Logo

Oldtimer

Ford Capris werden zum zweiten Leben erweckt

Am Ende der Swinging Sixties ließ Ford den wilden und zugleich bürgerlichen Capri auf die Menschheit los. Nach 40 Jahren ist das Modell so gut wie verschwunden. Doch der ehemalige Gärtner Tilo Rögelein lässt das Kult-Coupé neu entstehen. Er ist Europas größter Restaurator des Capri.

350_0900_16604_CONEne_cap2.jpg
Tilo Rögelein (links) und Sohn Sascha mit einem Teil der Sammlung von mehr als 30 Fahrzeugen.Fotos: Alfred Drossel
350_0900_16605_CONEne_cap5.jpg

erligheim. Seinen Ford-Capri-Fund wollte Tilo Rögelein zunächst gar nicht restaurieren. Als 18-Jähriger rettete er dann seinen Ford Capri 2300 Ghia der dritten Serie vor seiner sicheren Verschrottung. Er baute ihn wieder neu auf. Exakt neun Wochen und drei Tage dauerte die konzertierte Aktion in der Werkstatt.

Das Ergebnis war dann auf der Retro Classic zu bewundern und der gebürtige Bietigheimer und gelernte Gärtner hatte sein Hobby zum Beruf gemacht. Rögelein hat in Erligheim eine Werkstatt, in der er, inzwischen mit seinem 24-jährigen Sohn Sascha, einem Mechatronik-Meister, Ford-Capri-Modelle zu neuem Leben erweckt. Der „Capri“ hat es Tilo Rögelein angetan. Es gab Zeiten in seinem Leben, da hortete er über 80 Ford Capri. Heute sind es nur noch rund 30. Er hat reduziert.

Nach Vorbild des Mustang kam Ford 1969 mit dem Sportwagen auf den Markt und begründete damit auch in Europa den Coupé-Kult. Rezept: preiswerte und zuverlässige Großserientechnik unter einer aufregend gestylten Karosserie in knalligen Farben. Damals hat das Auto, je nach Modell, um die 7 900 Mark, rund 4040 Euro, gekostet.

Rögeleins automobile Karriere begann konsequent. An seinen ersten Kontakt mit dem Ford-Coupé kann er sich noch gut erinnern. 1973 war es, als sein Vater einen Ford Capri 2300 kaufte. „Ich war völlig begeistert. So ein Auto wollte ich später haben“, sagte Rögelein. Er war im Alter von vier Jahren Ford-Capri-Fan geworden.

Mehr als tausend Ford Capri hat der Tüftler in seinem Leben schon ausgeschlachtet. Sein Ersatzteillager füllt die Regale von über 2000 Quadratmetern. Rögelein kauft alte Modelle und die Restbestände der Ford-Händler. Nur so ist der Erligheimer in der Lage, so ein Auto von Grund auf neu zu bauen. Das sei dann besser, als bei der Erstauslieferung, ist sich Tilo Rögelein sicher.

Rost gilt als größtes Capri-Manko. Unter ihm leiden alle typischen Bereiche wie Schweller, Kotflügel, Radläufe, Lampenkästen, Bodenbleche, hintere Blattfederaufnahmen sowie Seitentaschen zwischen Radlauf und hinterer Stoßstange. Hier hatte Ford Schaum als Dröhnschutz eingespritzt. Die Ghia-Modelle rosten gern unter den ihnen vorbehaltenen Teerdämmmatten an der Stirnwand. Die Erligheimer Werkstatt hat da Lösungen parat.

Die Rögeleins setzten auf Neuaufbau. Das kostet dann mindestens 30 000 Euro und dauert einige Monate. Die echten Fans des Kultautos geben das gerne aus. In ganz Europa sitzen die Kunden, denn Rögelein hat sich in der Szene einen guten Namen gemacht.

Besonders bedauerlich sei die Ignoranz von Ford, findet Tilo Rögelein: „Ford unterstützt die eigene Tradition so gut wie nicht.“