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Feuerwehren im Kreis wollen, dass der Übungsbetrieb wieder startet

Kreisbrandmeister legt Hygienekonzept vor, um trotz Corona wieder mit den Ausbildungen beginnen zu können

Die OP-Masken gehören seit Corona zur Standardausrüstung der Feuerwehrmitglieder. Foto: Feuerwehr Affalterbach
Die OP-Masken gehören seit Corona zur Standardausrüstung der Feuerwehrmitglieder. Foto: Feuerwehr Affalterbach
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Foto: Oliver Bürkle

Steinheim/Affalterbach/ Kreis Ludwigsburg. Gleich drei Probleme treiben die Feuerwehren derzeit um: die Angst vor Ansteckung mit Corona bei Einsätzen, die wegen Corona fehlenden Übungen innerhalb der Feuerwehr und die nicht stattfindenden Ausbildungen.

Die Pandemie fordert die Feuerwehr ganz besonders: „Wenn einer von uns an Corona erkrankt und mehrere Kameraden deshalb ausfallen, wird es vor allem tagsüber eng“, machte der Steinheimer Kommandant Markus Elsäßer in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend deutlich. Schnell habe man einen Krisenstab gebildet und Maßnahmen entwickelt, um die Infektionsketten zu minimieren. Bei Einsätzen tragen alle Feuerwehrangehörigen Masken, danach gibt es kein Zusammenstehen mehr und es finden keine Übungen statt. „Das birgt natürlich Gefahren“, so der Kommandant. Feuerwehren agierten im Hochrisikobereich in gefährlicher Umgebung, mit komplexen Geräten. „Eine Feuerwehr beruht auf dem Beherrschen des Handwerks und auf Teamwork. Das ist wie bei einer Fußballmannschaft, die wird auch schlechter, wenn man nicht trainiert“, so Elsäßer. Handfertigkeiten ließen nach, auch das blinde Verständnis untereinander leide. „Das Vertrauen lässt nach, wenn man keine Kameradschaft mehr leben darf.“ Wenigstens in Kleingruppen mit drei Personen habe man wichtige Handgriffe einstudieren oder die Fahrzeuge bewegen können, „so ein 18-Tonner ist ja kein VWGolf und wir sind keine Lastwagenfahrer“, so Elsäßer. Selbstverständlich habe man die Abteilungen streng voneinander getrennt.

Die Kleingruppen müssen aber nicht unbedingt ein Nachteil sein: „Da konnte man Wissen intensiver vermitteln“, betont der Affalterbacher Kommandant Sascha Hänig auf Nachfrage. Im Sommer wurde zudem in größeren Gruppen geübt. Noch sei die Einsatzfähigkeit aber nicht gefährdet, so Elsäßer, wenn er dies aber bemerke, müsse er wieder üben. Hänig setzt dabei auf ein neues Hygienekonzept des Landkreises, das für die Ausbildungen ausgearbeitet wurde. „Die Umsetzung ist nur möglich, wenn die Zahl der Neuinfektionen zurückgeht und wir die Regeln einhalten. Es hilft nichts, wenn wir üben dürfen und dann hat die Hälfte der Feuerwehr Corona“, so Hänig.

Die fehlende Ausbildung macht sich bemerkbar

Denn auch die fehlende Ausbildung mache sich bemerkbar. „Wir haben aber eine solide Grundausbildung. Mit Erfahrung und Mut zur Lücke konnten wir das ausgleichen“, so Markus Elsäßer. Aber eben nicht auf Dauer. Theoretische Ausbildung findet online statt, was gut funktioniere, aber bei der praktischen Ausbildung sei das Defizit greifbar. So gebe es elf Übergänge aus der Jugendfeuerwehr, aber es wird eben keine Grundausbildung angeboten. Solange könne man sie nicht einsetzen.

„Das ist eine Bugwelle, die wir vor uns herschieben“, betont auch Hänig. Ihm fehlen zum Beispiel Atemschutzträger, die tagsüber verfügbar sind. Größere Feuerwehren übernähmen die Ausbildung zum Teil selbst, aber die Steinheimer Wehr könne dies eigentlich nicht stemmen, „aber da müssen wir uns noch Gedanken machen, da es die sicherste Variante mit Corona ist, etwas separat zu machen“, so Elsäßer. Um selbst ausbilden zu können, braucht es eine spezielle Qualifikation – in Steinheim sind derzeit zwei Mitglieder auch Ausbilder. Der Zeitaufwand ist groß: Der Lehrgang Grundausbildung geht über mindestens 70 Stunden, für die Maschinisten sind 35 Stunden angesetzt.

Vorgestern Abend präsentierte Kreisbrandmeister Andy Dorroch aber eine Lösung, wie er auf Nachfrage der LKZ berichtet. „Wir werden nach den Faschingsferien wieder mit der Ausbildung starten“, sagt er. Ein Jahr lang habe man gewartet, jetzt wisse man, wie man sich schützen könne. FFP2-Masken seien bei den Ausbildungen Vorschrift, Gruppen werden nicht aus mehreren Wehren zusammengemischt, die Übungsteilnehmer nehmen nicht an den Einsätzen teil und müssen nach der Ausbildung einen Schnelltest machen. Es bestehe auch die Möglichkeit, dass ein Ausbilder zu einer Feuerwehr im Ort komme. „Wir müssen wieder einsteigen, sonst haben wir die Bugwelle“, betont auch Andy Dorroch. Sobald die Einsatzfähigkeit sinke, müsse man handeln. „Wir sind in einer Bringschuld“, glaubt der Kreisbrandmeister, verhehlt aber auch nicht, dass es kritische Stimmen zur Entscheidung gab.

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