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Graffiti-Bus-Stop: Hier darf jeder sprühen, was er will

So etwas gab’s in Marbach noch nie: Die Bushaltestelle an der Stadionhalle heißt jetzt offiziell Graffiti-Bus-Stop. Das Wartehäuschen darf völlig legal besprüht werden.

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Durch die Schablone fotografiert: Sprayer Julis Goerlich „eröffnet“ Marbachs erste Graffiti-Bushaltestelle an der Stadionhalle.Foto: Holm Wolschendorf

marbach. Die Idee hat eine ziemlich lange Vorgeschichte, nun ist sie aber Realität geworden: An dem Wartehäuschen oberhalb des Friedrich-Schiller-Gymnasiums darf ab sofort jeder Graffitis oder Mitteilungen hinterlassen, der Lust dazu hat. Von der „Wall of fame“, der Ruhmeswand, spricht Jugendhausleiter Georg Stenkamp in Anlehnung an den „Walk of fame“, auf dem sich in Hollywood Schauspieler und andere Stars der Unterhaltungsbranche verewigen.

Für das Projekt haben einige Rädchen ineinandergegriffen. Da war zum einen der Wunsch nach einer legalen Fläche für Sprayer, der zuletzt beim Stadtjugendforum Ende 2017 geäußert wurde; dieses Forum ist in Marbach die Möglichkeit für Jugendliche, sich Gehör zu verschaffen und sich ins gesellschaftliche Leben einzubringen.

Bürgermeister Jan Trost wiederum war die Bushaltestelle an der Stadionhalle schon lange ein Dorn im Auge: heruntergekommen, dreckig, undichtes Dach. Aus der ursprünglichen Idee, ihre Verschönerung zu einem Kunstprojekt für das Gymnasium zu machen, wurde aber nichts. Schließlich trat noch die Daimler-Tochter AMG aus Affalterbach mit ihrer Aktion „Give a cent“ auf den Plan und sagte vor wenigen Monaten zu, das Projekt mit 2500 Euro zu unterstützen. „Give a cent“ basiert darauf, dass die AMG-Mitarbeiter auf die Centbeträge ihres Gehalts verzichten, die Geschäftsführung stockt den Betrag dann auf, so dass jährlich etwa 20 000 Euro für Projekte in Kommunen rund um Affalterbach zur Verfügung stehen.

Einen weiteren Baustein zum Graffiti-Bus-Stop lieferte die Firma Neuform aus Erdmannhausen. Sie stellte die Zementholzplatten zur Verfügung, die jetzt die Glasscheiben des Wartehäuschens ersetzen. Und zu guter Letzt haben sich elf angehende Maler und Lackierer eingebracht, die im ersten Lehrjahr die Ludwigsburger Oscar-Walcker-Schule besuchen. Sie haben geschliffen, grundiert, die Holzplatten mit Fassadenfarbe gestrichen. Viermal waren die jungen Leute vor Ort und haben unter Anleitung ihrer Lehrerin Anette Stenkamp gearbeitet: „Das war ein fantastisches Team, der Job hat allen großen Spaß gemacht“, so die Berufsschullehrerin.

„Wir haben jetzt den einzigen Graffiti-Bus-Stop im ganzen Landkreis“, sagte Marbachs Bürgermeister Jan Trost gestern nicht ohne Stolz, als das Wartehäuschen offiziell für Sprayer freigegeben wurde.

Vier Regeln gibt es für den etwas anderen Bus-Stop: Grundsätzlich, darf jeder hier zur Sprühdose greifen, auch Schüler im Kunstunterricht. Übersprühen ist erwünscht und jährlich sollen Preise für die besten Graffitis vergeben werden. Regel Nummer vier: Leere Sprühdosen und Müll mitnehmen. Das sollte doch zu schaffen sein.