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ROCKABILLY-FESTIVAL

Ein Paradies für alle Retrofans

Frauen in Petticoats und Tellerröcken, Männer mit ausladenden, öligen Haartollen und riesige US-Schlitten: Eine Zeitreise zurück in die 1950er Jahre erlebten die Besucher der Rockabilly Days.

Rot ist Trumpf: Der schicke US-Schlitten und die stilecht gekleideten Besucherinnen strahlen um die Wette.Fotos: Ramona Theiss
Rot ist Trumpf: Der schicke US-Schlitten und die stilecht gekleideten Besucherinnen strahlen um die Wette. Foto: Ramona Theiss
Viele Besucher deckten sich gleich mit passender Kleidung ein.
Viele Besucher deckten sich gleich mit passender Kleidung ein.

Freiberg. Zum dritten Mal lockten von Freitag bis Sonntag die Rockabilly Days unzählige Besucher nach Freiberg. Mindestens genauso wichtig wie die Konzerte war das Drumherum. Sehen und gesehen werden, lautete das ungeschriebene Motto. Denn Rockabilly ist nicht nur Musik, sondern steht auch für eine bestimmte Mode und Frisuren. Dem Klischee zufolge sind Pomade im Haar und weit ausladende Petticoats die Hauptzutaten des Rockabilly. Und so sah man zahlreiche Frauen in Tellerröcken, bevorzugt aus Stoffen mit Punkten oder Kirschen. Die Männer trugen enge Jeans oder schwarze Stoffhosen. Wer noch keine passende Garderobe und Accessoires hatte, konnte sich direkt auf dem Festival ausstaffieren. Rund 20 Händler boten an, was der Rockabilly und Rockabella Herzen begehrt.

Auf der Shoppingmeile herrschte Hochbetrieb. „Natürlich schauen viele Besucher die Sachen nur an, aber es wird auch gekauft“, erzählte Maurice Becker, fliegender Händler aus Karlsruhe. „Gerade war eine Kundin da, die ihr Kleid gleich anbehalten hat. Besonders gefragt sind gepunktete Kleider und Röcke sowie kleine Hüte.“ Auch zwei Friseure boten ihre Dienste an. Ohne Pause war Barber Fabio Caponetto im Einsatz, der den Herren der Schöpfung die passende Pompadour-Frisur mit kurzen Seitenpartien und längerem Deckhaar verpasste – Ausdruck für Rockabilly-Schick und derzeit wieder modern. Viele Kunden wünschten nur den echten Greaser-Look mit Pomade und Haarwasser. „Der beste Barber, den es gibt“, schwärmte der frisch frisierte Dennis Schmilinski vom Friseur, der mit lockeren Sprüchen Kunden und Zuschauer unterhielt.

Auf der anderen Seite der Terrasse der Eventlocation „Gaumentanz“ verschönerte Lena Kübler die Damen mit Wellen, Haartollen und Blumenhaarschmuck. Natürlich konnte man alle Zutaten für Rockabilly-Frisuren auch an den Ständen erwerben, die Fettstube bot Pomade und Haarwasser an, daneben gab es fantasievoll verzierte Minihütchen und Blumenschmuck für die Dame.

Rockabilly-Fans kombinieren diese Modezitate gern mit Tattoos, auch wenn in den 1950er Jahren nur Seeleute und Häftlinge solchen Körperschmuck trugen. Viele Besucher waren bereits reich tätowiert, aber man konnte sich die Tattoos auch vor Ort stechen lassen. „Ich habe mich bislang nie getraut, aber heute habe ich mich ganz spontan entschlossen“, erzählte eine ältere Frau im Gespräch mit unserer Zeitung, während der Tätowierer ihren Rücken mit der Cartoon-Figur Betty Boop verzierte.

Zu den Rockabilly Days gehören auch die Oldtimer, riesige US-amerikanische Straßenschiffe waren ebenso zu bestaunen wie alte deutsche Fabrikate. Jeweils rund 30 durften an den Prämierungen teilnehmen, die am Samstag für die Autos bis Baujahr 1965 und am Sonntag bis Erstzulassung vor 1976 stattfanden. Buick Riviera, Chavrolet, Pontiac, Cadillac und Ford Mustang wurden einzeln vor der Bühne präsentiert und von den Zuschauern bewundert. Aus einem Chrysler Windsor von 1956, dekoriert mit zwei US-Flaggen, entstieg sogar der totgeglaubte Elvis Presley. Die Leidenschaft für Oldtimer habe er schon 40 Jahre, doch erst seit etwa zwei Jahren präsentiere er sich als King of Rock’n’Roll bei Oldtimertreffen, berichte Elvis alias Gerd Rapp aus Mühlacker unserer Zeitung.

Die Gäste nahmen zum Teil auch weite Anfahrten auf sich. Klaus Becker aus der Pfalz sagte, er reise zu jedem Rockabilly Festival, demnächst sogar nach Spanien. „Mich fasziniert der ganze Lifestyle“, schwärmte er und die Szene sei wie eine große Familie. Sogar aus Japan waren zwei junge Männer extra für die Rockabilly Days nach Freiberg gereist. Einer von ihnen ist Sammler von Haarpomaden.

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