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Wenn Geschichte lebendig wird
Fund gibt Rätsel auf: Medaille aus der Kaiserzeit auf Großbottwarer Acker

Über die Medaille, die Landwirt Martin Ziegler (links) auf dem Acker gefunden hat, freut sich Denkmalpfleger Markus Pantle. Fotos: Holm Wolschendorf
Über die Medaille, die Landwirt Martin Ziegler (links) auf dem Acker gefunden hat, freut sich Denkmalpfleger Markus Pantle. Fotos: Holm Wolschendorf
Die Medaille zeigt Wilhelm II. Die Aufschrift auf der Rückseite lautet „Kaisermanöver u. Parade – Erinnerung an meine Dienstzeit“. Zudem ist dort die Jahreszahl 1898 zu sehen.
Die Medaille zeigt Wilhelm II. Die Aufschrift auf der Rückseite lautet „Kaisermanöver u. Parade – Erinnerung an meine Dienstzeit“. Zudem ist dort die Jahreszahl 1898 zu sehen.
Wenn Landwirt Martin Ziegler einen neuen Fund meldet, ist die Spannung bei Denkmalpfleger Markus Pantle stets groß. Bei der Arbeit auf dem Feld zwischen Großbottwar und Winzerhausen hat er nun eine Medaille vom Kaisermanöver 1898 entdeckt. Die beiden haben unterschiedliche Theorien, wie das Stück dorthin gelangt sein könnte.

Großbottwar. „Er ist ein richtiger Glücksfall für Großbottwar“, sagt Markus Pantle über Landwirt Martin Ziegler, der zugleich ein Nachbar und Freund ist. Er habe den nötigen Blick – und nach einer Perle aus dem Frühmittelalter im Gewann Mäurich nun eine Medaille aus dem Kaiserreich auf seinem Acker am Häslichgraben entdeckt

Kaiser Wilhelm auf der Vorderseite

Die Medaille besteht aus Aluminium, ist entsprechend leicht und hat einen Durchmesser von rund vier Zentimetern. Auf der Vorderseite zeigt sie den deutschen Kaiser Wilhelm II., auf der Rückseite erinnert sie an das Kaisermanöver 1898. Dieses größte und bedeutendste Manöver wurde einmal im Jahr in Anwesenheit des Kaisers abgehalten – in diesem Fall bei Minden in Nordrhein-Westfalen und am Kronsberg in Niedersachsen. Einmal gab es auch Übungen im Raum Stuttgart und sogar bei Großbottwar, allerdings erst ein Jahr später.

„Vielleicht war jemand aus Großbottwar bei den Truppen 1898 dabei“, vermutet Markus Pantle. Näheres dazu, etwa welche württembergischen Garnisonen daran teilnahmen, konnte er bisher nicht in Erfahrung bringen. Er hält es für wahrscheinlich, dass die Medaille mit dem Mist oder der Gülle auf den Acker gelangt ist. So sei es auch oft bei Scherbenfunden. Der Misthaufen sei früher ein einziger Mülleimer gewesen, über den die Menschen entsorgten, was sie nicht mehr brauchten.

„Ich habe nicht gleich gesehen, was es ist“, sagt Martin Ziegler über den Tag des Fundes im Frühjahr. Doch schon als der Gegenstand noch voller Erde war, habe er auf eine Münze aus dem Kaiserreich oder Dritten Reich getippt. Von seinem Traktor aus falle ihm öfter etwas auf, wenn es ungewöhnliche Umrisse habe. Das könne aber auch mal ein Maschinenteil sein.

Hat der frühere Besitzer die Medaille verloren?

Vor der Flurbereinigung verlief nicht weit von der Fundstelle ein Weg in Richtung Holzweilerhof. Martin Ziegler geht daher davon aus, dass der frühere Besitzer die Medaille direkt vor Ort verloren hat. Der Verlauf des Weges ist zum einen noch auf einer alten Karte verzeichnet, zum anderen kann man Abschnitte davon auf heutigen Luftaufnahmen der Felder als helle Streifen erkennen.

Vergangenheit des Fundstücks wird wohl im Dunkeln bleiben

Inzwischen hat der Großbottwarer Jakob Gommel, der mit Markus Pantle und dessen Sohn Elias auch schon die historischen Grenzsteine um die Stadt erfasst hat, eine Recherche zur Medaille im Internet angestellt. Genau dieses Exemplar hat er dabei zwar nicht gefunden, dafür aber ein paar vergleichbare aus verschiedenen Jahren. Sie alle zeigen auf der Vorderseite den Kaiser mit Pickelhaube. Auf der Rückseite ist das Eiserne Kreuz meist größer dargestellt als auf der in Großbottwar gefundenen Medaille. Sie werden zu Preisen zwischen 22 und 45 Euro angeboten, sind allerdings auch besser erhalten als das Exemplar vom Acker. Doch ohnehin beschäftigt den Finder und die Geschichtsinteressierten nicht der mögliche Verkaufswert der Medaille, sondern ihre individuelle Vergangenheit, die sich aber wohl nie mehr ganz nachvollziehen lässt.