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Umwelt

Ende des fröhlichen Plätscherns

Für Mensch und Natur ist der Obere Leudelsbach zwischen Markgröningen und Möglingen ein wichtiger Lebensraum. Doch das Gewässer schafft es nicht mehr bis zu seiner Mündung. Das ist kein Einzelfall.

Der Obere Leudelsbach zwischen Markgröningen und Möglingen (unten): Auf seinen letzten Metern vor der Mündung in den Leudelsbach (oben) führt der Oberlauf kein Wasser mehr. Biologische Vielfalt geht so verloren. Foto: Ramona Theiss
Der Obere Leudelsbach zwischen Markgröningen und Möglingen (unten): Auf seinen letzten Metern vor der Mündung in den Leudelsbach (oben) führt der Oberlauf kein Wasser mehr. Biologische Vielfalt geht so verloren. Foto: Ramona Theiss

Markgröningen/ Möglingen. Am Naturdenkmal Heiligenwiesle quaken Erdkröten und Grasfrösche. Vögel zwitschern, und Spaziergänger führen ihre Hunde aus. „Schauen Sie nur, wie der Obere Leudelsbach hier plätschert“, ruft Edgar Blank, der Naturschutzwart, Jäger und ehemalige Ratsherr der Freien Wähler in Möglingen. Früher hat das glasklare Wasser seinem Onkel die Felder gespeist. Der Bach hielt ihm die Mostkrüge kühl, für die Kinder gab es während der Heuernte kalte Milch. Lang ist’s her.

Heute schafft es der Obere Leudelsbach, dessen Quelle sich auf einem Feld zwischen Markgröningen und Möglingen befindet, nicht mehr zum Ziel. Er schlängelt sich noch unter der Bahnlinie hindurch, die bekanntlich reaktiviert werden soll, und verlandet dann etwa 200 Meter vor seiner Mündung in den Leudelsbach. Hier zeigt Blank auf Brombeersträucher und Unkraut, das im Oberlauf wuchert. An manchen Tagen ist es so staubig wie in einer subtropischen Trockensavanne. „Es tut mir richtig weh, dass der Bach so stiefmütterlich behandelt wird“, sagt Blank.

Der Naturschutzwart hat im vergangenen Jahr an das Landratsamt geschrieben und seine Bitte hinterlegt, den Oberen Leudelsbach vom Wildwuchs zu befreien, damit er weiter friedlich vor sich hinplätschern kann. Eine Antwort steht nach seinen Angaben aus. „Man könnte mit wenig Mitteln so viel erreichen“, sagt Blank frustriert.

Forscher in Berlin haben ermittelt, dass mehr als die Hälfte aller Bäche und Flüsse wegen der Trockenheit und mangelnder Pflege zumindest zeitweise versiegen. Die Konsequenzen sind in ihren Augen enorm: Wichtige Lebensräume für Mensch und Natur und damit biologische Vielfalt gehen verloren. Ein Sprecher des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie sagt: „Wir dürfen das Problem nicht ignorieren. Langfristig können die Folgekosten weitaus höher ausfallen, als für den Schutz der Gewässer benötigt wird.“

Ein Anruf bei Bürgermeister Rudolf Kürner in Markgröningen. Er sagt: „Mir ist die Gewässerunterhaltung wichtig. Was sinnvoll und machbar ist, werden wir leisten.“ Kürner verweist darauf, dass seine Kommune am Oberen Leudelsbach Kopfweiden geschnitten habe. Dass er auf seinen letzten Metern gerade kein Wasser führt, ist ihm aber neu. Kürner will seine Naturschutzbeauftragte mit dem Fall befassen. „Wir müssen uns aber mit dem Landratsamt abstimmen, weil wir uns in einem Naturschutzgebiet befinden.“

Seine Stadt hat in den vergangenen Jahren unterhalb der Kläranlage ein Grundstück gekauft und dafür gesorgt, dass sich der Leudelsbach hier teilt und weitläufig über die Wiese fließt. Bei den Leuten kommt das offenbar gut an. „Eine tolle Geschichte“, sagt der Bürgermeister. Gutachter bescheinigen ihm, dass sich die Wasserqualität und der Tierbestand oberhalb und unterhalb der Kläranlage kaum unterscheiden. Auf Markgröningen, Möglingen, Asperg und Ludwigsburg, die ebenfalls an das Klärwerk angeschlossen sind, kommen aber weitere Investitionen zu, weil der Gesetzgeber die Umweltauflagen drastisch verschärft hat.

Am Oberen Leudelsbach, dem trockenen Teil, steht Edgar Blank und formuliert seine Erwartung: „Solch ein Kleinod sollte man nicht verkommen lassen.“

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