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Gesundheit

Expertin: „Jede Impfung zählt“

Mit einem breiten Spektrum an Fragen zum Thema Impfen informierten sich am Mittwochabend die Anrufer bei einer Telefonaktion des Gesundheitsdezernats im Landkreis Ludwigsburg. Die Meinung der Mediziner am Expertentelefon war einhellig: Auch in Zeiten von Corona ist es wichtig, sich gegen schwere Krankheiten impfen zu lassen.

Kleiner Pikser, große Wirkung: Durch Impfungen können schwere Krankheiten vermieden werden. Foto: Goffkein/stock.adobe.com
Kleiner Pikser, große Wirkung: Durch Impfungen können schwere Krankheiten vermieden werden. Foto: Goffkein/stock.adobe.com

Kreis Ludwigsburg. Dr. Uschi Traub, Fachärztin für öffentliches Gesundheitswesen und Leiterin des Fachbereichs Gesundheitsförderung beim Landratsamt Ludwigsburg, war bei der zweistündigen Aktion sehr gefragt. Von A wie Auslandsreisen bis Z wie Zeckenimpfung gab es reichlich Bedarf an Informationen.

„Ist es ratsam, sich gegen Gürtelrose impfen zu lassen, wenn man schon die Windpocken hatte?“, wollte ein älterer Herr wissen. Die Antwort von Uschi Traub war eindeutig: „Es ist wichtig, sich impfen zu lassen, da eine Gürtelrose sehr schmerzhaft sein kann.“ Die Viren würden sich auch nach überstandenen Windpocken im Körper einnisten und könnten Jahre später schmerzhaft aktiv werden.

Die besorgte Mutter einer 27-jährigen Erzieherin berichtete, dass ihre Tochter keinen Schutz gegen Mumps hätte, und wollte wissen, ob eine Impfung angezeigt sei. „In Gemeinschaftseinrichtungen sollte das Personal eine Kombinationsimpfung gegen Mumps und Masern haben – schließlich hat es eine erhöhte Verantwortung gegenüber den Kindern“, verdeutlichte Traub. Einen isolierten Impfstoff gegen Masern gebe es hierzulande derzeit nicht. Liegt eine Masernimpfung bereits vor, sei das kein Problem. „Man kann nicht überimpfen.“ Auch eine vorliegende Allergie gegen Hühnereiweiß sei kein Hindernis, weil die Menge an Eiweiß im Impfstoff zu gering sei.

Eine ältere Dame war verunsichert, weil sie von ihrem Arzt den Rat bekam, ihre Impfung gegen Diphtherie auffrischen zu lassen. „Die Infektionszahlen sind im Moment nicht sehr hoch“, sagte Traub, „dennoch empfehle ich, die Impfung mit einem Kombiwirkstoff, der auch vor Tetanus und Keuchhusten schützt, alle zehn Jahre aufzufrischen.“ Weil sie kürzlich nach der Arbeit eine Zecke am Körper entdeckte, wünschte sich die Dame auch eine Info zur entsprechenden Impfung. Eine solche könne nur etwas gegen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) bewirken. Gegen Borreliose habe sie keinen Effekt. In Baden-Württemberg gebe es eine Allgemeinempfehlung für eine FSME-Impfung; bei Kindern rate sie zu einem Schutz ab drei Jahren.

Ein 74-Jähriger berichtete, dass er vor 20 Jahren Prostatakrebs hatte und seine Pneumokokkenimpfung zehn Jahre zurückliegt. Bei Vorerkrankungen sei die Immunabwehr ebenso reduziert wie bei Erwachsenen ab 60 Jahren, so Traub. Deshalb rate sie zum Schutz, den man alle sechs Jahre auffrischen sollte. „Jede Impfung zählt, deshalb sollten Sie die nachholen.“

Eine Frau hat für den November eine Fernreise nach Tansania gebucht und erkundigte sich nach den notwendigen Impfungen. Damit bis Reiseantritt Antikörper gebildet sind, sollte die Impfung zwei Wochen vorher erfolgen, meinte Traub. Ein Schutz gegen Hepatitis A sei ratsam. Und weil es danach noch nach Sansibar gehe, sei auch eine Gelbfieberimpfung angesagt. Auf die Nebenwirkungen angesprochen, sagte Uschi Traub, dass der Arm schon mal dick und rot werden kann. Auch sei es möglich, sich nach der Impfung schlapp zu fühlen. „Es kann aber gut sein, dass neun von 10 Menschen gar nichts spüren“, sagte die Expertin.

Eine Hepatitis-Impfung sei generell zu empfehlen, auch wenn das Reiseziel in Europa, zum Beispiel am Mittelmeer, liegt. Die erste Impfung erfolge vor der Reise, die zweite nach sechs Monaten. „Die Impfabstände darf man nicht unterschreiten“, warnte Traub. Eine Gelbfieberimpfung biete im Übrigen bis zu 40 Jahre Schutz. Wer öfters eine Fernreise antritt, sei zudem mit einer Tollwutimpfung gut beraten, so zum Beispiel in der Mongolei. Auch nach diesem Land hat sich die Anruferin erkundigt.

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