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gemeinsame gartenschau

Es geht um mindestens 15 Millionen

Bei einer Klausursitzung haben sich der Benninger und der Marbacher Gemeinderat am Montagabend mit der gemeinsamen Bewerbung für eine Gartenschau ab 2031 befasst. Nach vorläufiger Schätzung wird das Projekt mindestens 15 Millionen Euro kosten.

Heute: Der Blick über die sogenannte Neckarinsel Richtung Marbacher Altstadt.
Heute: Der Blick über die sogenannte Neckarinsel Richtung Marbacher Altstadt.
Zukunftsvision: So könnte der Bereich mit einer neuen Fußgängerbrücke für die Gartenschau gestaltet werden.Visualisierung: Planstatt Senner
Zukunftsvision: So könnte der Bereich mit einer neuen Fußgängerbrücke für die Gartenschau gestaltet werden.Visualisierung: Planstatt Senner

Marbach/Benningen. Die Gartenschau, die im Fall einer erfolgreichen Bewerbung 2031, 2033 oder 2035 stattfindet, wäre sowohl für Benninger als auch für Marbacher Verhältnisse ein Vorhaben von außergewöhnlichen Dimensionen. Immerhin hat der mit der Planung beauftragte Landschaftsarchitekt Johann Senner in einer Machbarkeitsstudie auf beiden Markungen eine Fläche von jeweils 20 Hektar ausgewiesen.

In Benningen sind als Kernzonen ein Römerpark, eine Wasserlandschaft am Kelterplatz sowie weitere Flächen in den Neckarauen vorgesehen, unter anderem ein Bürgerpark und ein renaturierter Bachlauf. In Marbach soll das Neckarufer neu gestaltet werden, auf der Schillerhöhe könnte ein Literaturpark entstehen.

Hinzu kommen „flankierende Maßnahmen“ und „Kohärenzprojekte“ wie die Einbindung des Marbacher Bahnhofs, ein Grüngürtel rund um die historische Altstadt oder ein Sportpark, der die Funktion einer Grünbrücke zwischen Schillerhöhe und Schulgelände hätte. Die Kernzonen sollen über einen neuen Steg für Radler und Fußgänger über den Neckar verbunden werden, die Neckarinsel zu einem Naturerlebnisraum werden.

Senner, der die aktuellen Entwürfe bei der Klausursitzung vorstellte, sieht riesiges Potenzial. In beiden Kommunen gebe es einen S-Bahn-Anschluss, Radwege und viele Parkplätze. Stellflächen werden auch erforderlich sein: Senner rechnet im Ausstellungsjahr mit 500 000 bis 600 000 Besuchern, bis zu 18 000 Gäste könnten es an Spitzentagen werden. Er hofft, dass möglichst viele Besucher mit dem öffentlichen Nahverkehr anreisen. Dennoch würden bis zu 3000 Parkplätze pro Tag benötigt.

Senner betonte, dass mit einer Gartenschau eine Aufwertung auch der freien Natur einhergehen müsse. Das sei ein wichtiges Kriterium bei der Bewilligung von Fördermitteln. Nicht das komplette Areal soll gestaltet werden, besonders geschützte Bereiche sich selbst überlassen bleiben. Der Landschaftsarchitekt erhofft sich zudem wichtige städtebauliche Impulse, etwa für den Benninger Kelterplatz. „Eine Gartenschau dient auch der nachhaltigen Stadtentwicklung.“

Die Aufwertung ist allerdings teuer. Eine Kostenschätzung liegt noch nicht vor. Nach Auswertung früherer Gartenschauen nannte der Planer aber eine vorläufige Investitionssumme von 15 bis 20 Millionen Euro. Bei einer erfolgreichen Bewerbung könnte etwa die Hälfte dieser Ausgaben bezuschusst werden, den Rest müssten die beiden Nachbarkommunen unter sich aufteilen. Hinzu kämen noch die Ausgaben für den Betrieb im Ausstellungsjahr, etwa für Veranstaltungen. Diese laufenden Kosten, auch das zeigten die Erfahrungen, könnten in aller Regel aber weitgehend durch Einnahmen gedeckt werden.

Noch ist vieles offen. Die Planung muss weiter ausgearbeitet werden, eine zentrale Rolle spielen dabei zwei Bürgerwerkstätten im Frühjahr. Beantwortet werden muss zum Beispiel die Frage, wie der Übergang vom Marbacher Neckarufer zu der deutlich höher gelegenen Kernstadt aussehen könnte. Denkbar sei auch eine Art Grünbrücke über die viel befahrene Ludwigsburger Straße, sagte Senner auf Nachfrage von CDU-Stadtrat Ulrich Frech.

Grünen-Stadtrat Sebastian Engelmann sah einen „Zielkonflikt“ bei dem vorgesehenen Grünring um die Altstadt, denn zumindest teilweise seien momentan noch Parkplätze statt Grünflächen in den Entwürfen verzeichnet. Was beim Thema Parkplätze machbar sei oder nicht, werde der Gemeinderat zu gegebener Zeit entscheiden, entgegnete der Marbacher Bürgermeister Jan Trost. Konsens sei aber, „dass wir nicht noch mehr Verkehr in die Altstadt ziehen wollen“.

Die Gartenschau biete die Möglichkeit, auf beiden Seiten des Neckars vieles zum Positiven zu bewegen, meinte Bürgermeister Trost.

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