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Jugend gründet

Flotte Stromversorgung fürs Handy

Lara Lorenz hat es geschafft: Mit ihrer Geschäftsidee Premerem, einer Kleidermarke die durch Druck Strom erzeugt, gehört sie zu den besten „Jugend gründet“-Teams. Am Montag und Dienstag präsentiert sie ihr Start-up einer Expertenjury in Ulm – und hofft insgeheim auf das Bundesfinale am 20. Juni.

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Lara Lorenz gehört bundesweit zu den besten „Jugend gründet“-Teilnehmern. Foto: Alfred Drossel

Sachsenheim. Gerade die junge Generation kennt vermutlich das Problem: Man wacht morgens auf und ist spät dran. Ein wichtiger Termin steht an, doch über Nacht hat das Handy nicht geladen. Das Smartphone noch schnell aufladen? Zu spät. Auf dem Weg wird das Handy dennoch zum Navigationssystem umfunktioniert. Man will ja schließlich pünktlich sein. Doch dann macht plötzlich der Akku schlapp. Mit der Geschäftsidee von Lara Lorenz könnte dieses Problem bald der Vergangenheit angehören. Die Schülerin des Lichten-stern-Gymnasiums gehört mit ihrem Entwurf, der den Namen Premerem trägt, zu den besten Schülern des bundesweiten Online-Wettbewerbs „Jugend gründet“. Hinter Premerem versteckt sich eine neue Kleidermarke, bei welcher das ins Stoffgewebe eingewobene Material durch Druck Strom erzeugt. Der in der Kleidung gespeicherte Strom kann unterwegs als Aufladestation für das Handy genutzt werden. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so weit kommen würde“, gibt Lorenz zu. Nun muss sie sich mit den Besten in Ulm messen.

Insgesamt 718 Schüler- und Auszubildendenteams haben an der aktuellen Wettbewerbsphase, die seit September 2017 läuft, teilgenommen. Zu Beginn musste ein Businessplan eingereicht werden, der unter anderem das Produkt beschreibt, eine Marketingstrategie vorweist und einen Kosten- und Umsatzplan für die ersten drei Jahre enthält. In einer zweiten Phase fand das sogenannte Planspiel statt. „Hier wird in acht Phasen eine Marktsimulation durchgeführt“, sagt die Schülerin. So müsse man am Computer einen richtigen Standort für das Unternehmen auswählen, Mitarbeiter motivieren oder über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nachdenken. Für die ersten zwei Phasen des Wettbewerbs und für das Zwischenfinale erhalten die Teilnehmer Punkte. Die zehn besten Start-ups qualifizieren sich dann für das Bundesfinale in Stuttgart am 20. Juni.

Die Konkurrenz ist groß, die Geschäftsideen der jungen Unternehmer wohl noch größer. Doch die Schülerin aus Vaihingen-Riet hat keinen Grund sich zu verstecken. Ihr Start-up, welches sie unter dem Firmennamen Flutêx GmbH angemeldet hat, trifft den Zahn der Zeit. „Das Smartphone ist zu einem ständigen Begleiter geworden und verliert durch verschiedene Anwendungen, wie zum Beispiel die Navigationsfunktion, viel Energie“, so Lorenz. „Nicht immer ist eine Stromquelle vorhanden. Das Problem will ich lösen.“

20 Schüler haben sich für die Präsentation in Ulm qualifiziert. Dazu finden zwei weitere Wettbewerbe in Hamburg und Leipzig statt. „Die meisten nehmen in Teams teil“, sagt die Jungunternehmerin. „Da ich alleine an den Start gegangen bin, habe ich mich viel im Internet informiert.“ Auch mit verschiedenen Professoren sei sie per Mail in Kontakt gewesen. Unterstützung gab es außerdem von ihrer Schule, an der Ökonomie als Hauptfach unterrichtet wird. „Es ist eine Tradition, dass wir Teams von unserer Schule bei ‚Jugend gründet‘ ins Rennen schicken oder eine Schülergenossenschaft gegründet wird“, erzählt Lorenz. In diesem Jahr hat das Lichtenstern-Gymnasium fünf Projekte bei „Jugend gründet“ eingereicht. Doch nur Lara Lorenz konnte die Jury von sich und ihrer Geschäftsidee überzeugen.

Da sich der Wettbewerb an der Theorie orientiert, wurde bisher keine Kleidung produziert. Dennoch überlegt Lorenz, die Expertenjury mit einem Prototypen zu überzeugen. „Es gibt Socken mit Kupferfäden. Mit einem speziellen Generator lässt sich in dieser Verbindung Druck in Strom umwandeln.“ Fotos des Prototypen gibt es bisher nicht, da diese beim Zwischenfinale erstmals präsentiert werden sollen.

Wenn sich die Experten in Ulm überzeugen lassen und die Idee somit auch praktisch umgesetzt werden kann, könne Lorenz sich „durchaus vorstellen, das Produkt zu produzieren“. Überzeugungsarbeit soll auch ihre Powerpoint-Präsentation leisten. „Wichtig ist ein guter Beginn. Das Hauptaugenmerk soll auf den wirtschaftlichen Faktoren liegen“, so Lorenz.

Da sie für ihren Businessplan ausschließlich positive Rückmeldungen von der Jury erhalten habe, stünden die Chancen auf das Bundesfinale nicht schlecht. Doch dafür müssten auch das Planspiel und die Powerpoint-Präsentation möglichst gut bewertet werden. „Natürlich ist man nervös“, sagt die Gymnasiastin. „Wir werden sehen, was passiert.“