Logo

WALD

Fit für den Klimawandel

Eichen, Buchen und Ahorne leiden zunehmend unter Hitze und Trockenheit. Douglasien, Zedern und Baumhaseln könnten Alternativen sein. Im Pulverdinger Holz experimentieren Forscher am Wald der Zukunft.

Fotos: Alfred Drossel, privat
Foto: Alfred Drossel, privat

Kreis Ludwigsburg. Was für ein Duft. Das Holz der Zeder riecht intensiv, würzig und balsamisch. Es gibt nahezu keinen Parfümeur auf der Welt, der sich diese Duftnote nicht schon zu Nutzen gemacht hätte. „Was für ein toller Baum“, sagt Jörg Grüner von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg. Der Waldbauer, der sehr viel von Bäumen und Forsten versteht, steht am Montagmorgen im Unteren Pulverdinger Holz nahe der B.10 und ist begeistert. Grüner reicht das Zedernholz weiter an den Kreisumweltdezernenten Christian Sußner, an die Leiterin des Fachbereichs Forsten, Gundula Gmelin, und an den Revierleiter Hartmut Flunkert. Sie sind genauso beeindruckt wie Grüner.

350_0900_22438_COKRNEU_Sussner.jpg

„Jeder gepflanzte Baum ist ein guter Baum.“

Christian Sußner
Umweltdezernent

Seit einem halben Jahr wachsen im Staatswald bei Pulverdingen rund 4500 Libanonzedern, Atlaszedern, Baumhaseln und Douglasien ihrer Zukunft entgegen. Die FVA unterhält hier eine knapp zwei Hektar große Versuchsfläche, auf der sie auch heimische Traubeneichen und Hainbuchen kultiviert. Drei solcher Pilotprojekte gibt es derzeit in Baden-Württemberg, zwei weitere sind in der Planung.

Der geistige Vater der Anlage, Axel Albrecht, und seine Kollegen untersuchen im Pulverdinger Holz, wie sich diese so unterschiedlichen Baumarten miteinander vertragen. Außerdem wollen sie herausfinden, ob Libanonzedern, türkische Baumhaseln und Douglasien aus Nordamerika einen Ausweg aus dem Dilemma bieten, in dem sich die Forstleute wegen des Klimawandels befinden. Doch dazu müssen die Experten zuerst von Eichen, Buchen und Ahornen reden.

„Der Wald steht vor großen Herausforderungen“, sagt Albrecht. „Die heimischen Baumarten sind, bis auf wenige Ausnahmen, nicht an langanhaltende Trockenheit und Hitze angepasst.“ Im vergangenen Jahr haben das zum Beispiel Bergahorne in Pulverdingen zu spüren bekommen. Der Fachmann Grüner ist eigentlich ein Fan dieser „tollen Mischbaumart“. Doch im Pulverdinger Forst wird sie im vergangenen Jahr von einem Pilz dahingerafft, der die Rinde und den Holzkörper angreift. Die Forstleute aus Freiburg un dem Kreis Ludwigsburg entscheiden sich daraufhin, die Fläche im Herbst 2018 zu räumen und stattdessen alternative Baumarten zu pflanzen. „Wir können nicht mehr abwarten“, sagt Albrecht. „Proaktives Handeln ist jetzt nötig.“

Mit den rund 4500 neuen Zedern, Baumhaseln und Douglasien verbinden die Experten nach eigenen Angaben „große Hoffnungen“. Was den Klimawandel anbelangt, sind sie sehr viel robuster. Ihr Holz ist wertvoll und wächst zudem schnell. Im Pulverdinger Staatswald nähert sich der FVA-Mitarbeiter Andreas Ehring am Montagmorgen den wenige Monate alten Douglasien. „Sie sind schön angewachsen“, ruft er, „und schon zehn Zentimeter ausgetrieben.“

Noch ist auf der Versuchsfläche Geduld angesagt. In fünf Jahren sollen die Babydouglasien Christbaumgröße erreicht haben. Noch später ist das Ziel, dass sich ihre voluminösen Kronen mit den tiefgrünen, weichen Nadeln in bis zu 30 Metern Höhe ausbreiten. „In den nächsten 100 Jahren werden hier Mitarbeiter der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt regelmäßig Messungen und Beobachtungen anstellen“, sagt Ehring. Und Gundula Gemlin aus dem Ludwigsburger Landratsamt geht davon aus, dass sich erst in 10, 20 oder 30 Jahren herausstellen wird, ob das Pulverdinger Experiment mit den Baumarten aus dem Libanon, der Türkei oder Nordamerika Aussicht auf Erfolg haben wird – und sie sich mit Eichen, Buchen und Ahornen mischen lassen.

Albrecht, der geistige Vater des Projekts, gesteht am Montagmorgen: „Das wird man sehen müssen.“ Was auch für die Frage gelte, wie sich die invasiven Arten gegenüber Schädlingen verhalten. „Wir sind mitten im Versuchsstadium“, so der Fachmann aus Freiburg, „und noch lange nicht an dem Punkt angelangt, großflächig pflanzen zu können.“

Autor: