen, die auf die älteren Jugendhausbesucher eher abschreckend wirken. „Die kommen deshalb auch nicht“, stellt Peyerl fest. Bei den Jüngeren ist das Interesse indes groß.

Ähnliche Erfahrungen macht gerade Sebastian Backes, der neue Leiter vom Jugendhaus Steinheim. Mundschutz, Abstand, Desinfektion, Anwesenheitslisten – „für die offene Jugendarbeit, die ja eigentlich ein niederschwelliges Angebot sein soll, ist das schon eine Hürde“, sagt Backes, „aber immerhin besser als nichts!“ Seit dem 2. Juni hat das nagelneue Jugendhaus geöffnet, die große Einweihungsfeier hatte erst mal ausfallen müssen. Inzwischen läuft an den Nachmittagen ein Zwei-Schicht-Betrieb. „Für die, die kommen, ist das eine richtige Befreiung“, hat der neue Jugendhausleiter festgestellt.

Das Leben im Jugendhaus Planet-x in Marbach findet derzeit vor allem draußen statt. „Wenn wir dürften, könnten wir mehr machen“, sagt Sozialarbeiter Andreas Ludmann, aber noch sind die Teilnehmerzahlen stark begrenzt. Die Terrassentreffen mit vier Jugendlichen und einem Betreuer kommen jedenfalls gut an. Interessant dabei: Neben Stammgästen kommen jetzt auch neue Besucher, die das Jugendhaus über die digitalen Angebote kennengelernt haben und die jetzt mal „in echt“ gucken wollen, was da so läuft. Nach den Pfingstferien soll es auch Angebote im Haus geben.

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