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Große Inventur bei Amsel, Rotkehlchen & Co.

Das große Zählen hat wieder begonnen: Noch bis einschließlich Sonntag können Vogelfreunde beobachten, wer sich in ihren Gärten tummelt, und damit zu einer großen Datenmenge beitragen.

Foto: Bernd Wolter/stock.adobe.com
Foto: Bernd Wolter/stock.adobe.com

Kreis Ludwigsburg. Bereits zum 17. Mal rufen der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) zur „Stunde der Gartenvögel“ auf. Diese Aktion wurde einst ins Leben gerufen, um ein genaueres Bild über die Populationen von Wildvögeln zu erhalten, um besser beurteilen zu können, welche Arten „schrumpfen“ und welche sich stabilisieren oder gar zahlenmäßig zunehmen.

Nach 15 Jahren können die Forscher des Nabu deutliche Trends für den Siedlungsraum ablesen: Die Gesamtzahl der Gartenvögel in einem durchschnittlichen Garten beträgt etwa 35 Individuen von zwölf verschiedenen Vogelarten. Feld- und Haussperling sind mittlerweile wieder häufiger anzutreffen, kleiner geworden sind dagegen die Bestände von Amsel, Mauersegler, Mehlschwalbe und Hausrotschwanz.

Bei den Blaumeisen zeigen sich kaum Veränderungen, dennoch könnten Teilnehmer an der „Stunde der Gartenvögel“ in diesem Jahr weniger Exemplare entdecken. Grund: Im vergangenen Jahr grassierte ein Bakterium unter den Blaumeisen, an dem viele starben.

Dr. Stefan Bosch, beim Nabu Fachbeauftragter für Vogelschutz, fürchtet da einen „gewissen Aderlass“; es brauche vermutlich ein bis zwei Jahre mit guten Brutperioden, bis sich die Bestände wieder erholt hätten.

Apropos Brut: Auch hier macht sich dem Experten zufolge der Klimawandel mittlerweile stark bemerkbar. Er führe dazu, dass die Vögel früher brüteten, weil es im Frühjahr früher warm wird. Käme dann noch einmal ein Kälteeinbruch oder passe das Nahrungsangebot (noch) nicht, seien viele Jungvögel nicht überlebensfähig. Im April, der in diesem Jahr ungewöhnlich kalt war, sind nach Boschs Beobachtungen viele Jungvögel in ihren Nestern erfroren. „Die Witterung nimmt einen entscheidenden Einfluss auf die Populationen.“

Trotz Variationen bei einigen Arten: Die „Top Ten“ der heimischen Gartenvögel haben sich in den letzten Jahren kaum verändert. Fast überall kommt die Amsel vor, nur in einem von 20 Gärten fehlt sie. Auch Kohlmeise, Blaumeise und Elster werden entdeckt. Der zahlenmäßig häufigste Gartenvogel, der Haussperling, lebt dagegen nur in knapp 70Prozent der Gärten, dort dann aber häufig in größeren Gruppen.

Das Rotkehlchen (Foto: Stock adobe), erster öffentlich gewählter Vogel des Jahres, wird im langjährigen Mittel innerhalb einer Stunde in fast jedem zweiten Garten entdeckt, so der Nabu. Wenn es um die häufigsten Gartenvögel geht, liegt das Rotkehlchen aber nur auf Rang 13 – weil die Vögel mit dem auffällig orangeroten Brustgefieder außer ihrem Partner keinen weiteren Artgenossen in ihrem Revier dulden.

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