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Juniorwahl

Generalprobe für Wähler von morgen

200 Schüler der Realschule Remseck in Pattonville sind gestern bei der Bundestagswahl der Jugend an die Urne gegangen und haben ihre Stimme abgegeben. Dafür war ein Klassenzimmer als Wahlbüro eingerichtet worden, das eins zu eins dem Original entsprach. Das fing bei Wahlkabinen und Urnen an und reichte bis zu den Stimmzetteln. Die unterschied nur der kleine Zusatz Juniorwahl von den „echten.“

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Fast wie im richtigen Wahlraum: Eray, Kevin, Berkan und Alessio (von links) bei der Juniorwahl. Foto: Holm Wolschendorf

Pattonville. Auch Wahlvorstand, Schriftführer und Beisitzer bestanden aus Schülern, die sich bei dieser Aufgabe abwechselten. Sie wachten darüber, dass bei der Juniorwahl alles mit rechten Dingen zuging. „Das Wichtige an dem Projekt besteht darin, dass die Jugendlichen sich mit Politik auseinandersetzen“, sagt Lehrerin Stephanie Schneider, die die Juniorwahl an der Realschule organisiert hat. Teilnehmen durften alle Schüler der Klassen neun und zehn, das Altersspektrum reichte von 14 bis 17 Jahren. Die Materialien hat der Träger des Projektes zur Verfügung gestellt. Das ist der Verein Kumulus, der sich die Förderung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung auf die Fahnen geschrieben hat.

Wie bei der richtigen Wahl wurden die Namen der Schüler in ein Wahlverzeichnis eingetragen. Die Heranwachsenden erhielten eine Benachrichtigung und mussten am Wahltag gestern mit dem Schülerausweis ihre Identität beweisen. Nur in einem Punkt gab es eine Abweichung: „Bisher hatten wir nur einen Nicht-Wähler“, zog Stephanie Schneider gestern Morgen Zwischenbilanz. Im Unterricht hatte sie ihre Schüler auf die Teilnahme zur Wahl vorbereitet. Als Orientierungshilfe, welche Partei ihren Interessen am ehesten entspricht, diente den Schülern der Wahlomat. Herausgekommen sei bei ihm eine 75-prozentige Übereinstimmung mit der CDU und eine 52-prozentige Deckung mit den Zielen der AfD, berichtete der 16-jährige Yannik, der die zehnte Klasse besucht. Stephanie Schneider gab zu bedenken, dass es dabei auch um Themen ging, mit denen Schüler nicht viel anfangen konnten, etwa Rente oder Einkommensteuer.

Bis das Wahlgeheimnis gelüftet wird, dauert es noch einige Tage. Am Mittwoch werden die Stimmzettel ausgezählt, beschrieb die Lehrerin das weitere Vorgehen. Bis Freitag gibt sie das Ergebnis an die Organisatoren der Juniorwahl weiter. Das Ergebnis wird erst am Sonntagabend bekannt gegeben. Der Grund: Einige der circa eine Million Schüler, die deutschlandweit an der Wahl teilnehmen, sind bereits 18 Jahre und wahlberechtigt. Eine frühere Veröffentlichung würde einen Verstoß gegen das Wahlgeheimnis darstellen.

„Ich finde es gut, dass man als Jugendlicher erfährt, wie eine Wahl abläuft“, sagte Yannik. Wie er sich vorbereitet hat? „Wir haben uns in der Schule mit dem Thema beschäftigt, ich habe die Nachrichten verfolgt und mit meinen Eltern gesprochen“, so der Jugendliche. Aktuell ist das Thema in seiner Familie ohnehin, da seine 18-jährige Schwester zum ersten Mal zur Wahl gehen darf. „Sie wäre froh gewesen, wenn sie an solch einem Projekt hätte teilnehmen können“, so der Zehntklässler.

Erschreckend findet er, wie es um die politische Bildung vieler bestellt ist, die wahlberechtigt sind. In einem Youtube-Video habe er gesehen, dass einige bei einer Straßenumfrage die unglaublichsten Dinge nicht gewusst hätten. Raphael, ebenfalls 16, hat festgestellt, dass das auch auf einige, meist jüngere Schüler zutrifft, die an der Juniorwahl teilgenommen haben: „Ich denke, dass sie auf dem Stimmzettel einfach das Kreuz hinter dem Namen gemacht haben, den sie am besten kennen.“ Welche Erwartungen die Jugendlichen an die Politik haben? „Es wird viel geredet, aber wenig getan“, findet Raphael.