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Austausch
Gemeinsamkeiten auch bei Märchen

Mit Erasmus+ wird am Friedrich-List-Gymnasium der europäische Austausch gelebt: Im Vordergrund die beteiligten Lehrkräfte mit Schulleiter Jürgen Stolle (Dritter von links) und dem Asperger Bürgermeister Christian Eiberger (ganz links).Foto: Ramona Th
Mit Erasmus+ wird am Friedrich-List-Gymnasium der europäische Austausch gelebt: Im Vordergrund die beteiligten Lehrkräfte mit Schulleiter Jürgen Stolle (Dritter von links) und dem Asperger Bürgermeister Christian Eiberger (ganz links).Foto: Ramona Th
Ausländische Gäste hat das Friedrich-List-Gymnasium gerade in Präsenz und online. Im Rahmen des Erasmus+-Programms planen Lehrer aus mehreren Ländern Europas in Asperg, wie das Projekt „Märchen als europäisches Kulturgut“ am besten umgesetzt werden könnte.

Asperg. „Es war einmal…“, diesen klassischen Einstieg kennt jede Sprache dieser Welt. Generationen erzählten und erzählen ihren Kindern und ihren Enkeln solche Geschichten, die oft gruselig, lehrreich und packend sind, meistens aber gut ausgehen: „Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.“ Diesen Einklang will Erasmus+ in den Mittelpunkt stellen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede über die Ländergrenzen hinaus austauschen. Das Ziel ist unter anderem, den Austausch zwischen Lehrern und Schülern anzuregen. Dafür werden auch in den nächsten Jahren Milliarden in die Hand genommen. Das Asperger Friedrich-List-Gymnasium (FLG) ist Teil des Projekts.

Mehrere Schülerbegegnungen geplant

Ein Dutzend Lehrkräfte aus Frankreich, Spanien und der Türkei werden in kleinen Gruppen durch das Schulhaus geführt. Für die Arbeitsgruppen sind sieben weitere Kollegen online zugeschaltet – Rumänen, Serben, Polen, Griechen, Kroaten und Portugiesen. Sie wollen sich im europäischen Sinne vernetzen und sich austauschen. Vor allem aber möchten sie, dass ihre Schüler profitieren.

„Im nächsten Jahr werden zwei Schülerinnen für längere Zeit bei Gastfamilien verbringen“, freut sich Schulleiter Jürgen Stolle. „Erasmus ist wie der Kuss der Europäischen Union, der aus einem verwunschenen Frosch einen Prinzen macht“, knüpfte Stolle an das Motto an. Junge Frauen aus der Kursstufe werden für ein halbes Schuljahr bis Weihnachten das französische savoir-vivre und den Schulbetrieb kennenlernen und die griechische Lebensart sowie den Unterricht dort. Außerdem ist geplant, mit einer kleinen Gruppe des Spanisch-Leitungskurses eine Woche lang Malaga-Luft zu schnuppern mit einem Abstecher zur Alhambra in Granada, ergänzt die Erasmus-Koordinatorin am FLG, Senta Friedrich.

„Es geht darum, neue Erfahrungen zu machen, indem sich neue Blickwinkel eröffnen, das Kirchturmdenken abzustreifen und vielleicht sogar lebenslange Kontakte zu knüpfen“, sagt Friedrich. Märchen seien dabei eine wunderbare Gemeinsamkeit, ein Kulturerbe, das mit der Vergangenheit verknüpft und an die Kindheit erinnert. Und mahnen am Ende, glücklich miteinander zu leben.

Der Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Rainer Wieland, schickte eine Videobotschaft, in der er betonte, wie wichtig der Austausch junger Menschen für die europäische Idee sei. Das über Märchen zu transportieren, sei ein guter Einfall: „Die überlieferten Geschichten sind kultureller Schatz des Kontinents und Wegbereiter, die Horizonte öffnen.“

Bürgermeister Christian Eiberger ist froh, dass das FLG für das Erasmus+-Programm ausgewählt wurde. „Für mich ist der damit verbundene europäische Gedanke eine Herzensangelegenheit.“ Die Errungenschaften der EU, insbesondere die Friedenssicherung, ein zusammenwachsendes Europa, Reisefreiheit, die Steigerung des Wohlstands sowie eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik seien für uns heute normal, dürften aber keinesfalls als selbstverständlich angesehen werden. Völkerverständnis, Freiheit und Demokratie würden am besten geschützt durch interkulturellen Austausch und Begegnungen. Mit gegenseitigem Verständnis ließen sich Vorurteile abbauen und Freundschaften entstünden. Er selbst habe als Student in einer international besetzten Wohngemeinschaft gelebt und habe dabei „unschätzbar wertvolle Erfahrungen“ gemacht. „Ich möchte diese Zeit nicht missen“, so Christian Eiberger.