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Gepanzerter Anhänger hat es in sich

Auf den ersten Blick wirkt er wie ein ganz normaler Anhänger, der am Straßenrand abgestellt wurde. Doch mit dem „Enforcement Trailer“ wird seit zwei Wochen in Kornwestheim ein neues, mobiles Gerät zur Geschwindigkeitsüberwachung eingesetzt. Unter der gepanzerten Oberfläche verbirgt sich modernste Technik.

Derzeit steht der sogenannte „Enforcement Trailer“ an der B 27; die Stadt Kornwestheim testet das mobile Blitzgerät vier Wochen lang an verschiedenen Stellen.Foto: Ramona Theiss
Derzeit steht der sogenannte „Enforcement Trailer“ an der B 27; die Stadt Kornwestheim testet das mobile Blitzgerät vier Wochen lang an verschiedenen Stellen. Foto: Ramona Theiss

Kornwestheim. Ingo Kroener, Leiter des Gemeindevollzugsdienstes, ist mit den ersten Erfahrungen mehr als zufrieden. Die Handhabung sei relativ einfach, als „hervorragend“ bewertet er die Qualität der Fotos. Vorerst hat die Stadt das Gerät für einen Zeitraum von vier Wochen von einer Tochterfirma des Herstellers ausgeliehen. Ein späterer Kauf ist aber nicht ausgeschlossen.

„Hierbei handelt es sich um die modernste Technik, die auf dem Markt ist“, so Kroener. Die Kosten liegen je nach Ausstattungsvarianten zwischen 120 000 und 140 000 Euro. Das mobile Blitzgerät, dessen Form ein wenig an die eines Tarnkappenbombers erinnert, ist in den vergangenen Tagen bereits an mehreren Stellen im Stadtgebiet im Einsatz gewesen – in Tempo-30-Zonen ebenso wie auf der viel befahrenen B 27. Anders als andere Blitzer misst dieses Gerät nicht nur die Geschwindigkeit – und zwar über zwei Fahrspuren hinweg –, sondern registriert auch die Größe von Fahrzeugen und somit Verstöße gegen Durchfahrtsverbote für Lkw.

Aktuell ist der ganz spezielle Anhänger in einer Haltebucht an der B 27 in Fahrtrichtung Stuttgart abgestellt worden, dort sind 80 km/h vorgeschrieben. Einige Autofahrer scheinen die entsprechenden Verkehrsschilder jedoch nur als Vorschlag zu verstehen: Während des mehr als halbstündigen Termins vor Ort löste das Gerät zigmal aus. Wer auf die Bremse tritt, wenn das Blitzlicht auslöst, kann übrigens nichts mehr am Ergebnis ändern, sondern gefährdet höchstens die nachfolgenden Fahrzeuge: Das Gerät hat das Tempo dann nämlich schon längst gemessen und die Daten gespeichert. „Der Blitz dient nur dazu, die Fahrgastzelle auszuleuchten“, so Ingo Kroener.

Das 1,3 Tonnen schwere Gefährt verfügt über eine Anhängerkupplung und kann per Fernbedienung eingeparkt werden, wie Michael Kurz, seit 1. Juli Mitarbeiter des Vollzugsdienstes, erläutert. Die Räder verschwinden komplett unter der gepanzerten Außenhülle. Der Anhänger ist mit Akkus ausgestattet, die einen Messbetrieb über eine Dauer von mindestens fünf Tagen ermöglichen, und zwar Tag und Nacht. Die Daten werden verschlüsselt übermittelt. Außerdem kann die Technik auch für mobile Messungen mit Stativ genutzt werden.

Gerüstet ist der ganz spezielle Anhänger auch gegen Sachbeschädigung: Nicht nur, dass die Form es nahezu unmöglich macht, darauf herumzuklettern. Sollte sich jemand an der Messanlage zu schaffen machen, erhalten die Mitarbeiter des Vollzugsdienstes eine entsprechende Benachrichtigung auf ihr Handy. Außerdem macht das Gerät dann das, was es am besten kann: gestochen scharfe Fotos von den Tätern.

Wie dieses neue Gerät funktioniert, interessiert auch Romana Teske, die stellvertretende Leiterin der städtischen Bußgeldstelle. Immer wieder werden ihre Kollegen und sie mit dem Vorwurf konfrontiert, dass es sich bei Strafmandaten wegen überhöhter Geschwindigkeit um „Abzocke“ handele. Oft werde auch Kritik an den Standorten für die Messung geäußert. Dabei gibt es ihrer Meinung nur eine Möglichkeit, um nicht in eine Radarfalle zu tappen, nämlich sich an das Tempolimit zu halten. Es gibt aber durchaus auch andere Tendenzen, wie Ingo Kroener festgestellt hat: „Viele Bürger äußern den Wunsch nach stärkeren Kontrollen.“

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