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Schule

Gemeinsam zu mehr Lernerfolg

Die Konrektorin Konstanze Aßmann will mit ihren Lehrwerken anderen Pädagogen das kooperative Lernen näherbringen.

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Hemmingen. Als Konstanze Aßmann noch zur Schule gegangen ist, gab es nur eines: Der Lehrer stand an der Tafel, den Blick auf die Schüler in den Reihen, um zu sehen, ob sie fleißig mitschrieben. Heute sieht das oft anders aus – daran hat auch die Konrektorin der Hemminger Grundschule einen Anteil. 2012 hat sie ein erstes Lehrwerk zum sogenannten kooperativen Lernen geschrieben, dieser Tage sitzt sie über der Endkorrektur für das zweite, das zur Bildungsmesse didacta im Februar erscheinen soll. Die in dem Ordner enthaltenen vielen Anleitungen für Lehrer und Anregungen für Übungen hat sie alleine ausgedacht – ganz anders, als das die Methode vorsieht.

Denn die setzt auf eine besondere Form der Zusammenarbeit – und ist mehr als eine Gruppenarbeit. Nicht nur, dass sich aufgrund klar aufgeteilter Aufgaben keiner drücken kann, weil es ein gemeinsames Ziel gibt. Sie funktioniert auch, wenn die einzelnen Schüler unterschiedlich stark sind – das sei sogar so gewollt. Denn vor allem, wenn in Deutsch die Kinder einzeln arbeiten würden, werde es für den Lehrer schwierig, jedem gerecht zu werden und Aufgaben gemäß dem jeweiligen Wissensstand zu finden. Und wenn nachgearbeitet werde, seien die guten Schüler unter-, die schwachen überfordert, so Aßmann.

In ihrem Unterricht seien die Gruppen deshalb bunt zusammengewürfelt, und die Besetzung wechselt regelmäßig. „Jedes kooperatives Lernen ist eine Gruppenarbeit. Aber nicht jede Gruppenarbeit ist auch kooperativ“, umschreibt sie das Prinzip. Und auch die Bewertung der Ergebnisse, die nicht nur Aßmann vornimmt, erfolgt gemeinsam – und trainiert nebenbei die soziale Kompetenz. Fachlich starke Kinder könnten ihr Wissen einbringen, andere vielleicht gut organisieren oder die Gruppe zusammenhalten. Vor rund zehn Jahren lernte sie das kooperative Lernen nach Norm Green kennen, besuchte seitdem viele Seminare. Mittlerweile bringt sie das Konzept auch an viele Schulen im Kreis, denn neben der Konrektor-Arbeit ist sie Fachberaterin des Schulamts für Deutsch in der Primarstufe.

Die wichtigste Methode des kooperativen Lernens nennt sich „think – pair – share“. „Meine Erkenntnis erweitert sich dadurch, dass ich über eine Aufgabe nachdenke und sie dann mit anderen bespreche und reflektiere“, so Aßmann. Und zeigt ein Beispiel: Auf einem Arbeitsblatt für das Fach Deutsch geht es um Aufsätze. Jeder schreibt eine Einleitung, dann prüft ein anderer, ob wichtige Bestandteile wie Überschrift, eine Person und ein Ort genannt sind. Dann macht jedes Blatt weiter die Runde. Am Ende wählt die Klasse gemeinsam aus, welches Team die beste und spannendste Geschichte geschrieben hat.

Positive Feedbackkultur

Und gerade darauf ist Aßmann besonders stolz. „Seid nicht traurig, eure Geschichte war auch gut, aber...“, sagt ein Mädchen in einem ihrer Videos, die sie in ihrer Klasse gefilmt hat. Zu sehen sind da so konzentriert arbeitende Kinder, die weder die Kamera wahrnehmen noch ihre Lehrerin, die immer wieder vorbeischaut, um die Lernfortschritte der Einzelnen zu bewerten. „Das ist so toll, wie die Kinder die Bewertung vornehmen“, lobt Aßmann die wertschätzende Kritik, die Schwächen, aber auch Stärken nennt und Tipps geben soll. „Da brauche ich nie mehr eine Sozialkundestunde zu machen.“

Das bestätigt auch Livia Wetzel, die mittlerweile in die fünfte Klasse geht, und ihrer ehemaligen Lehrerin einen Besuch abstattet. Bei Aßmanns Unterricht habe sie gelernt, gut mit einem Partner zusammenzuarbeiten. „Und das lernen auch die, die in Deutsch nicht so gut sind“, so ihr Fazit. „Und man lernt, aufmerksam zuzuhören und die eigene Zeit einzuteilen.“ Wichtig ebenso für die eher klassische Form des Unterrichts, bei dem die Wissensvermittlung durch den Lehrer und Einzelarbeit im Vordergrund steht, und den Livia langweiliger findet.

Schneller gehe die Vermittlung mit der kooperativen Methode zwar nicht, weil es immer länger dauere, wenn Kinder sich das Wissen selbst aneigneten, sagt Aßmann. Aber das Verständnis für das Gelernte sei hinterher größer, und durch die Bewertungsrunden verfestige sich das noch mehr. „Und da gleichzeitig auch die Methoden-, Sozial- und Personalkompetenz aufgebaut wird, ist die Zeit gut investiert“, sagt sie. Angst vor mehr Aufwand müsse auch kein Lehrer haben – den hatte nur Aßmann bei der Arbeit für die unzähligen Anleitungen. Viele Jahre Unterrichtserfahrung fließen auch in ihr aktuelles Lehrwerk ein. Seit März saß sie vor allem in ihrer Freizeit an den Abschnitten, filmte zwischendurch einzelne Unterrichtseinheiten, überlegte, wie man die Übungsblätter illustrieren könnte.

Doch auch wenn das Lehrwerk nun nahezu fertig ist: Die Arbeit geht Aßmann nicht aus. Ihren Unterricht entwickelt sie ständig weiter, zudem will sie ihre Filmkünste verbessern und neues Übungsmaterial erstellen. Denn die nächste Fortbildung, die sie leitet, steht schon an.

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