Logo

Licht

Einleuchtende Argumente

Im Gemeinderat geht es beim Punkt Straßenbeleuchtung auch um den Schutz von Insekten und Fußgängern

Blick vom Kaiserstein nach Norden: Vor allem das Schwieberdinger Industriegebiet (rechts) mit Bosch sticht heraus.Foto: Krischan Müller
Blick vom Kaiserstein nach Norden: Vor allem das Schwieberdinger Industriegebiet (rechts) mit Bosch sticht heraus. Foto: Krischan Müller
Rund um Stuttgart, Mannheim und München ist die Lichtverschmutzung besonders hoch, im Voralpenraum hingegen kaum.Screenshot: privat
Rund um Stuttgart, Mannheim und München ist die Lichtverschmutzung besonders hoch, im Voralpenraum hingegen kaum.Screenshot: privat

Hemmingen/Kreis Ludwigsburg. Der Himmel ist fast hellblau, erst einige Meter weiter oben färbt er sich schrittweise dunkel, die Sterne werden langsam erkennbar. Viel zu spät, finden Naturschützer, und monieren die Lichtverschmutzung. „Sinnlos leuchtendes sowie fehlgelenktes Licht ist pure Energieverschwendung und schadet dem Klima“, so die Organisatoren der Earth Night. „Es macht den Schlaf weniger erholsam. Es irritiert Pflanzen und lenkt Vögel auf ihre Zugrouten fehl. Es tötet im Sommer milliardenfach Insekten.“ Für eine Nacht, so das Ziel der Aktion, sollte menschengemachtes Kunstlicht abgeschaltet werden.

Und eigentlich noch viel länger, findet Krischan Müller. Denn: „Der Landkreis hat in Sachen Lichtverschmutzung auch noch einiges zu tun“, sagt er und verweist auf Daten, wonach nicht nur sein Wohnort Hemmingen und die Region schlechte Werte aufweist. Ziel müsse sein, von einem fast gelben ähnlich wie der gewünschte Nachthimmel auf einen Farbwert von Dunkelblau wie in Alpennähe zu kommen, vor allem zum Schutz von Tieren wie dem Schmetterling des Jahres 2021, dem Braunen Bär, der von Lichtverschmutzung stark bedroht sei.

Etwa, indem nachts unnötiges Licht ausgeschaltet werde. Müller hatte deshalb zunächst beim Landratsamt nachgefragt, ob der Kreis für die Earth Night alle Beleuchtungen ausschalten könne. Doch die Behörde kann das nicht verfügen, und verwies zudem, wie schon die Gemeinde, auf die Verkehrssicherungspflicht. Müller nutzte deshalb für einen neuen Vorstoß die jüngste Ratssitzung, in der es um die weitere Modernisierung der Straßenbeleuchtung ging, und schrieb den Mitgliedern des Gremiums. Wilfried Gentner (CDU) griff das auf und wollte wissen, ob die vorgesehenen LEDs einzeln regelbar seien. Für Markus Walker (Die Partei) wären dabei Bewegungsmelder eine Lösung, sodass die Laternen nur angingen, wenn in der Straße tatsächlich jemand das öffentliche Licht brauche. Das aber ist laut Ortsbaumeisterin Sonja Widmann nicht möglich. Zu regeln seien immer ganze Straßenzüge, einzelne Masten zu aufwendig.

Doch das hätte etwa den Gefallen von Ralf Horwath (SPD) gefunden. Er wusste von Kommunen, die mit Nachtabschaltung jährlich bis zu 36000 Euro sparten – Ähnliches hatte man 2008 schon in Steinheim gemacht. „Wenn Sie das Licht aber ganz aus wollen, müssen wir über das Thema Verkehrssicherung reden. Und manche Fußgänger fühlen sich dann auch unsicher“, so Widmann. „Das ist eine politische Entscheidung“, ergänzte Bürgermeister Thomas Schäfer, diskutieren könne man aber. Doch: „Da haben sich so manche Gemeinderäte schon die Köpfe heißgeredet, was zu tun ist – und im Zweifel ist es immer falsch.“

Das hatte beispielsweise vor einigen Jahren die Stadt Kornwestheim zu spüren bekommen. Als Einsparmaßnahme stimmte der Gemeinderat 2017 zu, jede zweite Straßenlaterne nachts auszuschalten. Rechtlich spricht – in Wohnstraßen, nicht an Unfallschwerpunkten oder in Gegenden mit viel Verkehr wie in Gewerbegebieten – nichts dagegen, auch versicherungsrechtlich bestünden keine Einwände, so die Stadt damals. Doch dann mehrten sich die Beschwerden, weil gerade Fußgänger und insbesondere Frauen sich nachts unwohl fühlten.

Und auch Sonja Widmann kann es sich ganz ohne nächtliches Straßenlicht nicht vorstellen. „Man braucht immer eine Sicherheitsbeleuchtung“, sagt sie, auf die werde nachts auch gedimmt. Mit Blick auf die Argumente verweist sie darauf, dass Kommunen ohnehin durch die Umstellung von Quecksilberdampfleuchten auf LED bis zu 60 Prozent einsparen – auch in Steinheim hat man die Abschaltung nach Wegfall des Sparzwangs rückgängig gemacht. Zudem würde heutzutage mehr darauf geachtet, dass das Licht zum Boden strahle, und nicht wie bei früheren Kugelleuchten nach oben.

Die nun genehmigten LEDs (110 Beleuchtungskörper für 33600 Euro) seien darüber hinaus „nachweislich insektenfreundlich“, die – schon bei anderen Umrüstungen verwendete – Lichtfarbe mit „neutral-weiß“ im mittleren Bereich angesiedelt. Für Müller indes wäre „Warmweiß“ noch besser, also mit weniger blauen Lichtanteilen – denn blau ist in dem Fall schlecht für die Umwelt.

Autor: