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Auktion

Fund-Fahrräder unterm Hammer

Der Affalterbacher Auktionator Rainer Schleweck hat einen besonderen Kooperationspartner an Land gezogen. Er versteigert im Auftrag der Polizei Fundräder, deren Besitzer sich nicht mehr meldeten. Exklusiv.

Kritische Inspektion eines Auktionsrades durch Familie Döz aus Winterbach. Foto: Ramona Theiss
Kritische Inspektion eines Auktionsrades durch Familie Döz aus Winterbach. Foto: Ramona Theiss
Auktionator Rainer Schleweck (rechts) gibt Auskunft.
Auktionator Rainer Schleweck (rechts) gibt Auskunft.

Affalterbach. Wo sich bis 2004 Mitglieder der Neuapostolischen Kirche nach dem Gottesdienst trafen, kamen am Sonntag Drahtesel unter den Hammer. 34 Stück holte Schleweck mit seinem Anhänger aus Ludwigsburg und Böblingen, aus Ditzingen, Kornwestheim und Marbach ab. Dazu einen Kinderanhänger, einen Motorroller und einen Kettcar. Der stammte aber nicht von der Polizei, sondern war in Schlewecks Bestand und passte einfach rein thematisch in die Versteigerung.

Es sind sogenannte „Sicherungsgüter“. Räder also, die gestohlen oder „entführt“ und nach Gebrauch weggeworfen, von der Kripo sichergestellt und eingelagert wurden. Wenn sich deren unbekannte Eigentümer auf öffentlichen Aushang hin nicht innerhalb einer gewissen Frist melden, werden die Räder zugunsten der Staatskasse verkauft.

Schleweck spritzt vor dem Termin den Schmutz grob ab und pumpt die Reifen auf. Mit geübtem Blick taxiert er die Stücke und legt ein Mindestgebot fest. Das liegt 50 Prozent unter dem erzielbaren Marktpreis. Meist sind es Herren- oder Jugendräder aus dem Mountainbike-Sektor, Tourer für Damen sind selten. „Wir haben ein Rad auf dem Hof, das kostet neu 3000 Euro“, meint der öffentlich bestellte Versteigerer. Es fand für 220 Euro einen neuen Eigentümer. Für das teuerste wurden 285 Euro geboten. Zum Vergleich: Das günstigste kostete am Ende acht Euro. Im Durchschnitt fiel der Hammer bei 50 bis 70 Euro. Dazu kommt die Gebühr für den Auktionator.

Einige Räder sortierte Schleweck im Vorfeld der Versteigerung aus. Die hätte er guten Gewissens nicht mehr verkaufen können. Fünf Stück verschenkte er als Ersatzteillager an Bastler.

Am Samstag waren Schnäppchenjäger auf Beutefang. Sie prüften die Objekte sehr genau, denn es galt der Grundsatz „gekauft wie gesehen“. Spätere Reklamationen oder gar Regressforderungen wegen Mängeln sind ausgeschlossen. Sobald ein Rad bar an der Kasse bezahlt ist, wechselt das Eigentum sofort.

Das passiert aber nicht immer. Der leicht ramponierte Motorroller mit dem kaputten Beinschild, bei dem es darüber hinaus auch keinen Zündschlüssel mehr gibt, ist so einer. Obwohl der Zuschlag bei nur 30 Euro fiel, bekam der Bieter doch seine Bedenken und machte sich aus dem Staub. Bei anderen Rädern beginnt dagegen ein regelrechtes Bieterduell.

Der 72-Jährige Joachim aus Erdmannhausen sucht ein Rad für den Alltagsgebrauch. Als Ersatz für seinen alten Drahtesel, der ihm 40 Jahre lang fast täglich treue Dienste leistete. Als Limit hat er sich 100 Euro gesetzt. Kleinere Reparaturen macht er selbst. „Im Rahmen meiner Möglichkeiten.“

„Schade, dass es noch keine E-Bikes gibt“, meint Frank aus Marbach. Er möchte ein vernünftiges Mountain-Bike mit Qualitäts-Gangschaltung. Familie Döz aus Winterbach will die Kinder mobilisieren. Die neunjährige Tochter hat sich bei der Vorbesichtigung schon einen Favoriten ausgeguckt. Der sieben Jahre alte Bruder ist nicht so erfolgreich. „Schaut schlecht aus“, meint die Mutter. „Dann halt übers Internet.“

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