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Eine kreative Entdeckungsreise

Eine mitreißendes und beeindruckendes Konzert- und Tanzereignis haben am Wochenende rund 1200 Zuschauer bei drei Aufführungen in der Karlskaserne erlebt. Es lässt sich nur schwer beurteilen, wer begeisterter war: das jubelnde Publikum oder die jugendlichen Mitwirkenden des Stücks Zuckerschock Fairy.

Eine-kreative-Entdeckungsreise
Balletttänzer und Street-Dancer nähern sich langsam an und kreieren aus der Begegnung heraus neue Welten. Foto: Bild: Michael Fuchs

Klassische Musik und moderner Hip-Hop müssen kein Widerspruch sein. In opulenten Tanzszenen mit teilweise 70 Akteuren gleichzeitig auf der Bühne überlappten die beiden Musikrichtungen einander und verschmolzen zu einer harmonischen Einheit. Sich zu der „Ouvertüre Miniature“ aus Tschaikowskys Nussknacker in coolen Hip-Hop-Schritten zu bewegen, das geht.

Und es wirkt absolut authentisch, wenn Jugendliche sich auf ihre Weise mit klassischer Musik aueinandersetzen und diese neu interpretieren. Nach dem Erfolg des Jugend-Tanzprojektes „Das Wagnis“ war es der Tanz- und Theaterwerkstatt Ludwigsburg gelungen, das für seine Experimentierfreude bekannte Jugendsinfonieorchester Ludwigsburg mit rund 30 Jugendlichen zusammenzubringen. Die Geschichte, in die das Geschehen auf der Bühne eingebettet war, wurde fast zur Nebensache.

Alles nur geträumt hatte die junge Hip-Hop-Tänzerin (Chiara Gaiser), die sich in einen jungen Musiker (Daniel Casares, Fagott) verliebt, der in einem Orchester mitspielt. Nach einem Unfall taucht die junge Frau in Trainingsklamotten in die Märchenwelt voller Fabelwesen ein und trifft dort auf eine Fee (wundervoll getanzt von Constantin Prillmann), die das Sinnbild des klassischen Balletts verkörpert.

Zwei Musikwelten

Bis es nach etwas mehr einer Stunde zum Happy End kam, erlebten die Zuschauer die gelungene Annäherung. Die junge Frau findet den Tanzstil der sie umringenden Balletttänzer in den hellen, leichten Gewändern einfach nur daneben – den Eleven geht es andersherum genauso. Das Kopfschütteln verschwindet, je mehr die jungen Leute sich auf die Lebens- und Musikwelt der jeweils anderen Gruppierung einlassen. Die mit nackten Füßen tanzenden Balletttänzerinnen und -tänzer entdecken mit Sneakers an den Füßen plötzlich neue Tanzschritte –und umgekehrt.

Dass die jungen Mitwirkenden im Alter zwischen zwölf und 20 Jahren beide Stilrichtungen beherrschen und tänzerisch umsetzen können, zeigten sie bei den einzelnen Tanzszenen. Akrobatische Elemente gehörten ebenso dazu wie Balletteinlagen. Das Street-Dancing, bei dem der Asphalt zur Tanzfläche wird, beherrschen einige Tänzer mit Leichtigkeit. Glanzvoller Höhepunkt war die Schlussszene, bei der alle Mitwirkenden ausgelassen zu „I’m a Shine“ von Young BloodZ auf und vor der Bühne tanzten.

Zu neuen Ufern aufgebrochen sind bei der Inszenierung von Zuckerschock Fairy aber auch die Mitwirkenden des Jugendsinfonieorchesters. Sie verließen ihre Plätze, um ihre Instrumente sitzen, liegend oder stehend zu spielen. Sie wandelten und tanzten umher und wurden auf diese Weise zum Teil dieser außergewöhnlichen Inszenierung.

Hinter der Premiere am Freitagabend und der Aufführung am Samstag stecken ein enormer Aufwand und viel Disziplin. Das erste Tanzensemble, dem 15 Jugendliche angehören, hatte seit den Osterferien 2010 Tanztraining erhalten und an den Choreografien gefeilt. Zum Teil haben sie einige Bewegungsabläufe selbst entwickelt. Bei einem Castingtermin vor Weihnachten wurden die Mitglieder des zweiten Tanzensembles ausgewählt.

Noch weitere Auftritte?

Begleitet wurde das Ensemble bei seiner kreativen Entdeckungsreise von Daniecell (künstlerische Leitung, Choreografie und Kostüme), Ute Kabisch (musikalische Leistung), Carina Clay (Co-Choreografie und Produktionsassistenz) sowie Katharina Erlenmaier (Ballettcoach).

Es stimmte einfach alles: angefangen von der Choreografie, den Kostümen über die Musik bis zu der effektvollen Beleuchtung. Abgesehen von den drei Auftritten am Wochenende sind für den heutigen Montag zwei Schulvorstellungen geplant. Das Märchen von dem Kulturschock und der Liebe hat weitere Aufführungen und Zuschauer verdient.