Logo

Serie: neue Bundestagsabgeordnete

Fabian Gramlings erste Tage im Bundestag: „Das Haifischbecken ist größer“

Der erste Tag von Fabian Gramling im Bundestag hätte nicht turbulenter sein können. Denn auf der Tagesordnung des frischgebackenen Abgeordneten aus Neckar-Zaber stand am Dienstag gleich eine Richtungsentscheidung über die Zukunft der Union und von Kanzlerkandidat Armin Laschet.

Foto mit der Kanzlerin: Bei der konstituierenden Sitzung der Unionsfraktion traf Fabian Gramling auf Angela Merkel. Foto: privat
Foto mit der Kanzlerin: Bei der konstituierenden Sitzung der Unionsfraktion traf Fabian Gramling auf Angela Merkel. Foto: privat

Kreis Ludwigsburg. „Den Tag ereignisreich zu nennen, wäre untertrieben“, bilanziert der 34-jährige Bietigheimer, als er am Abend in einem Berliner Hotel sitzt und seinen ersten Tag als Bundestagsabgeordneter Revue passieren lässt. „Es jagte eine Sitzung die nächste“, erzählt Gramling. Das Tempo sei schon deutlich höher als im Stuttgarter Landtag. Außerdem: „Das Haifischbecken ist größer und die Haie auch.“

Das konnte er schon am Abend erleben, als die Unionsfraktion sich zur konstituierenden Sitzung traf, um ihren Vorsitzenden zu wählen. „Ich habe für Ralph Brinkhaus votiert“, gibt er unumwunden preis. Denn er stehe hinter dem Kompromiss der Parteispitze von CDU und CDU, dass Brinkhaus zunächst bis April an der Spitze der Unionsfraktion steht. Dafür hatten sich 164 Fraktionsmitglieder ausgesprochen, 29 votierten dagegen.

Damit sei aber noch keine endgültige Entscheidung für die Zukunft gefallen. „Wenn es nicht klappt, eine CDU-geführte Regierung zu schmieden, dann ist der Fraktionsvorsitzende der wichtigste Kopf und Repräsentant der Union nach außen“, so Gramling. Das müsse dann derjenige sein, der für die neue Union stehe. Gramling kann sich vorstellen, dass Gesundheitsminister Jens Spahn hierfür infrage komme. „Er wäre für mich dann erste Wahl.“ Allerdings glaubt der 34-jährige Bietigheimer weiterhin, dass eine Jamaika-Koalition „möglich ist“. „Die kommt nur mit Armin Laschet zustande“, so Gramling, der auf die guten Kontakte des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten zu FDP-Chef Christian Lindner verweist. Tatsächlich hat gestern FDP-Generalsekretär Volker Wissing betont, dass Jamaika die bevorzugte Regierungsoption der Liberalen sei.

Söder legt Finger in die Wunde

Die Gerüchte, dass CSU-Chef Markus Söder federführend eine Jamaika-Koalition verhandeln und dann als Kanzler anführen könnte, hält Gramling für „wenig glaubhaft“. Söder habe in der Fraktionssitzung den „Finger in die Wunde gelegt“. Als der bayerische Ministerpräsident das Wort ergriffen habe, seien „nicht alle entspannt gewesen“. „Aber es war kein Frontalangriff auf Laschet“, ordnet Gramling den Auftritt des CSU-Vorsitzenden ein. Das hätten dann andere getan. Etwa die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Gitta Connemann (57), die Laschets Rücktritt forderte. Aber auch andere altgediente CDU-Granden und amtierende Minister hätten das Wort ergriffen. „Bei der Aussprache ging es schon ans Eingemachte“, so Gramling. Er selbst habe sich zunächst aufs Zuhören beschränkt. „Als Neuling sollte man sich in einer solchen Situation etwas Zurückhaltung auferlegen.“

Schon davor hatte er schwierige Momente in der Sitzung der baden-württembergischen Landesgruppe erlebt. „Die Stimmung war gedrückt, auch weil einige dabei waren, die ihr Mandat verloren haben“, so Gramling. Dazu gehörte auch der Karlsruher CDU-Vertreter Ingo Wellenreuther, der das Direktmandat überraschend an die Grünen-Politikerin Zoe Mayer verloren hatte. Aber auch Stefan Kaufmann aus Stuttgart, der Cem Özdemir unterlegen war und nun nicht mehr dem Bundestag angehört. Dennoch habe es auch hier keine Abrechnung mit Laschet gegeben. „Das war keine Nacht der langen Messer“, so Gramling.

Für Gramling geht es jetzt zunächst darum, in Berlin richtig anzukommen. Sein Büro hat er schon bezogen. „Aber es steht noch nicht alles.“ Von seinem Vorgänger Eberhard Gienger hat er den Statthalter in seinem Wahlkreis übernommen. „Aber ansonsten bin ich dabei, ein junges und neues Team um mich zu scharen.“ Dieser Prozess sei noch nicht abgeschlossen. Auch ist noch nicht festgelegt, in welchen Ausschüssen er Mitglied werden wird. „Das kommt erst noch.“ Eine Wohnung in Berlin hat er auch noch nicht. „Aber ich möchte natürlich nicht auf Dauer in den Sitzungswochen im Hotel übernachten“, so Gramling, der vor Kurzem erst geheiratet hat. Einen besonderen Moment fürs persönliche Fotoalbum hatte er dann aber doch schon. Kurz vor der Fraktionssitzung ging er zu Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin posierte dann auch bereitwillig für ein Erinnerungsfoto.

Info: Fabian Gramling ist einer von drei Neulingen im Bundestag aus dem Kreis Ludwigsburg. In einer kleinen Serie werden wir auch über die ersten Tage von Sandra Detzer (Grüne) und Macit Karaahmetoglu (SPD) in Berlin berichten.

Autor: