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KELTENAUSSTELLUNG

Feinschmecker und Biertrinker

Die Kelten galten antiken Geschichtsschreibern als trinkfeste Vielesser. Die Sommerausstellung „Zwischen Kesseln und Bratspießen – Ernährung bei den Kelten“ im Keltenmuseum Hochdorf zeichnet ein etwas anderes Bild.

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Museumsleiterin Simone Stork mit einem Trinkhorn.Fotos: Benjkamin Stollenberg
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Auch zahlreiche Gefäße, Geschirr und Besteck sind in der Ausstellung zu sehen.
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Auch zahlreiche Gefäße, Geschirr und Besteck sind in der Ausstellung zu sehen.

Eberdingen. Über 20 000 Besucher zieht es jedes Jahr ins Keltenmuseum von Hochdorf, das bekanntlich mit einer besonderen Attraktion aufwarten kann: Mit der Rekonstruktion eines unberührten, reich ausgestatteten Fürstengrabes, das vor bald 50 Jahren unweit des Museums entdeckt wurde. Diesen Sommer könnten noch zusätzliche Interessierte hinzukommen. Denn die Themenschau, in modifizierter Form vom hessischen Museum „Keltenwelt Glauberg“ übernommen, verdeutlicht einmal mehr das Grundprinzip des Museums, nicht nur Fundobjekte in wissenschaftlichem Rahmen zu präsentieren, sondern Besuchern die Lebenswelt der Kelten näher zu bringen, die vor zweieinhalb Jahrtausenden hier und an vielen Orten im Landkreis gesiedelt hatten.

Was damals auf die Teller und in die Becher kam, davon haben die Kelten, keinerlei schriftliche Zeugnisse hinterlassen. So sind einmal mehr die Archäologen gefragt – in diesem Fall mit den Spezialdisziplinen Archäo-Botanik und Archäo-Zoologie. Dank neuester Technik können Mikroreste von Pflanzen und Nahrung analysiert werden. Etwa in Keramik eingebrannte Speisereste oder Pollenkörner, wie sie im Metkessel des Keltenfürsten von Hochdorf gefunden wurden, der zudem eine dicke Schicht verkohlter Getreidespelzen enthielt.

„Die Ergebnisse“, sagt Museumsleiterin Simone Stork, „führen uns mitten hinein in den keltischen Alltag, auf Felder und Weiden, bis an die Kochtöpfe der Kelten.“ Basis der Ernährung in der Eisenzeit waren vor allem heimische Kultur und essbare Wildpflanzen. Nachgewiesen sind Getreidesorten wie Gerste, Hirse, Dinkel und Emmer oder Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen und die Linsenwicke. Aber auch Ölfrüchte wie Leindotter und Mohn oder eine ganze Reihe von Sammelpflanzen: Hasel, Himbeeren, Holunder, Schlehe, Wildbirnen.

Antike Überlieferung widerlegt

Widerlegt wird die antike Überlieferung, wonach die Nahrung „aus wenig Brot, aber viel Fleisch“ bestanden habe, wie es Diodor berichtet. Laut Stork ergeben Hochrechnungen einen „Fleischkonsum von 15 Gramm pro Person und Tag“. Woraus die Museumsleiterin folgert: „Fleisch war weitgehend der Herrschaftselite, also der High Society vorbehalten. Die normalen Leute haben von pflanzlicher Nahrung gelebt.“

Die fruchtbaren Böden der Gegend wurden weitgehend für Ackerbau genutzt. Gleichwohl hielten die Kelten auch Nutztiere wie Rind, Schwein, Schaf und Ziege. Weidetiere aber wurden „weiter weggetrieben, bis in den Schwarzwald“. Eine Erkenntnis, die der Strontium-Isotopen-Analyse geschuldet ist: Isotope lagern sich beim Zahnwuchs früh und abschließend in die Zähne ein, in den Knochen aber auch später. Im Abgleich lassen sich über diesen „geologischen Fingerabdruck Bewegungen in der Landschaft nachzeichnen“. Eine Methode, die auch für die Analyse der Migrationsbewegungen des Menschen genutzt wird.

Weil im Bereich Hochdorf auch Spuren von Spanferkeln und gebratenen Zicklein gefunden wurden, gelten die Kelten von Hochdorf als „Feinschmecker“, wie Stork sagte. Als Biertrinker sowieso, wobei sie den Gerstentrunk nicht nur des Alkohols wegen geschätzt haben, sondern auch als gesundes Lebensmittel. Keltisches Brot gab es selbstredend, auch einen leckeren Keltenkringel aus Dinkelmehl, Honig, Schweineschmalz, Ei und Hirschhornsalz, der für die Ausstellung nachgebacken wurde: Das einfache Backrezept liegt als appetitliche Postkarte aus. Die Kelten wussten auch den Wert von Heil- und anderen Kräutern zu nutzen. Der „Welt der feinen Leute“, so Stork, „waren exotische Genüsse vorbehalten“.

Die Ausstellung mündet in eine aparte Rotunde am Lagerfeuer. An der „Hörbar“ kann man der antiken Überlieferung nachlauschen – umgeben von lockeren, auf Gaze gedruckten Rekonstruktionszeichungen in Lebensgröße.

Info: Die Sommer-Sonderausstellung „Zwischen Kesseln und Bratspießen – Ernährung bei den Kelten“ im Keltenmuseum Hochdorf dauert bis zum 2. September. Ergänzt wird sie durch Fachvorträge. Infos unter www.keltenmuseum.de