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Geteiltes Wissen auf Lernplattform

Auf dem Portal eNerd.me geben sich Schüler und Studenten gegenseitig Nachhilfe – Start-up mit Sitz in Bietigheim

Ali Can Aydemir (links) und Uli Kauffmann wollen effektives Lernen fördern – und haben deshalb eine Plattform entwickelt.Foto: Benjamin Stollenberg
Ali Can Aydemir (links) und Uli Kauffmann wollen effektives Lernen fördern – und haben deshalb eine Plattform entwickelt. Foto: Benjamin Stollenberg

Bietigheim-Bissingen.. Herbst 2015, ein Hörsaal in der Uni Augsburg, Ali Can Aydemir und Uli Kauffmann sitzen in einer Recht-Vorlesung. Am Ende rauchen den beiden MBA-Studenten die Köpfe. Der Dozent hat zu viele Infos in zu kurzer Zeit präsentiert – und diese zudem nicht besonders gut erklärt. Aydemir und Kauffmann hätten nach dieser Vorlesung gern noch einen Fachmann zu dem Thema befragt – und zwar schnell, weil die Klausuren nahten.

Beim Lernen schnell und unkompliziert Hilfe zu einem bestimmten Thema zu bekommen – diese Idee entstand in den Tagen nach der komplizierten Vorlesung und reifte in den Wochen danach. Das Ergebnis – nach knapp zwei Jahren Entwicklung – ist die digitale Lernplattform eNerd.me, die seit Sommer auf dem Markt ist und von vier jungen Leuten gegründet wurde – Aydemir (29), Kauffmann (30), Andreas Müller (26) und Eric Insel (28). Als Firmensitz ist Bietigheim-Bissingen eingetragen – der Stadt, in der Aydemir bis vor kurzem wohnte, bevor er nach Stuttgart zog.

„Heute teilen wir schon so viel über Onlineplattformen“, sagt Aydemir und nennt als Beispiele Airbnb (für Unterkünfte) oder BlaBlaCar (Mitfahrzentrale). „Wieso soll nicht auch Wissen geteilt werden?“ Das ist über das Portal eNerd.me möglich. Die Plattform führt zwei Gruppen zusammen: Schüler, die in einem Schul- und Studienfach Hilfe benötigen. Und Coaches, also Nachhilfelehrer, die ihnen das nötige Wissen vermitteln. Das sind zu 80 Prozent Studenten, der Rest meist Schüler, die kurz vor dem Abitur stehen.

Nachhilfe sofort oder später

Bei eNerd.me sind derzeit mehr als 130 Coaches und knapp 250 Schüler angemeldet – die Betreiber wollen, dass sich die Zahlen auf beiden Seiten erhöhen. „Unser Ziel ist, bis Ende 2019 jeweils tausend aktive registrierte Schüler und Coaches zu haben“, sagt Kauffmann. Die Gründer wollen ihr Portal bekannter machen – und subventionieren deshalb den Einstieg in das betreute Lernen, etwa in Form von Gutscheinen, Rabatten, kostenlosen Erststunden und Tutorials.

Aydemir und Kauffmann erklären, wie das von ihnen entwickelte System funktioniert. Ein Schüler meldet sich auf dem Portal an, wählt das Fach aus, in dem er Hilfe benötigt, dazu seine Klassenstufe oder sein Studienniveau sowie den Zeitpunkt, an dem er unterrichtet werden kann – also Wochentag und Tageszeit. Der Stoff ist konkret gliederbar – bei Mathe kann beispielsweise zwischen Algebra oder Geometrie gewählt werden. Die Auswahl ist auf Wunsch verfeinerbar, also in weitere Themengebiete aufteilbar.

Dann wird dem Schüler ein passender Coach angezeigt, der entweder sofort oder zum angegebenen Zeitpunkt Nachhilfe erteilen kann. Ein Profil zeigt an, wie alt der Lehrer ist, welche Fähigkeiten er hat, wie viele Minuten er bereits unterrichtet hat. Auch Bewertungen – wie verständlich war er, wie gut ist sein Fachwissen? – sind einsehbar. Diese können nur von Schülern abgegeben werden, die bereits eine Einheit mit dem betreffenden Lehrer hatten.

Schüler und Coach treffen sich also auf der Plattform, arbeiten auf einer digitalen Lerntafel gleichzeitig, etwa an einer mathematischen Geradengleichung oder einem englischsprachigen Text. Word-, Excel- und Powerpoint-Dokumente können gleichzeitig bearbeitet, Arbeits- und Übungsblätter hochgeladen werden.

Die Nachhilfe wird minutengenau abgerechnet – wer eine 45-Minuten-Stunde gebucht hat, aber schon nach 30 Minuten alles verstanden hat, zahlt nur die halbe Stunde. Die Bezahlung der Coaches übernehmen die Betreiber. Wer über die Plattform Nachhilfe bekommt, muss kein Abonnement abschließen und auch nichts herunterladen, betonen die Gründer. Mit ihrer Plattform wollen sie Studenten und Schüler zusammenbringen: „So soll effektives Lernen ermöglicht werden“, sagt Aydemir, der hauptberuflich beim Sparkassenverband arbeitet. Kauffmann ist bei Daimler angestellt.

Das Lernen über die Plattform, versprechen die Gründer, sei „transparent, fair und unkompliziert“. Auch Eltern würden profitieren: Nicht nur könnten sie über eigene Zugangsdaten kontrollieren, was der Nachwuchs gelernt hat. Die Onlineplattform sei ein Angebot etwa auch für jene Erwachsenen, die auf dem Land wohnten und keine Zeit hätten, ihr Kind zum Nachhilfeunterricht in die Stadt zu fahren.

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