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Bürgermeister

Einen Akkubohrer zum Amtsantritt

Boris Seitz wurde gestern Abend bei einer Feierstunde in der Käsberghalle offiziell als Bürgermeister von Mundelsheim eingesetzt.

Andreas Link überreicht dem neuen Bürgermeister Boris Seitz (rechts) zur Amtseinsetzung einen Akkubohrer. Foto: Ramona Theiss
Andreas Link überreicht dem neuen Bürgermeister Boris Seitz (rechts) zur Amtseinsetzung einen Akkubohrer. Foto: Ramona Theiss

Mundelsheim. Bei einer Amtseinsetzung wird ein neuer Bürgermeister in aller Regel mit Geschenken überhäuft. Als gestern Abend Boris Seitz, den die Mundelsheimer Mitte Oktober mit einer Mehrheit von über 60 Prozent gewählt hatten, bei einer Feierstunde in der gut besuchten Käsberghalle an der Reihe war, erhielt er das wohl überraschendste Präsent von seinem Stellvertreter Andreas Link.

Link, der dem neuen Rathauschef im Namen der Gemeinderäte den Amtseid abnahm, überreichte Seitz einen Akkubohrer, konnte seine ausgefallene Gabe freilich gut begründen. „Die Politik bedeutet ein langsames und geduldiges Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich“, zitierte Link den Soziologen Max Weber. Der in rot-weißen Ortsfarben gehaltene Akkuschrauber werde das Bohren ziemlich erleichtern, meinte Link und fügte hinzu: „Hoffen wir, dass er nicht allzu oft zum Einsatz kommt.“

Offenheit, Transparenz und Sachlichkeit seien die besten Voraussetzungen, um den personellen Übergang zu meistern. Trotz aller rechtlichen Vorgaben und Einschränkungen präge jeder Amtsinhaber den Bürgermeisterposten durch seine Persönlichkeit, betonte Link, das gelte insbesondere für das Verhältnis zu den staatlichen Aufsichtsbehörden.

Den überzeugenden Sieg im ersten Wahlgang dürfe Seitz als Vertrauensbeweis werten, meinte Landrat Rainer Haas. Allerdings stehe der neue Bürgermeister jetzt auch vor der Aufgabe, den Vertrauensvorschuss umzusetzen. „Das Ergebnis ist eine gute Startvoraussetzung, aber auch Verpflichtung“, so der Landrat. „Jeder wird auf Sie zukommen, jeder wird etwas von Ihnen wollen – damit müssen Sie umgehen.“Um alle Seiten zufriedenzustellen, müsse ein Bürgermeister viele Eigenschaften vereinen: „Sie sollten über die Schlauheit eines Fuchses, die Weisheit eines Elefanten, die Stärke eines Büffels und die Sturheit eines Esels verfügen“, sagte Haas. „Und dabei sollten Sie am besten auch noch die Würde eines Bischofs an den Tag legen.“

Der Besigheimer Bürgermeister Steffen Bühler war früher selbst Hauptamtsleiter im Mundelsheimer Rathaus. Daher wisse er, „wie beschwingt und süß das Leben als Bürgermeister hier in Mundelsheim sein kann“, wandte sich Bühler an den neuen Kollegen und überreichte Seitz ein Glas Marmelade aus der Besigheimer Felsengartenkellerei.

Der Wahlkampf sei eine ereignisreiche, auch anstrengende Zeit gewesen, sagt der frisch gebackene Bürgermeister. Seine Familie und er stünden jetzt im Blickpunkt der Öffentlichkeit, „das wird nicht immer einfach werden“. Vorsorglich bat Seitz schon einmal um Verständnis, falls er samstagnachmittags einmal ohne Jackett im Supermarkt aufkreuzt.

Bis Weihnachten wolle er zunächst Basisarbeit betreiben und sich ein Bild von den Verwaltungsabläufen im Rathaus machen. In seiner neuen Funktion muss Seitz sogleich als Personalchef tätig werden, da Hauptamtsleiter Sascha Tyler und Michaela Hammel, die für Bauanträge, Grundbuchangelegenheiten und Amtsblatt zuständig ist, die Neckargemeinde verlassen.

Er hätte gerne die Chance bekommen, mit diesen erfahrenen Kollegen zusammenzuarbeiten, sagte Seitz, „aber Reisende soll man nicht aufhalten“. Die wichtigste Aufgabe sei nun, die Personalsituation wieder in den Griff zu bekommen und die beiden Posten so schnell wie möglich zu besetzen.

Auch in den kommenden Jahren wartet viel Arbeit auf den neuen Bürgermeister. Als wichtige Zukunftsaufgaben nannte er die Besiedelung des Neubaugebiets „Seelhofen IV“ und die Fortschreibung des Flächennutzungsplans, in dem ein neues Wohngebiet und ein weiteres Gewerbeareal ausgewiesen werden sollen. „Außerdem müssen wir Straßen sanieren und kontinuierlich am Ortsbild arbeiten“, betonte Seitz, der bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr auch für den Kreistag kandidieren will.

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