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Fahrer streiken und die Busse bleiben im Depot

Die meisten Linienbusse im Landkreis fuhren gestern nicht – Kundgebung von Verdi in Ludwigsburg mit rund 500 Busfahrern

Spillmann-Fahrmeister Thomas Makowiec war gestern Vormittag allein im Betriebshof. Seine fast 60 Kollegen sind zur Kundgebung mit der S-Bahn nach Ludwigsburg gefahren.Foto: Alfred Drossel
Spillmann-Fahrmeister Thomas Makowiec war gestern Vormittag allein im Betriebshof. Seine fast 60 Kollegen sind zur Kundgebung mit der S-Bahn nach Ludwigsburg gefahren. Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-bissingen. Schon zum zweiten Mal sind die Linienbusse im Zuge des aktuellen Arbeitskampfs gestern im Depot geblieben, weil ihre Fahrer streikten. Bei Spillmann in Bietigheim-Bissingen beteiligten sich rund 60 Beschäftigte. Fahrmeister Thomas Makowiec zeigt Verständnis für den Arbeitskampf.

„Die Arbeit von Busfahrern hat sich verdichtet, das heißt: Die Fahrzeiten sind knapper, der Verkehr ist dichter und die Ampelschaltungen furchtbarer geworden“, sagt Makowiec. Es sei fast nicht mehr möglich, einen Fahrplan einzuhalten. „Das ist für uns eine große Belastung. Wir machen die gleiche Arbeit wie die Kollegen im öffentlichen Dienst“, betont der Fahrmeister.

Deshalb müsse Ziel des Streiks sein, wenigstens annähernd an das Niveau der Löhne von den Kollegen im öffentlichen Dienst heranzukommen, meint Makowiec. Der Stundenlohn eines Busfahrers liege zwischen 16 und 17 Euro. Bei der Finanzierung des ÖPNV klaffe eine Finanzlücke, die von der Politik ausgeglichen werden müsse, sagt Makowiec. Die Leistungen auch der privaten Busfahrer seien es Wert, mehr Lohn zu bekommen.

Verdi fordert eine Erhöhung von 5,8 Prozent mit einer Laufzeit von einem Jahr. Laut Verdi sind von den Verhandlungen rund 9.000 Beschäftigte privater Busunternehmen betroffen. In Baden-Württemberg haben die meisten Kommunen private Firmen beauftragt.

Die Folgen des Streiks waren im ganzen Landkreis sichtbar. Im Strohgäu und Bottwartal, um Ludwigsburg und Kornwestheim sowie in Bietigheim-Bissingen und nördlich davon fuhr kaum ein Bus. Das war zwar angekündigt, doch manche Fahrgäste waren verärgert, wie Daniela Kuscu, weil sie zuvor vom Streik nichts gehört hatte, und umsonst am Bietigheimer Bahnhof steht. Jetzt hat sie ihre Freundin angerufen, damit sie weiterkommt. Die 68-jährige Elif ist aus Pforzheim mit dem Zug gekommen und steht am leeren Bussteig. Sie möchte weiter zu ihrem Sohn nach Freudental. Doch der arbeitet und kann sie nicht abholen. „Jetzt fahre ich wieder zurück nach Pforzheim“, sagt sie. Unterdessen sind die Taxis häufiger unterwegs als sonst. Taxifahrer Sinusa Sabljice glaubt, dass es durch den Busstreik etwa zehn Prozent mehr Fahrten gibt.

„Ohne ein deutlich verbessertes Angebot werden wir am Montag nicht vorankommen“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Andreas Schackert bei einer Kundgebung in Ludwigsburg. Dort hatten sich nach Gewerkschaftsangaben rund 500 Busfahrer aus drei Landkreisen zu einer Demo und einer Kundgebung auf dem Marktplatz versammelt. „Die Arbeitgeber sollten deshalb das Wochenende zum Nachdenken nutzen, damit wir endlich in ernsthafte Verhandlungen treten können“, so Schackert. Am Montag geht es in die dritte Verhandlungsrunde. „Die Botschaft aus ihren eigenen Betrieben war diese Woche eigentlich nicht zu überhören: Wir brauchen konkurrenzfähige Löhne.“

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