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Frühjahrsputz bei Sperling, Meise & Co.

Im Gebiet rund um die Krugeiche können sich Vögel quasi ins gemachte Nest setzen. Denn dort macht die Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) einmal im Jahr die Nistkästen sauber. Auch um die Brut vor Räubern zu schützen.

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Jürgen Vogel mit einer der „Wohnungen“ für Sperling, Meise und Kleiber.Fotos: Karin Rebstock
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Mit der Leiter geht es hinauf zu den Nistkästen, die abgehängt und kontrolliert werden. 350 Stück hat der Nabu angebracht.
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Mit der Leiter geht es hinauf zu den Nistkästen, die abgehängt und kontrolliert werden. 350 Stück hat der Nabu angebracht.
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Mit der Leiter geht es hinauf zu den Nistkästen, die abgehängt und kontrolliert werden. 350 Stück hat der Nabu angebracht.

oberstenfeld. Joachim Vogel vom Nabu legt die dreiteilige Klappleiter an. Sie hat an den Füßen zwei Spitzen, die sowohl im morastigen als auch im steinhart gefrorenen Waldboden Halt finden. Statt der letzten Sprosse hat sie ein stabiles Leinenband, das sich zum einen sicher um den Holzstamm schmiegt, zum anderen die Rinde schont. Seine zwölf Jahre alte Tochter Hanna klettert hoch und nimmt einen Nistkasten in über drei Metern Höhe vom Haken. Sie hat Routine, weil sie das schon seit sechs Jahren macht.

Der Papa betrachtet das Einflugloch. „Der Kasten wurde benutzt“, erkennt er sofort. Die beiden „lächelnden“ Einstiegshilfen an der Front des Kastens sind vom Gefiederfett speckig-schwarz. Und er entdeckt Flaum an der Kante des kreisrunden Eingangs. „Da war der Marder dran“, schließt er aus dieser Spur. Der klettert gerne Bäume hinauf, setzt sich aufs Dach der Vogelwohnung und fingert mit seinen Pfoten nach Beute. Hier hat er sich wohl im Geäst verfangen, denn Eierschalen sind nicht zu finden.

Je höher die „Matratze“ im Nistkasten wächst, desto leichter wird es dem Marder gemacht, mit seinen Pfoten durch das Flugloch Fressen zu finden. Auch deshalb gibt es den Frühjahrsputz des Nabu. Ganz abgesehen von der Hygiene. Kot und „Sperrmüll“ werden mit einem speziellen Kratzer geräumt. Etwa 20 Zweierteams sind seit Jahresbeginn bis zu Brutsaison Mitte, Ende Februar rund um die Krugeiche unterwegs.

Joachim Vogel löst die Klammer, die die austauschbare Front mit den unterschiedlich großen Fluglöchern zwischen 26 und 35 Millimetern Durchmesser hält. Er klopft mit einem kleinen Hammer den Schieber locker und löst sie. Unten am Boden ist eine Schicht Moos, was für eine Meise als Bewohner spricht. Ein Kleiber hätte das Nest überall mit Rindenspucke zugekleistert. Der Sperling dagegen bevorzuge Gräser. Darüber ist ein Bett aus Laub, Tierhaaren und Kunstfasern weggeworfener Kleidung. Ein Indiz dafür, dass es sich hier als Nachmieter ein Siebenschläfer mit seiner Familie gemütlich gemacht hat.

Der „soziale Wohnungsbau“ des Nabu ist beliebt. Nicht nur Singvögel ziehen in die Nistkästen ein. Auch Insekten wie Wildbienen, Wespen und Hornissen. Der Siebenschläfer, ein nachtaktiver Nager, fühlt sich darin pudelwohl. Sonja Vogel führt mit Kugelschreiber und Klemmbrett Statistik: Hausnummer, Bewohner, Baum, Belegung. Daheim werden die Notizen ausgewertet. Das Ergebnis der letzten Jahre: Die Nistkästen waren zu 60 bis 75 Prozent belegt. Überwiegend von Meisen und den possierlichen Siebenschläfern. Mit weitem Abstand gefolgt von Sperlingen und Kleibern.

Mit schwerem Gerät muss die Wohnung des Kleibers geräumt werden. Seine Mischung aus Lehm und Spucke wird hart wie Beton. Und irgendetwas verschmiert er damit immer. Zum Beispiel verkleinert er das Standard-Einflugloch von 45 auf exakt 32 Millimeter, verputzt die Fassade oder gibt der Hütte zusätzlichen Halt am Baum. Dann muss ein massiver Schraubenzieher her. Drinnen macht es sich der Kleiber auf Schnipseln der Kieferrinde gemütlich.

„In einem aufgeräumten Wirtschaftswald finden Singvögel kaum noch morsches Holz oder gerissene Astgabeln, in denen sie sich selber ein sicheres Nest bauen können“, erklärt Joachim Vogel, warum der Oberstenfelder Nabu etwa 350 Nistkästen aufgehängt hat. Nicht jeder Vogel habe das Talent, sich eine eigene Höhle zu klopfen, wie der Specht. Die Kästen sind aus Holzbeton, einer Mischung aus Zement und Sägespänen. „Die halten bis zu 25 Jahre“, sagt Vogel. Vorausgesetzt, sie fallen nicht der Holzernte zum Opfer oder werden geklaut. Jedes Jahr müssten etwa 30 von ihnen ersetzt werden.

Die reine Südlage sei unbeliebt, meint Vogel. In reiner Westausrichtung würden viele Küken wegen Regens und Feuchtigkeit sterben. Am besten ist ein trockener und kühler Standort. Deshalb hänge der Nabu die Nisthilfen wie bei Reinhard Mays „Über den Wolken“ auf: Wind Nord-Ost, Startbahn 03.

„Uns ist es wichtig, Kinder mit der Natur vertraut zu machen“, sagt Vogel zur jährlichen Putzaktion, an der jedermann teilnehmen kann. Vor allem Familien sollen damit angesprochen werden. Der Verein geht mit ihnen im Wald auf Spurensuche. Und es wird auch gelauscht, was so alles zwischen den Zweigen zwitschert. Hanna klettert wieder auf der Leiter nach oben. Der Notfallwerkzeugkasten mit Zange und Reservenägeln steht bereit. Es gibt immer was tun.