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Obdachlosenunterkunft

Einblick in die neue Übergangsbleibe

Bevor die ersten Obdachlosen in die neu gebaute Unterkunft in der Gründelbachstraße einziehen, hatten am Wochenende die Bürger die Gelegenheit, das Gebäude zu besichtigen und sich über das Konzept zu informieren.

Rudi Wagner führt Interessierte durch das Haus. Es verfügt über 32 einfach ausgestattete Einzelzimmer, in dem einzigen behindertengerechten ist zudem ein Waschbecken.Fotos: B. Stollenberg
Rudi Wagner führt Interessierte durch das Haus. Es verfügt über 32 einfach ausgestattete Einzelzimmer, in dem einzigen behindertengerechten ist zudem ein Waschbecken. Foto: B. Stollenberg
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FREIBERG. Die Obdachlosenunterkunft bietet aufgeteilt in zwei Trakte mit jeweils zwei Stockwerken Platz für 32 Bewohner, die ausschließlich in Einzelzimmern untergebracht werden. Jedes Zimmer misst sieben Quadratmeter und ist mit einem Metallbett, einem Spind, Tisch und Stuhl möbliert. Es gibt auch ein etwas größeres, behindertengerechtes Zimmer mit eigenem Waschbecken. Jeweils acht Personen teilen sich zwei Sanitärräume und eine Küche.

„Wir werden im Januar oder Februar damit beginnen, einen Trakt der Unterkunft zu belegen“, erzählt Susanne Jaschke, Abteilungsleiterin Liegenschaften, dass demnach einige Bewohner aus der Unterkunft Marbacher Straße umziehen werden. Jaschke war es auch, die den Bau der neuen Obdachlosenunterkunft angestoßen hatte. „Wir haben bewusst großzügig gebaut, um genügend Kapazitäten zu haben“, erklärte Kämmerin Sandra Horvath, warum zunächst ein Trakt unbelegt bleibt.

Wer wird in der neuen Obdachlosenunterkunft untergebracht? Auf jeden Fall ist es eine reine Männerunterkunft. Und nicht jeder Obdachlose kann nach Freiberg kommen und Herberge verlangen. „Wer in Freiberg lebt und zum Beispiel durch eine Räumungsklage seine Wohnung verliert, muss von uns umgehend untergebracht werden“, machte Jaschke deutlich, dass die letzte Wohnsitzmeldung darüber entscheide, welche Kommune für einen Obdachlosen zuständig sei. Da auch Familiennachzug von Flüchtlingen als obdachlos gelte, sei deren Zahl schwer zu beziffern. Die Zahl der „klassischen“ Obdachlosen liege aber bei rund 40 bis 50.

Die Bewohner der Unterkunft bleiben nicht sich selbst überlassen. Seit einem Jahr ist Rudolf Wagner bei der Stadt beschäftigt und als Sozialarbeiter im Bereich Wohnungslosenhilfe tätig. Er hat auch ein Büro in der Unterkunft, wo er die Betroffenen berät. „Ziel ist es, dass Bewohner mit meiner Hilfe wieder eine Wohnung finden. Die Obdachlosenunterkunft soll nur eine vorübergehende Lösung sein“, erklärt Wagner. Auch wird er – soweit möglich – auf Einhaltung der Hausordnung achten, die Rauchen im Haus sowie den Konsum von Alkohol verbietet.

„Was ist, wenn es zu Gewalt kommt?“, wollte eine besorgte Anwohnerin wissen. „Es sind keine gewalttätigen Menschen, die hier untergebracht werden“, beruhigte sie Wagner. Und wenn es doch einmal zu Konflikten komme, dann beträfen diese erfahrungsgemäß eher die Bewohner untereinander. „Aber ich bin über das Handy erreichbar und sofort zur Stelle. Und außerhalb meiner Arbeitszeit kann man gleich die Polizei rufen“, sagte der Sozialarbeiter. Die Bewohner selbst können über ein Notfalltelefon, das es in jedem Stock gibt, ebenfalls jederzeit Hilfe rufen.

Wenn die Unterkunft zum Jahresbeginn belegt wird, geschieht dies mit mehr als einem Jahr Verspätung. Eigentlich sollte der im Oktober 2017 begonnene Bau bereits im Herbst 2018 fertig sein. Doch die nicht vertragsgemäß erfolgte Verlegung des Bodenbelags sorgte für erhebliche Verzögerungen (wir berichteten). Erst nach einem erstellten Schiedsgutachten zeigte sich die Handwerkerfirma bereit, den Boden neu zu verlegen.

Bürgermeister Dirk Schaible, der den Besuchern bei der Besichtigung ebenfalls Rede und Antwort stand, drückte seine Freude über den endlich fertiggestellten Neubau aus. „Wir sind froh, dass wir Menschen ohne Obdach jetzt wieder eine menschenwürdige Unterkunft bieten können“, sagte der Schultes. In Zeiten eines extrem angespannten Wohnungsmarkts sei es für manche Bevölkerungsgruppen besonders schwierig, eine Wohnung zu finden und die Zahl der Obdachlosen deshalb steigend.

Die geplanten Kosten für die Unterkunft, die eine Fläche von rund 440 Quadratmetern hat, liegen bei 1,4 Millionen Euro. „Die Endabrechnung liegt zwar noch nicht vor, aber wir können schon sagen, dass es etwas günstiger wird“, erklärte Kai Find vom Fachbereich Bauen.

Zahlreiche Freiberger nutzten im Laufe des Vormittags die Gelegenheit, die noch unbewohnte Unterkunft zu besichtigen. Die Stadt spendierte Kürbissuppe, Maultaschen und Punsch zum Aufwärmen und zur Stärkung.

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