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Ausbildungsplatzbörse

Erster Schritt in Richtung Beruf

Im Ludwigsburger Kulturzentrum treffen angehende Azubis auf Arbeitgeber – Agentur: Noch gute Chancen für Bewerber

Berufliche Kontaktbörse: Im Ludwigsburger Kulturzentrum unterhalten sich Messebesucher mit Arbeitgebern. Foto: Holm Wolschendorf
Berufliche Kontaktbörse: Im Ludwigsburger Kulturzentrum unterhalten sich Messebesucher mit Arbeitgebern. Foto: Holm Wolschendorf
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Ludwigsburg. Zwölf Jahre lang war der Vater von Nicolas Auer Küchenchef im Adler, dem Asperger Hotel mit Sternerestaurant. Als der Papa 2004 dort aufhörte, war Nicolas vier Jahre alt. Jetzt, als junger Erwachsener, sitzt er dem früheren Arbeitgeber seines Vaters gegenüber – Christian Ottenbacher, der das Asperger Familienunternehmen in vierter Generation führt. Der Adler-Besitzer ist einer von etwa 30 Arbeitgebern, die sich bei der Ausbildungsplatzbörse im Kulturzentrum jungen Leuten präsentieren – angehenden Azubis, die jetzt, wenige Wochen vor Ausbildungsstart im September, noch keine Lehrstelle gefunden haben. Das Motto der Veranstaltung lautet folglich „’S pressiert“.

Auch Melanie Julich ist auf der Suche – ihr Freund, Nicolas Auer, hat sie animiert, sich beim ehemaligen Chef seines Vaters zu informieren. Also sitzt auch die 19-Jährige jetzt Ottenbacher gegenüber und redet mit ihm über die Arbeit in Hotellerie und Gastronomie. Man müsse in dieser Branche flexibel und bereit sein, auch an Wochenenden, Feiertagen und abends zu arbeiten, erklärt der 54-Jährige der Möglingerin. Er schlägt ihr vor, ihm ihre Unterlagen zu schicken und ein Schnupperpraktikum in seinem Haus zu absolvieren. Nach dem Gespräch sagt Julich: „Das hat sich alles gut angehört.“

Die Messe wird zum dritten Mal veranstaltet, auch Ottenbacher ist zum dritten Mal dabei. Bei der Premiere 2017 lernte er drei junge Leute kennen, die so gut in sein Haus passten, dass sie im Adler eine Lehre begannen – und nun, in etwa zwei Wochen, ihren Abschluss machen. „Betriebe müssen heute aktiv nach Auszubildenden suchen“, etwa Schulen oder Messen wie diese besuchen, betont der Familienunternehmer.

Er und andere Arbeitgeber stellen sich an diesem Tag in zwei Hallen des Kulturzentrums vor. An den Tischen sitzen Abgesandte aus mehreren Berufssparten – Büro und Verwaltung, IT, Handel, Handwerk, Pflege und Gesundheit, Logistik, Hotel- und Gaststätten, Industrie und produzierendes Gewerbe. Die Chancen, auch jetzt noch einen Ausbildungsplatz zu ergattern, stünden gut, sagt Simone Lenz von der Arbeitsagentur (siehe Artikel rechts). Dennoch sollten sich Bewerber aber immer auch Gedanken über Alternativen zum Wunschberuf machen.

Alternativen gibt es genug – bei der Messe sind auf Pinnwänden offene Stellen nach Ausbildungsberufen aufgelistet. Bei den Gerüstbauern etwa sind es drei, bei Verkäufern 53, bei Maurern zwölf Stellen. Weitere Beispiele sind Altenpfleger (18 offene Stellen), Friseure (11), Finanzassistenten (9), Buchhändler (1), Berufskraftfahrer (26), Polsterer (2), Winzer (2), Zimmerer (10) und Bäcker (20).

„Wichtig ist, dass Bewerber auf niederschwelligem Weg und unkompliziert mit Arbeitgebern zusammenkommen“, sagt Johannes Seiler über die Messe – Seiler und Lenz sind Teamleiter des Arbeitgeberservices der Ludwigsburger Arbeitsagentur. Deren Leiter Martin Scheel betont, dass Jugendliche ohne großen Aufwand und „jenseits von Bewerbungsschreiben und Auswahlverfahren“ mit Arbeitgebern aus verschiedenen Branchen ins Gespräch kommen können. Mit der Messe „wollen wir dazu beitragen, dass die Jugendlichen und die Betriebe mit einer klaren Perspektive in die Ferienzeit gehen“.

Vor Ort ist auch Christian Zillmann von der Firmenberatung des Jobcenters Landkreis Ludwigsburg. Er sagt, dass Messebesucher und Arbeitgeber auf verschiedenen Ebenen zusammenkommen – Praktika würden vermittelt, Vorstellungsgespräche vereinbart. So wie bei Bryan aus Gerlingen (er will nur seinen Vornamen nennen) – nächste Woche hat der 20-Jährige, der seit einem halben Jahr eine Lehrstelle sucht, dank der Messe ein Bewerbungsgespräch beim Vaihinger Technologieunternehmen Krempel. Seine Mutter, die Bryan nach Ludwigsburg begleitet, freut sich sichtlich für ihn: „Er ist zuverlässig, freundlich und zeigt Engagement.“

Auch Arman Safizada (23) aus Tamm hat nach der Messe eine Zusage für ein Vorstellungsgespräch – von Corinna Schroth, stellvertretende Hauswirtschaftsleiterin im Robert-Breuning-Stift in Besigheim. Sie sagt: „Wenn er möchte, kann er ein Praktikum bei uns machen, um zu sehen, ob es auf beiden Seiten passt.“ Die Voraussetzungen sind gut: Der 23-Jährige würde gern als Hauswirtschafter in der Großküche arbeiten; im Iran, wo er aufwuchs, hat er bereits Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt.

Die Messebesucher können im Kulturzentrum auch ihre Bewerbungsmappen prüfen lassen – von Susanne Steinhart, Jutta Beinhofer und deren Kolleginnen. Sich zu wenig detailliert über Unternehmen zu informieren – das ist laut Steinhart ein häufiger Fehler von jugendlichen Bewerbern. Beinhofer nennt einen weiteren: „Oft wird zu wenig Bezug zwischen der eigenen Eignung und den Anforderungen des Berufs hergestellt.“

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