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Bürgermeisterwahl

Erste Kandidaten sind in den Startlöchern

Rudolf Kürner, einer der dienstältesten Bürgermeister im Kreis, räumt im nächsten Jahr seinen Platz im Markgröninger Rathaus. Das Rennen um seine Nachfolge hat bereits Fahrt aufgenommen.

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Foto: Alfred Drossel, Benjamin Stollenberg (Archiv), privat (2)

Markgröningen. Am Dienstagabend hat der Markgröninger Gemeinderat den Beginn der Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterwahl bestimmt: Ab dem 19. November können Interessenten ihre Unterlagen im Rathaus einreichen, sie bekommen dafür bis Ende Januar Zeit. Die ersten Kandidaten um die Nachfolge des Bürgermeisters Rudolf Kürner, der nach 32 Jahren im Amt in den Ruhestand gehen wird, stehen allerdings schon in den Startlöchern. Bereits jetzt kommt es dabei zu pikanten Positionskämpfen.

Für den Fraktionschef der Grün-Alternativen Liste (GAL), Matthias Röttgermann, ist „jetzt die Gelegenheit“ gekommen, um zum Sprung an die Verwaltungsspitze anzusetzen – und grüne Themen in Markgröningen voranzubringen. Der promovierte Biologe, der sich als Teamleiter bei Bosch in Feuerbach mit automatisiertem Fahren beschäftigt, denkt dabei an Klimaschutz und die Mobilitätswende. „Energisch“ will er dafür eintreten, dass die Markgröninger Bahn nach Ludwigsburg schneller reaktiviert wird. Derzeit geht das Landratsamt vom Jahr 2028 aus.

Bei Bosch bewegt Röttgermann, 53, der verheiratet ist und einen Sohn hat, nach eigenen Angaben Projekte, die an ein Fünftel des Budgets der Stadt heranreichen. Die Entscheidung, im kommenden Jahr Kürners Erbe in Markgröningen anzutreten, sei schon vor einiger Zeit gereift. „Ich will das Potenzial unserer Stadt ausschöpfen, jetzt wo das Feld neu bestellt wird“, sagt Röttgermann unserer Zeitung. Der passionierte Radfahrer, der bei Stadtradel-Aktionen stets mit die meisten Kilometer herunterspult, führt aktuell die GAL-Ratsfraktion mit Katja Drobac-Liebmann an. Den Posten hatte er einst von seinem Kollegen Arndt Zwicker übernommen – auf den er nun im Wahlkampf treffen wird.

Denn auch der Ratsherr Zwicker will nach Informationen unserer Zeitung Bürgermeister in Markgröningen werden. Auf Anfrage verweist Zwicker zwar auf die Bewerbungsfrist, die erst im November anläuft. Allerdings scheint die Entscheidung grundsätzlich gefallen zu sein. „Natürlich gab es in unserer Fraktion intern Diskussionen“, sagt Röttgermann über die Ambitionen seines Kollegen. „Wir haben offen darüber gesprochen.“ Die Hoffnung der GAL: Dass beide Kandidaten zusammen mehr Stimmen bekommen als die Mitbewerber. Wer dann in eine Stichwahl einziehe, müsse die Bürgerschaft entscheiden. Der Mittfünfziger Zwicker sitzt seit 2014 im Markgröninger Gemeinderat. Er arbeitet als Servicetechniker für Fräsmaschinen, ist verheiratet und hat drei Töchter.

Teil des Kandidatenfeldes will zudem Stephan Reh, 51, der Chef des Elternbeirates der Landern-Grundschule, werden. Er lebt seit fünf Jahren in Markgröningen und hat längere Betreuungszeiten in den Kindergärten, sichere Schulwege, eine bessere Anbindung an die Schiene und eine Lösung der städtischen Verkehrsprobleme auf seine Agenda gesetzt. Die Rolle des Bürgermeisters sieht Reh als Motivator, Ideengeber und Treiber. „Als Betriebswirt kann ich auch mit Zahlen umgehen“, sagt er unserer Zeitung – nicht die schlechteste Voraussetzung angesichts des hohen Schuldenberges, der Markgröningen plagt.

Reh, verheiratet, drei Kinder, war lange selbstständig und hat in Stuttgart den Fuhrpark eines mittelständischen Unternehmens gemanagt. Einem größeren Personenkreis dürfte auch seine Frau Anja Reh bekannt sein. Sie leitete bis vor Kurzem die Ikea-Filiale in Ludwigsburg, ehe sie in die Zentrale des Einrichtungshauses in Wallau im Taunus wechselte.

Die Spannung in Markgröningen scheint jedenfalls zu steigen. „Die Bevölkerung ist stark an der Bürgermeisterwahl interessiert“, sagte der Fraktionschef der Freien Wähler, Matthias Reutter, am Dienstagabend im Gemeinderat. Zu erwarten ist, dass das Teilnehmerfeld noch anwächst und auch auswärtige Kandidaten versuchen werden, das Markgröninger Rathaus zu erobern. Immer wieder haben Bürgermeisterwahlen in der Vergangenheit gezeigt, dass Propheten im eigenen Land nicht viel wert sind. In Gerlingen etwa scheiterte die Beigeordnete Martina Koch-Haßdenteufel deutlich. Aber es gibt auch Gegenbeispiele: In Gemmrigheim holte sich der Ratsherr Jörg Frauhammer den Wahlsieg.

Zurück nach Markgröningen. Beständig kursiert in der Stadt auch der Name des SPD-Fraktionschefs Pedro Fernandes als Kürner-Nachfolger. Fernandes ist bereits ehrenamtlich als Bürgermeister-Stellvertreter unterwegs. Über seine Ambitionen will er sich gegenüber unserer Zeitung noch nicht äußern. Klar ist, dass sein Name auf der Liste des Gemeindewahlausschusses fehlt, der den Urnengang organisiert. Als Kandidat käme Fernandes so schon einmal infrage.

Info: Die Bürgermeisterwahl in Markgröningen findet am 20. Februar statt. Sollte keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreichen, kommt es am 13. März zu einem zweiten Wahlgang.

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