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Corona

Entsorgung von Coronatests - Stäbchen kommen in den Restmüll

Mal kurz zum Italiener, ins Fitnessstudio oder zum Friseur? Wer nicht vollständig geimpft oder von einer Covid-19-Erkrankung genesen ist, benötigt dafür ein negatives Ergebnis eines Corona-Schnelltests. Die dabei anfallende Müllmenge ist immens. Doch wie werden Teststäbchen, Pipetten und Röhrchen ordentlich entsorgt? Die Antwort ist einfach: im Restmüll.

Mitarbeiterin Julia Stützle von der Palm‘schen Apotheke am Rathaus in Freiberg zeigt die Mediboxen, in denen die gebrauchten Schnelltests entsorgt werden. Foto: Andreas Becker
Mitarbeiterin Julia Stützle von der Palm‘schen Apotheke am Rathaus in Freiberg zeigt die Mediboxen, in denen die gebrauchten Schnelltests entsorgt werden. Foto: Andreas Becker

Kreis Ludwigsburg. Wenn wieder alle Schüler der Oscar-Paret-Schule in Freiberg Präsenzunterricht genießen dürfen, steigt dort auch die Anzahl der Corona-Schnelltests an. Jeweils montags und mittwochs dürfen sich die Schüler und Lehrer die Wattestäbchen jn die Nase stecken. Pro Testtag fallen dabei bis zu 3000 Stäbchen an. Danach wickeln die Schüler es in ein Papierhandtuch ein und werfen es in einen extra bereitgestellten, reißfesten und verschließbaren Müllbeutel. Die Beutel aller Klassen werden in einen Müllcontainer geworfen, dessen Inhalt in den Restmüll wandert.

Wie das Landratsamt Ludwigsburg auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt, gibt es vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit genaue Vorgaben für die Entsorgung. Dabei werden Abfälle von Schnelltests gleich bewertet wie diejenigen, die bei Impfungen entstehen. Demnach ist sicherzustellen, dass der Müll in zwei ineinander gestellten reißfesten, feuchtigkeitsbeständigen und dichten Behältnissen wie festen Müllsäcken gesammelt wird. Der Unrat muss weitgehend frei von Flüssigkeiten sein und gegebenenfalls mit saugfähigem Material wie Zellstoff oder Papier versehen werden.

Außerdem müssen die Abfälle auf direktem Weg einer Abfallverbrennungsanlage zugeführt werden. Laut Mitteilung der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (Laga) handelt es sich bei den Teststäbchen um Abfälle mit sehr geringen Virusmengen. Dies liege daran, dass nur wenige Tests ein positives Ergebnis lieferten. Im Testkit finde keine Vermehrung der Viren statt. „Es geht daher von den als Abfall anfallenden gebrauchten Testkits kein Risiko aus, das einen besonderen Umgang mit diesen Abfällen im Vergleich zu anderen nicht gefährlichen medizinischen Abfällen erfordert, teilt die Laga mit.

Zu diesen Abfällen wird laut Landratsamt Ludwigsburg jegliches Material gezählt, das im Zusammenhang mit den Corona-Schnelltesten entsteht: Neben den Teststäbchen gehören auch die Fläschchen mit der Pufferlösung und die Testkassette sowie die Schutzausrüstung wie Handschuhe, Kittel, FFP2-Maske und Desinfektionsmitteltücher dazu. Weil sich auch andere Stoffe als Plastik in den Testkits befinden, müssen sie über den Restmüll entsorgt werden. Der Restmüll wird schließlich verbrannt. „In der Müllverbrennungsanlage werden die Viren in infektiösem Abfall ebenfalls verbrannt und somit unschädlich gemacht“, teilt das Landratsamt auf Anfrage mit.

Wie Kerstin Wulle, Hausdirektorin des Karl-Ehmer-Stifts in Ingersheim, im Gespräch mit unserer Zeitung sagt, ist die Anzahl der Tests im Haus deutlich zurückgegangen. „In Hochzeiten hatten wir 50 Tests pro Tag, jetzt sind es noch 15 bis 20“, sagt sie. Die Vorgaben, wie nach den Schnelltests mit den Abfällen umzugehen ist, kamen vom Träger, der Evangelischen Heimstiftung. Demnach landen die gebrauchten Testkits in Boxen, in denen auch die Kanülen entsorgt werden. Stäbchen mit positivem Ergebnis werden vorher in einen luftdicht verschließbaren Müllsack gegeben. Die verschlossenen Boxen kommen in den Restmüll.

Auch in den RKH-Kliniken landen die Corona-Schnelltests und das zugehörige Material im Restmüll, wie Dorothee Hüppauf, Referentin der Geschäftsführung, mitteilt. Dabei sei es unerheblich, ob die Tests positiv oder negativ waren, da die Menge der Probe sehr gering sei und eine entsprechend niedrige Viruslast habe. Die Entsorgung erfolge in Schutzausrüstung. Auch in den Kliniken werden die Tests in reißfesten, feuchtigkeitsbeständigen und dichten Behältnissen entsorgt.

Viel Erfahrung im Umgang mit Unrat, der bei Corona-Schnelltests entsteht, hat Jan Siegel, der nicht nur die Palm’sche Apotheke am Rathaus in Freiberg, sondern gemeinsam mit weiteren Unterstützern zehn Testzentren im Landkreis betreibt. „Das Müllaufkommen hängt von der Größe des Testzentrums ab“, sagt Siegel. Der Müll werde in potenziell kontaminiertes Material wie Teststäbchen, Tests und Testflüssigkeit sowie in Restmüll wie Verpackungsmaterial getrennt. In der Apotheke selbst fallen ausschließlich Kartons an. Beim potenziell kontaminierten Material kommen laut Siegel alleine in Freiberg pro Tag rund fünf bis zehn Liter zusammen. „Das passt in eine einzelne Medibox“, sagt Siegel. Dabei handele es sich um einen speziellen Behälter, der sich dicht verschließen und anschließend nicht mehr öffnen lässt. Die Teststäbchen werden laut Siegel unmittelbar nach dem Test und die Testkits direkt nach der Auswertung in die Medibox gelegt. „Da unmittelbar nach dem Test noch nicht klar ist, ob ein positives Ergebnis vorliegen wird, muss jedes benutzte Teststäbchen erst einmal als potenziell kontaminiert angesehen und direkt in die Medibox entsorgt werden“, erklärt der Apotheker. Bei der Arbeit damit seien deshalb durchgehend Schutzhandschuhe zu tragen und auf regelmäßige Händedesinfektion zu achten.

Übrigens: Schnelltests, die in Privathaushalten gemacht werden, sollen laut Landratsamt Ludwigsburg in einem reißfesten, verschlossenen Müllbeutel über den Restmüll entsorgt werden.

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