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Corona

Ein Vertrauen, das stärker ist als die Angst

Das Coronavirus wirkt sich auch auf die evangelische Kirche aus. Gottesdienste werden abgesagt, Seelsorge findet weitgehend nur noch telefonisch statt. Für Dekan Eberhard Feucht und seine Mitarbeiter ist das eine schwierige Zeit. Allerdings sieht er die Kirche sowie die Gesellschaft auf lange Sicht gut gerüstet für die Herausforderungen, die eine solch unerwartete Krise mit sich bringt.

Archivfoto: Alfred Drossel
Foto: Alfred Drossel

Besigheim. Mitten in der Fastenzeit trifft uns das Coronavirus mit voller Wucht. Wo ansonsten eigentlich mehr Menschen in die Kirchen gehen und sich auf Ostern vorbereiten, finden keine Gottesdienste in den Kirchen statt. Schlimmer noch: Selbst Seelsorge kann aufgrund der Anordnung der Evangelischen Landeskirche Württemberg, basierend auf den Maßnahmen der Landesregierung, weitgehend nur noch telefonisch erfolgen. Für Dekan Eberhard Feucht ist dies eine schwierige Zeit. „Was ich vor allem wahrnehme, ist Beratungsbedarf“, sagt er. Viele Menschen seien verunsichert wegen der aktuellen Lage und es entstünden Ängste. Das Leben, wie es bisher war, wird erschüttert. Speziell ältere und kranke Menschen sowie Freiberufliche und Kleingewerbe hätten große Sorgen. „Sorgen dieser Größenordnung kennen wir aus dem Alten und dem Neuen Testament“, sagt Feucht.

Normalerweise würden die Kirchen ihre Pforten weit öffnen für das gemeinsame Gebet. Doch selbst das geht in der Coronakrise aufgrund der Ansteckungsgefahr nicht. Für Eberhard Feucht gibt es nur eine Richtlinie in diesen Zeiten: „Zum Schutz der Schwächsten, aus Liebe zum Nächsten und zu sich selbst ist verantwortliches Verhalten grundlegend. Der Beitrag von uns Christen und als Kirche ist es, Menschen mit den Trost- und Hoffnungsworten der Bibel zu begleiten und in der Not beizustehen. An vielen Stellen im Kirchenbezirk werden Hilfen für Menschen in Not aufgebaut.“ Die Kernaussage des Christentums trage durch die Zeiten: Gottvertrauen, Nächstenliebe, Schutz der Schwächsten könne auch Corona nicht stoppen.

In den Gemeinden werden zu bestimmten Uhrzeiten die Kirchenglocken läuten. „So werden die Menschen erinnert, dass sie auch selbst beten können.“ Diese Art der Verehrung Gottes im Kleinen sei schon im Altertum praktiziert worden und würde nun eben neu entdeckt. Das Geläut am Sonntag erinnert dann nicht mehr daran, dass man sich auf den Weg ins Gotteshaus macht, sondern dass man zu Hause innehält zu Besinnung und Gebet. Geläutet wird traditionell bei Tagesanbruch gegen 6 oder 7 Uhr zum Morgengebet, mittags zum Friedensgebet und bei Einbruch der Dunkelheit (18 oder 19 Uhr) zum Abendgebet. Nicht alle Gemeinden läuten zusätzlich die Kreuzglocke im Gedenken an die Passion Christi.

Um die frohe Botschaft zu verbreiten, wird von nun an das Internet noch stärker genutzt. „Wir entdecken in der Krise neue Möglichkeiten und Ressourcen.“ Gottesdienste im Fernsehen oder auf Kirche online sind mögliche Angebote. So benutzt der Walheimer Pfarrer Christian Lehmann seinen eigenen Kanal auf YouTube, um die Gemeinde zu erreichen. Schon vergangene Woche hat er eine Voraufzeichnung eines Gottesdiensts ins Internet gestellt. Diese kam so gut an, dass er das von nun an jeden Sonntag machen will, solange das Coronavirus zum Verbot von Gottesdiensten führt. „Wir müssen als Gemeinde verbunden bleiben“, so Lehmann. Ein Mitarbeiter, der eine Kamera und ein geeignetes Mikrofon besitzt, hat ihn auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht. Mehr als 300 Mal wurde der rund 20-minütige Clip angeschaut. An der Orgel wird Lehmann von Friedegard Heckendorn, zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats, begleitet, so dass das Bild eines ganz normalen Gottesdienstes entsteht. Die Tatsache, dass viele Senioren technisch nicht auf neuestem Stand sind und nicht so einfach ins Internet kommen, sieht Lehmann gelassen. „Wir bitten die Familien, dass sie ihnen eine Möglichkeit geben, es anzuschauen.“

Die Kirche wird verstärkt in den Printmedien, auf der Homepage und in Schaukästen Besinnungen, Predigten und weitere geistliche Angebote machen. In Sachen Seelsorge gibt es auch keine Lücke. Die Seelsorgenden sind für Menschen in Not da. Die Pfarrämter sind telefonisch zu erreichen bei Anliegen der Menschen. Dekan Feucht setzt verstärkt auf die Familien. Hier soll vermehrt miteinander über Ängste gesprochen werden. Verdrängen bringt in dieser Lage nichts. „Jeder soll so seine eigenen Rituale verstärken.“ Er verweist bei all den Ängsten auf Jesus. Am Ölberg im Garten Gethsemane, kurz vor seiner Gefangennahme, hatte auch er Furcht und trug sie Gott vor. „Wir werden die Lesungen der Passionszeit in diesem Jahr anders aufnehmen als sonst.“ Gott möge den Menschen ein Vertrauen geben, das stärker ist als die Angst, so wie er es damals bei Jesus getan habe. „Wir müssen mit Mut, Willenskraft und Nächstenliebe als Gesellschaft zusammenzustehen“, ist sein Rezept für die schwierigen Zeiten.

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