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Nahverkehr

Engerer Takt bleibt Zukunftsmusik

Damit die S-Bahn auch zwischen Marbach und Backnang häufiger fahren könnte, wären Millioneninvestitionen nötig

Eine S-Bahn auf dem Viadukt bei Marbach. Während die Bahnen Richtung Stuttgart schon im 15-Minuten-Takt verkehren, wird sich diese Verbesserung in Richtung Backnang nicht in absehbarer Zeit realisieren lassen. Die Investitionskosten werden als zu hoc
Eine S-Bahn auf dem Viadukt bei Marbach. Während die Bahnen Richtung Stuttgart schon im 15-Minuten-Takt verkehren, wird sich diese Verbesserung in Richtung Backnang nicht in absehbarer Zeit realisieren lassen. Die Investitionskosten werden als zu hoch eingeschätzt. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Der Verband Region Stuttgart (VRS) will das Angebot im öffentlichen Nahverkehr rund um Stuttgart ausbauen und hat zu diesem Zweck eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, mit der sich die Regionalräte in der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses befassten. Bereits im Mai 2019 war dem Gremium eine frühere Version der Untersuchung vorgestellt worden. Allerdings habe sich seitdem „vieles dynamisch entwickelt“, berichtete Stefan Tritschler, einer der Hauptautoren der Studie, den Regionalräten.

Deshalb haben die Planer die Untersuchung mit den Unterpunkten „15-Minuten-Takt in den Außenbereichen“, „Schusterbahn“ und „Kapazitätssteigerungen“ nochmals fortgeschrieben. So wurden nun zusätzliche Angebotserweiterungen und das in der Zwischenzeit von der Bundesregierung verabschiedete Klimapaket berücksichtigt, wie Tritschler erläuterte.

Die Machbarkeitsstudie beleuchtet unter anderem die Einführung des 15-Minuten-Takts auf dem knapp 14 Kilometer langen Abschnitt der S-Bahn-Linie 4 zwischen Marbach und Backnang. Nachdem die Planer anfangs zehn verschiedene Ausbauvarianten untersucht hatten, werden in der Studie jetzt nur noch die vier aussichtsreichsten Optionen dargestellt. Sie erfordern allerdings ausnahmslos massive Investitionen in die Infrastruktur.

Jede Variante macht die stellenweise Erweiterung der fast ausschließlich einspurigen Trasse auf zwei Gleise erforderlich. Zudem müssten jeweils ein oder zwei zusätzliche S-Bahn-Züge angeschafft werden, um den erwarteten Mehrbedarf von über 200 000 Zugkilometern abwickeln zu können. Die Kostenschätzungen reichen von 61 bis 88 Millionen Euro, in der günstigsten Variante gehen die Planer von 5100 zusätzlichen Fahrgästen am Tag aus.

Dass die S-Bahn künftig häufiger zwischen Marbach und Backnang pendelt, ist zumindest mittelfristig aber unwahrscheinlich. Aufgrund des Mischverkehrs von Personen- und Güterzügen sowie der teils ungünstigen Kreuzungsstellen auf der Strecke fielen die notwendigen Investitionskosten bei allen Varianten sehr hoch aus, ist in der Machbarkeitsstudie zu lesen. Bei einer Umsetzung gehen die Planer zwar von „Verlagerungswirkungen“ auf die Schiene aus. Doch „diese erscheinen nicht umfangreich genug, um die hohen Investitionskosten zu rechtfertigen“, heißt es weiter. Eine Ausweitung des 15-Minuten-Takts zwischen Marbach und Backnang sollte daher „zunächst zurückgestellt werden“, so die Empfehlung.

Diese Einschätzung entspricht der bereits im Mai dargestellten Sachlage, mit der sich damals eine Mehrheit der Regionalräte anfreunden konnte. Nach dem Sachvortrag von Planer Tritschler äußerte denn auch keiner der Kommunalpolitiker Kritik an der ablehnenden Haltung zu einer dichteren Taktung zwischen Marbach und Murr. Eine Beschlussfassung stand ohnehin nicht auf der Tagesordnung, der Verkehrsausschuss nahm lediglich Notiz von der weiterentwickelten Machbarkeitsstudie. Da nicht an Lob für die über 170 Seiten dicke Analyse gespart wurde, darf aber stillschweigende Zustimmung zu diesem Punkt vorausgesetzt werden.

Gänzlich ausschließen wollen die Planer eine Taktverdichtung aber nicht. Sie empfehlen den Regionalräten, die Entwicklung der Hohenlohebahn zwischen Schwäbisch Hall und Heilbronn zu beobachten. Diese zweigleisige Strecke ist nur schwach ausgelastet, in einem Teilabschnitt zwischen Schwäbisch Hall und Öhringen jedoch nicht elektrifiziert. Allerdings ist diese Passage in das Elektrifizierungskonzept des Landes Baden-Württemberg aufgenommen worden, das bis 2025 abgeschlossen werden soll.

Ab diesem Zeitpunkt ließe sich der Güterverkehr zwischen Marbach und Backnang über diese Verbindung weiträumig umleiten, so dass sich der Ausbau für den 15-Minuten-Takt auf der S 4-Trasse laut Machbarkeitsstudie „deutlich vereinfachen“ würde.

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