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75 Jahre nach Kriegsende

Erinnerung an die zivilen Opfer

Auf dem alten Friedhof von Bissingen ist ein Gräberfeld erhalten - Schlimmer Zwischenfall in Kleinsachsenheim

Auf dem alten Friedhof von Bissingen gibt es noch ein Gräberfeld der zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs. Der knapp dreijährige Klaus Deisser – hier zu sehen mit seiner Seifenkiste – war das jüngste Opfer des Kriegs in Bissingen.Fotos: Alfred Drosse
Auf dem alten Friedhof von Bissingen gibt es noch ein Gräberfeld der zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs. Der knapp dreijährige Klaus Deisser – hier zu sehen mit seiner Seifenkiste – war das jüngste Opfer des Kriegs in Bissingen. Foto: Alfred Drossel/privat
Auf dem alten Friedhof von Bissingen gibt es noch ein Gräberfeld der zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs. Der knapp dreijährige Klaus Deisser – hier zu sehen mit seiner Seifenkiste – war das jüngste Opfer des Kriegs in Bissingen.Fotos: Alfred Drosse
Auf dem alten Friedhof von Bissingen gibt es noch ein Gräberfeld der zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs. Der knapp dreijährige Klaus Deisser – hier zu sehen mit seiner Seifenkiste – war das jüngste Opfer des Kriegs in Bissingen. Foto: Alfred Drossel/privat
Auf dem alten Friedhof von Bissingen gibt es noch ein Gräberfeld der zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs. Der knapp dreijährige Klaus Deisser – hier zu sehen mit seiner Seifenkiste – war das jüngste Opfer des Kriegs in Bissingen.Fotos: Alfred Drosse
Auf dem alten Friedhof von Bissingen gibt es noch ein Gräberfeld der zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs. Der knapp dreijährige Klaus Deisser – hier zu sehen mit seiner Seifenkiste – war das jüngste Opfer des Kriegs in Bissingen. Foto: Alfred Drossel/privat
Auf dem alten Friedhof von Bissingen gibt es noch ein Gräberfeld der zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs. Der knapp dreijährige Klaus Deisser – hier zu sehen mit seiner Seifenkiste – war das jüngste Opfer des Kriegs in Bissingen.Fotos: Alfred Drosse
Auf dem alten Friedhof von Bissingen gibt es noch ein Gräberfeld der zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs. Der knapp dreijährige Klaus Deisser – hier zu sehen mit seiner Seifenkiste – war das jüngste Opfer des Kriegs in Bissingen. Foto: Alfred Drossel/privat
Auf dem alten Friedhof von Bissingen gibt es noch ein Gräberfeld der zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs. Der knapp dreijährige Klaus Deisser – hier zu sehen mit seiner Seifenkiste – war das jüngste Opfer des Kriegs in Bissingen.Fotos: Alfred Drosse
Auf dem alten Friedhof von Bissingen gibt es noch ein Gräberfeld der zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs. Der knapp dreijährige Klaus Deisser – hier zu sehen mit seiner Seifenkiste – war das jüngste Opfer des Kriegs in Bissingen. Foto: Alfred Drossel/privat

bietigheim-Bissingen. Vor 75 Jahren, zwischen dem 8. und 15 April 1945, lag die Front bei Bissingen. 29 Frauen, Männer und Kinder starben bei Fliegerangriffen und dem Beschuss durch die herannahenden französischen Truppen. Auf dem alten Friedhof von Bissingen blieb ein Gräberfeld erhalten, das auch 75 Jahre nach den Ereignissen an die Opfer in den letzten Kriegstagen erinnert.

Dass diese Opfer nicht in Vergessenheit geraten, ist in erster Linie Bissinger Realschülern zu verdanken, die mit ihrem Projekt „Spurensuche“ den Namen auf den Grabplatten ein Gesicht gaben. Rund 300 Schüler der jeweiligen Abschlussklassen haben sich über zehn Jahre hinweg unter Leitung ihres Lehres Eugen Marx am Projekt beteiligt.

Von 2004 bis 2013 lief dieses Projekt an der Bissinger Realschule parallel zum Geschichtsunterricht. Am Anfang waren es nur 352 Namen von Opfern beider Weltkriege an der Front und von zivilen Opfern in der Heimat auf Steintafeln. Nach Abschluss des Projektes lagen 352 Lebensgeschichten vor.

Eine davon ist die von Klaus Deisser, dem mit knapp drei Jahren jüngsten Kriegsopfer von Bissingen. Der Realschüler Fabrizio Anzallo hat sie recherchiert. Klaus Deisser starb am 19. Februar 1945 bei einem plötzlichen Luftangriff englischer Flieger. Es gab vorher keinen Fliegeralarm. Klaus Deisser spielte auf der Straße vor dem Elternhaus in der heutigen Kernerstraße auf der Parzelle, als englische Flugzeuge Bomben abwarfen. Ein Bombensplitter traf ihn. Er war sofort tot. Das Wohnhaus der Eltern wurde so schwer beschädigt, dass es nicht mehr bewohnbar war. Der Vater, Eugen Gottlob Deisser, die Mutter Emma und die ein halbes Jahr alte Schwester Roswitha kamen bei Verwandten in Bietigheim unter.

Das beschädigte Haus wurde von russischen Zwangsarbeitern ohne Wissen der Familie bewohnt. Sie hatten die wenigen Wertsachen der Familie Deisser vor Diebstahl in leeren Mostfässern im Kelter versteckt. Die Mutter von Klaus Deisser hat den Tod ihres Sohnes nicht verwinden können; sie kränkelte und war immer wieder depressiv.

Zwei Kinder, die sechsjährige Marie Luise und ihr ein Jahr jüngerer Bruder Volker Klein haben in der Bissinger Brückenstraße gespielt, als sie von einer Granate getroffen wurden, die französische Truppen von der anderen Seite der Enz aus abgefeuert haben. Wie die Schülerin Natascha Dick recherchiert hat, wurden die Kinder schwer verletzt ins Ludwigsburger Krankenhaus gebracht. Dort starben sie noch am selben Tag. Ebenfalls am 11. April 1945 wurde der damals 60-jährige Albert Beck, wie noch andere Zivilisten, von Kugeln getroffen und getötet.

Der 1960 verstorbene Wilhelm Melchinger hat die Ereignisse der letzten Kriegstage geschildert: „Von 8. bis 15. April tobte der Kampf direkt um Bissingen. Der Gegner kam von Vaihingen her über Großsachsenheim und bezog mit Panzern, Artillerie und Granatwerfern den Höhenrücken über den Weinbergen. Unsere Truppen besetzten die Militärbunker der Neckar-Enz-Stellung, verlegten Mienen in den Enzwiesen und hoben Schützengräben aus. In der Nacht vom 13. auf den 14. April wurde Bissingen regelrecht bombardiert.“

Ein besonders schlimmer Zwischenfall ereignete sich am 12. April 1945 kurz vor Kleinsachsenheim. Französische Truppen hatten 350 Bietigheimer Männer und Jungen dorthin gebracht, weil in der Stadt zuvor Schüsse auf französische Soldaten gefallen waren. Die auf dem Hohenasperg stationierten deutschen Artilleriebeobachter meldeten den Zug der Bietigheimer Männer als eine „Truppenbewegung“ und ließen ihn unter Beschuss nehmen. Bei diesem Vorfall starben 40 Zivilisten und mindestens sieben französische Soldaten. Die Frage, ob der Feuerbefehl auf die Bietigheimer Bürger absichtlich oder aus einem Irrtum heraus gegeben wurde, ist nicht geklärt und wird in der Bevölkerung noch heute kontrovers diskutiert. Gemessen an den Opferzahlen war dies der blutigste Vorfall in Bietigheim während des gesamten Kriegs.

Die Verwundeten fanden Aufnahme in Kleinsachsenheimer Familien, bis sie zu ihren Familien in Bietigheim zurückkehren konnten. Für Bietigheim und Sachsenheim gilt dieser Tag seither als Gedenktag, an dem bürgerschaftlicher Gemeinsinn und Solidarität großgeschrieben wurden. Die Stadt Bietigheim-Bissingen lässt seither das Ehrenmal für die Gefallenen auf dem Friedhof Kleinsachsenheim mit einem Kranz schmücken.

Am 20. April rückten französische Kolonialtruppen, Tunesier und Marokkaner, in Bissingen ein. US-Truppen waren bis zur Murr vorgerückt. Bereits am Tag zuvor hatten französische Verbände Hochdorf genommen und Stuttgart erreicht. Um einer Umfassung zu entgehen, räumten die deutschen Verteidiger Bietigheim in der Nacht auf den 20. April.

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