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Gesundheit

Gemischte Gefühle am Krankenbett

Die Kreiskliniken haben im Seuchenjahr 2020 einen Überschuss erwirtschaftet, aber deutlich weniger Patienten behandelt. Eine Prognose für das laufende Jahr legen die Krankenhausmanager im Kreistag noch nicht vor.

Klinikum in Ludwigsburg: Das Haus muss in den kommenden Jahren weiter für viel Geld modernisiert werden. Foto: LKZ-Archiv
Klinikum in Ludwigsburg: Das Haus muss in den kommenden Jahren weiter für viel Geld modernisiert werden. Foto: LKZ-Archiv

Kreis Ludwigsburg. Es hätte so schön sein können. Im Coronajahr 2020 behandelten die Mediziner in den drei Kreiskrankenhäusern in Ludwigsburg, Bietigheim und Marbach knapp 54000 Patienten stationär – etwa 11000 weniger als 2019. Der Grund dafür ist aber nicht, dass die Menschen hierzulande immer gesünder werden. Operationen mussten im großen Stil verschoben werden, außerdem mieden viele Patienten die Einrichtungen aus Angst vor Infektionen.

Dafür gelang es den kommunalen Häusern, einen Überschuss in Höhe von rund 2,4 Millionen Euro zu erzielen, der allerdings nach Angaben der Regionalgeschäftsführerin Anne Matros auf das Konto der Coronahilfen von Bund und Land ging. Ursprünglich kalkulierten die Krankenhausmanager im Kreis mit einem Minus von gut 650000 Euro. „Für Kliniken gab und gibt es keine Planungssicherheit“, bemängelte Matros bei der Vorlage des Jahresabschlusses im Kreistag, der am Freitag in Erdmannhausen zusammenkam. Außerdem würden zahlreiche Mitarbeiter weiter unter der Pandemie leiden. Acht Stellen konnten die Kreiskliniken im ärztlichen Dienst im vergangenen Jahr nicht besetzen, im Pflegedienst waren es gar 34.

Hohe Investitionen nötig

Die Fraktionen nahmen Matros’ Zahlen am Freitag mit gemischten Gefühlen auf – etwa der Marbacher Bürgermeister und Freie Wähler Jan Trost. Er lobte einerseits das deutlich besser ausgefallene Ergebnis. Andererseits bereite die personelle Ausstattung der Kliniken seinen Freien Wählern Sorge. Erschwerend kommt hinzu, dass die Häuser in Ludwigsburg und Bietigheim in den kommenden Jahren weiter für hohe Millionenbeträge modernisiert werden müssen. In Marbach soll zudem ein Gesundheitscampus vorangetrieben werden (wir berichteten mehrfach).

Der Pleidelsheimer Bürgermeister und CDU-Kreisrat Ralf Trettner erinnerte am Freitag daran, dass der Kreis den Hospitälern im vergangenen Jahr rund 11,2 Millionen dazugeschossen habe. Für die Grünen wäre es mit Blick auf Berlin wünschenswert, wenn die kommunalen Krankenhäuser eine auskömmliche Ausstattung für Investitionen erhalten würden. „Medizin darf kein ökonomiebetriebenes Gewerbe werden“, sagte der Ludwigsburger Kreisrat und Arzt Uwe Stoll.

Die SPD forderte unterdessen ein „grundsätzliches Umdenken“ und eine Aufwertung der pflegenden Berufe. Die Linken halten verlässliche Dienstpläne für zielführend. „Die Bedürfnisse der Beschäftigten müssen im Mittelpunkt stehen“, so der Kirchheimer Wolfram Scheffbuch.

Wo die Kreiskliniken im laufenden Jahr landen werden, ermitteln die Krankenhausmanager aktuell. Entscheiden für die Prognose werde laut Matros der weitere Pandemieverlauf – und wie die Mitarbeiter in Ludwigsburg, Bietigheim und Marbach verfügbar sein werden.

Der Mediziner und FDP-Kreisrat Horst Ludewig, der als niedergelassener Arzt im Ditzinger Ortsteil Heimerdingen arbeitet, hat jedenfalls einen Wunsch. Dass er nicht mehr, wie zum Beginn der Seuche geschehen, seine Praxis zuschließen muss, weil keine Patienten mehr aus Sorge vor Ansteckungen kommen.

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