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Liquiditätsprobleme

Förderanlagenbauer meldet Insolvenz an

SFI Stotz Fredenhagen will sich in Eigenverwaltung sanieren – 127 Mitarbeiter erhalten Insolvenzgeld – Ausrüster für die Automobilproduktion

In der Kornwestheimer Heinkelstraße hat der Anlagenbauer Stotz Fredenhagen seinen Hauptsitz.Foto: Jürgen Schmidt
In der Kornwestheimer Heinkelstraße hat der Anlagenbauer Stotz Fredenhagen seinen Hauptsitz. Foto: Jürgen Schmidt

Kornwestheim. Ein traditionsreicher Industriebetrieb im Landkreis steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die SFI Stotz Fredenhagen Industries mit Hauptsitz in Kornwestheim hat jetzt Insolvenz beantragt. Das Unternehmen will sich in Eigenverwaltung sanieren, das heißt die Geschäftsführung darf weiterhin Entscheidungen treffen, bekommt aber vom Gericht einen Insolvenzexperten als Sachwalter an die Seite gestellt. Im Fall von SFI ist dies der Stuttgarter Rechtsanwalt Dietmar Haffa.

„In der Eigenverwaltung liegt die Chance, das traditionsreiche Unternehmen wieder zukunftsfähig aufzustellen.“

Clemens Vollmer
SFI-Geschäftsführer

Der Anlagenbauer hatte in den vergangenen Monaten mit Umsatzrückgängen zu kämpfen und gleichzeitig hohe Kosten durch Neubauprojekte im Ausland zu tragen, teilten Haffa und die Kanzlei seines Stuttgarter Kollegen Steffen Beck gestern in einer gemeinsamen Erklärung mit. Beck berät SFI bei der Sanierung. Das habe zu Liquiditätsproblemen geführt.

Von der Insolvenz sind 127 Mitarbeiter betroffen. Deren Gehälter seien vorläufig über Insolvenz abgesichert, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung der Anwaltskanzleien Schultze & Braun und Pluta. Ob es zu einem Personalabbau kommt, dazu gibt es noch keine Angaben.

Stotz Fredenhagen produziert Transportanlagen für die Industrie, wie Hängeförderbänder aber auch Bandfördersysteme für Schüttgut, wie etwa in der Baustoffindustrie. Schwerpunkt ist allerdings die Automobilwirtschaft, wie das Unternehmen selbst angibt.

2017 erwirtschafte SFI einen Umsatz von gut 16 Millionen Euro, mehr als die Hälfte in Amerika, vor allem in den USA und Mexiko. Und da verbuchte das Unternehmen auch noch einen Gewinn. Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor.

Die wichtigsten Kunden des Kornwestheimer Unternehmens kommen aus der Autobranche. In der Referenzliste auf der Homepage des Unternehmens sind nahezu alle wichtigen Autohersteller weltweit. Schon im Geschäftsbericht von 2017 hatte SFi als Ziel ausgegeben, die Abhängigkeit von der Autobranche verringern zu wollen. In den kommenden Wochen soll gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young ein tragfähiges Sanierungskonzept erarbeitet werden, „um Prozesse zu überprüfen und notwendige Restrukturierungs­maßnahmen zu ermitteln“, heißt es in der Mitteilung. „In der Eigenverwaltung liegt die Chance, das traditionsreiche Unternehmen wieder zukunftsfähig aufzustellen, wird SFI-Geschäftsführer Clemens Vollmer in der schriftlichen Erklärung zitiert. Berater Beck, dem als Generalbevollmächtigten weitreichende Befugnisse eingeräumt werden, gibt sich optimistisch: „Alle Beteiligten ziehen an einem Strang. Die Mitarbeiter sind hoch motiviert. Das sind gute Grundvoraussetzungen für eine nachhaltige Sanierung.“

Allzu nachhaltig war die Entwicklung des Unternehmens in den vergangenen zehn Jahren nicht. Denn die Vorläuferin der SFI, die Stotz Fördersysteme GmbH war 2010 ebenfalls in die Insolvenz gegangen. Drei Jahre zuvor hatte Stotz den Konkurrenten Fredenhagen aus Dreieich in der Nähe von Frankfurt übernommen.

Unternehmensgründer Albert Stotz gehört zu den Industriepionieren in Württemberg. Seit 1860 in Stuttgart gegründeter Betrieb, war die erste Fabrik, die schmiedbares Gusseisen herstellte, wie das Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg verzeichnet. Bereits 1898 zog das Unternehmen in ein neu errichtetes Werk nach Kornwestheim um.

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