Logo

Freiberg testet Lehrer und Erzieher

Nachdem das Land Baden-Württemberg im Kampf gegen Corona die Teststrategie auf Schulen und Kitas erweitert hat, wird die Stadt Freiberg nächste Woche für Lehrer und Betreuungspersonal in der Stadthalle eine Schnellteststelle einrichten.

Apotheker Jan Siegel engagiert sich dafür, ab nächster Woche Schul- und Kitapersonal zu testen. Foto: Andreas Becker
Apotheker Jan Siegel engagiert sich dafür, ab nächster Woche Schul- und Kitapersonal zu testen. Foto: Andreas Becker

Freiberg. Dr. Björn Schittenhelm ist Inhaber der Alamannen Apotheke in Holzgerlingen im Landkreis Böblingen. Er hat als erster seiner Zunft ein eigenes Testzentrum auf die Beine gestellt und führt seit dem 21. Dezember in einem Gewerbegebiet Corona-Schnelltests durch. Ein vorbildhaftes Konzept, wie auch Jan Siegel findet, dem die Palm‘sche Apotheke am Rathaus in Freiberg gehört. „Ich kenne Björn Schittenhelm gut – er zeigt, was Apotheke leisten kann“, sagt Siegel. Das verlieh ihm die Motivation, der Stadt Freiberg seine Hilfe anzubieten. Dieses Angebot und die aktuelle Teststrategie des Landes, laut der sich Beschäftigte in Schulen und Kitas zweimal pro Woche auf das Coronavirus testen lassen können, mündete in die Einrichtung einer Corona-Teststelle für Mitarbeiter der Freiberger Kinderbetreuungseinrichtungen sowie für Lehrkräfte und Personal an den örtlichen Schulen.

Es ist eine Mammutaufgabe, die sich Apotheker Jan Siegel und die Stadtverwaltung da vorgenommen haben. Schließlich sind es mehr als 400 Personen, die einen Berechtigungsschein haben, mit dem sie sich zweimal pro Woche einem Schnelltest unterziehen können: 140 Lehrkräfte der Oscar-Paret-Schule, 46 der drei Grundschulen sowie 230 Erzieherinnen, Mitarbeiter der Sekretariate, Reinigungskräfte, Hausmeister und Schulsozialarbeiter. Um einen Überblick darüber zu bekommen, wie viele Personen in welchem Zeitraum getestet werden können, starten Apotheker und Verwaltung erst mal einen Probebetrieb mit 36 Personen. Dieser soll am Dienstag von 9 bis 12 Uhr im Foyer der Stadthalle stattfinden. „Erst wenn wir wissen, wie viele Minuten wir pro Person und Test benötigen, können wir die gesamte Struktur festlegen“, sagt Peter Müller, Leiter des Fachbereichs Recht und Ordnung bei der Stadt. Apotheker Jan Siegel möchte dafür zwei Kräfte seines Personals abstellen. Die Teststelle soll derart aufgebaut werden, dass Ein- und Ausgang getrennt voneinander sind und der Mindestabstand gewährleistet ist.

Um verlässliche Zahlen über die testwilligen Personen zu erhalten, wurde das gesamte Schul- und Kitapersonal angeschrieben. Bis zum Wochenbeginn, so hofft Peter Müller, sollen die Zahlen vorliegen. Bis dahin dürfte auch feststehen, wie viele Helfer vom örtlichen Deutschen Roten Kreuz und der freiwilligen Feuerwehr mitmachen. Denn dort hat Müller um Hilfe gebeten, weil die Masse an Testungen kaum von den Kräften der Apotheke allein zu bewältigen sein wird. Haben Peter Müller und Jan Siegel alle Zahlen auf dem Tisch, kann festgelegt werden, ob die Schnelltests die ganze Woche durch oder nur an bestimmten Tagen und zu welchen Zeitfenstern stattfinden. Apotheker Siegel freut sich unterdessen auf die Aktion. „Ich brenne wahnsinnig für die Aufgabe – das ist sehr spannend“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Gleichzeitig hofft er darauf, dass am Dienstag auch wirklich nur Menschen zum Probelauf der Schnelltestaktion kommen, die dem Lehr- und Betreuungspersonal zuzuordnen sind. „Ich habe größtes Verständnis für das Interesse der Bevölkerung an Schnelltests, doch ohne Berechtigungsschein kann niemand getestet werden“, sagt Siegel, der in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Andreas Bühler aus Bietigheim-Bissingen eine IT-Infrastruktur für die Schnelltests aufbauen möchte. „Sobald die Bevölkerung getestet werden kann, werden wir diese Möglichkeit bieten“, sagt Apotheker Siegel.

Einer, der sich ganz besonders über die Einrichtung der Coron-Teststelle freut, ist René Coels, der Leiter der Oscar-Paret-Schule. „Das erhöht die Sicherheit vor Ort“, sagt er. Außerdem sei es für die Lehrkräfte deutlich praxistauglicher, zum Testen zu einer zentralen Stelle vor Ort zu gehen, als zwischen Präsenz- und Fernunterricht noch einen Arzt- oder Apothekenbesuch einzutakten. Die Stadthalle biete sich dafür ganz besonders an, weil sie neben der Schule liegt und derzeit für den Sportunterricht ohnehin nicht benötigt wird. Umso mehr freut sich Coels über das Angebot: „Toll, dass man da so schnell aktiv geworden ist.“

Autor: