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Steuerkraft

Finanzkräftige Städte: Pleidelsheim stürzt dramatisch ab

Die Coronakrise schlägt bei den Steuereinnahmen immer stärker durch. Fast alle Kommunen rechnen mit weniger Geld im kommenden Jahr. Die finanzkräftigste Stadt im Landkreis ist weiterhin Gerlingen. Pleidelsheim rutscht dramatisch ab.

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Kreis Ludwigsburg. Die Gemeinde Pleidelsheim hat es in Coronazeiten richtig gebeutelt. „Uns hat Corona 2020 finanziell hart getroffen und wir haben uns 2021 auch noch nicht davon erholt“, sagt Bürgermeister Ralf Trettner. Die Gewerbesteuer liege auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Steuerkraft pro Einwohner ist von 1619 Euro aus 1244 Euro zurückgegangen. „Persönlich gehe ich aber davon aus, dass wir uns in 2023 wieder ein Stück davon erholen werden. Voraussetzung ist aber, dass 2022 die Lieferengpässe die es derzeit in der Wirtschaft gibt und das Wirtschaftswachstum bremst, zurückgehen.“ Allerdings habe ein Steuerrechtsstreit einer Firma, der sich über Jahre mit dem Finanzamt hingezogen habe, einen siebenstelligen Betrag bei der Gewerbesteuer gekostet. Trettner geht aber davon aus, dass es sich um kein strukturelles Problem handelt und sich die Kommune bald wieder erholen werde.

Das Landratsamt rechnet für seinen Haushalt insgesamt mit weniger Einnahmen. Für 2022 sind 253,9 Millionen Euro vorgesehen. Das sind gut 100000 Euro weniger als im Jahr zuvor. Finanzdezernentin Betina Beck muss ein Defizit von 8,3 Millionen Euro ausweisen. Noch ist unklar, wie sich die aktuelle Steuerschätzung für den Landkreis auswirkt, die deutlich höhere Einnahmen als zunächst angenommen vorhersagt. Allerdings gibt es weitere Unwägbarkeiten. Bei der Erstellung des Haushaltes lagen die Zahlen der rkh-Kliniken noch nicht vor. Jetzt ist klar, dass die Kliniken mit einem Minus von rund acht Millionen Euro abschließen wird.

Allerdings stehen die tatsächlichen Steuereinnahmen für das laufende Jahr noch gar nicht fest. Die Statistiker greifen deshalb auf einen Trick zurück. Für die Berechnung der aktuellen Steuerkraft verwenden sie die Zahlen des jeweils vorvergangenen Jahres. Die Steuersumme von 923,5 Millionen Euro ist schon 2020 geflossen. Sie bildet die Basis für die Berechnung der Kreisumlage, die auch in diesem Jahr stabil bei 27,5 Prozent bleibt.

Neben Pleidelsheim hat auch Gemmrigheim einen dramatischen Absturz erlebt. Die Gemeinde im Nordkreis rutscht von Rang 7 auf 37 ab. Besser ist es Erligheim ergangen. Die Kommune klettert von 34 auf 14. „Ich bin selbst über den großen Sprung überrascht“, sagt Bürgermeister Rainer Schäuffele. Den Grund sieht er für 2020 in der Gewerbesteuerkompensationszahlung des Bundes in Höhe von 405000 Euro, die aus den Jahren 2017-19 berechnet wurde. Tatsächlich sei die Gewerbesteuer mit 1,6 Millionen Euro gleich hoch geblieben. „Daher handelt es sich um einen einmaligen Effekt.“ Ditzingen und Ludwigsburg bleiben in dem Ranking stabil auf den Plätzen zwei und drei.

Auch wenn die Steuereinnahmen nicht mehr ganz so kräftig sprudeln wie früher – in Gerlingen herrscht trotz Coronawolken weiter Sonnenschein. Allerding ist das Gewerbesteueraufkommen von 57,9 Millionen Euro auf 39,3 Millionen zurückgegangen. Neben der Pandemie macht Bürgermeister Dirk Oestringer vor allem „die Transformation von Schlüsselindustrien und insbesondere die enormen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung“ verantwortlich.

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